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08.08.2014

04:32 Uhr

„Gezielte Operationen“

Obama genehmigt Luftangriffe im Irak

Raketen und Lebensmittel: US-Präsident Obama droht mit einem Luftangriff, sollte die Gruppe Islamischer Staat die US-Militärberater im Nordirak angreifen. US-Flugzeuge versorgen Flüchtlinge derweil mit Nahrung.

US-Präsident Barack Obama überlegt offenbar, die im Irak vorrückenden IS-Milizen aus der Luft anzugreifen. Zudem sei auf dem selben Weg auch eine humanitäre Unterstützung der Flüchtlinge möglich, beispielsweise durch abgeworfene Lebensmittel. dpa

US-Präsident Barack Obama überlegt offenbar, die im Irak vorrückenden IS-Milizen aus der Luft anzugreifen. Zudem sei auf dem selben Weg auch eine humanitäre Unterstützung der Flüchtlinge möglich, beispielsweise durch abgeworfene Lebensmittel.

New York/WashingtonUS-Präsident Barack Obama hat gezielte Luftangriffe im Irak genehmigt. Diese würden ausgeführt, wenn US-Bürger in Gefahr gerieten oder die Extremisten des Islamischen Staats (IS) auf die Stadt Erbil vorrückten, sagte er. Zudem habe man damit begonnen, verfolgte Mitglieder religiöser Minderheiten aus der Luft mit Lebensmitteln zu versorgen. Eine Entsendung von Kampftruppen in den Irak schloss der US-Präsident jedoch aus.

„Heute kommt Amerika, um zu helfen“, sagte er in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache aus dem Weißen Haus am späten Donnerstagabend (Ortszeit). „Als oberster Befehlshaber werde ich es nicht zulassen, dass die USA hineingezogen wird, einen neuen Krieg im Irak zu kämpfen“, stellte Obama klar. Den verlustreichen Krieg im Irak zu beenden, der unter seinem Vorgänger George W. Bush begonnen wurde, war eines der wichtigsten Vorhaben von Obamas Politik.

Uno-Friedensmissionen – von Blauhelmen und zivilen Helfern

Aufgabe

Uno-Beobachter sollen in Krisengebieten den Frieden sichern, Waffenruhen überwachen, Menschenrechtsverletzungen verhindern, Flüchtlingen helfen oder Wahlen beobachten.

Anzahl

Derzeit (Stand: 31. Mai 2014) sind rund 115 950 Soldaten, Polizisten und Zivilisten im Einsatz.

Uno-Beschluss

Gemäß der Charta der Vereinten Nationen muss jeder Mission ein Beschluss des Uno-Sicherheitsrats vorausgehen. In ihm werden Art, Dauer und Umfang des Einsatzes festgelegt.

Premiere

Der erste Friedenseinsatz wurde im Mai 1948 genehmigt. Damals bewachten Militärbeobachter den Waffenstillstand zwischen Israel und seinen Nachbarn. Seitdem gab es 69 Uno-Friedensmissionen mit mehr als einer Million Soldaten und zivilen Mitarbeitern.

Zivile und militärische Hilfe

Gegenwärtig laufen 17 friedenssichernde Einsätze. Dabei sind rund 17 200 zivile Uno-Helfer im Einsatz. Etwa 11 850 von ihnen wurden in den jeweiligen Einsatzländern rekrutiert. Zum uniformierten Personal gehören rund 85 500 Soldaten, knapp 1850 Militärbeobachter und etwa 12 400 Polizisten.

Kommando

Die Truppen werden von den Uno-Mitgliedstaaten bereitgestellt, stehen aber unter dem Kommando der Vereinten Nationen. Die Soldaten und Polizisten tragen die Uniform ihres Heimatlandes und sind an blauem Helm, Barett oder Dienstmarke als „Blauhelme“ zu erkennen.

Truppenstärkste Länder

Die größten Truppensteller unter den 123 beteiligten Staaten sind Bangladesch mit fast 8770 und Indien mit 8120 „Blauhelmen“. Deutschland stellt derzeit insgesamt 193 Mann. Die truppenstärksten Einsätze sind mit insgesamt mit mehr als 21 100 Mann im Kongo (seit 2010), mit rund 18 500 im sudanesischen Darfur (seit 2007) und fast 12 000 im Südsudan.

Den ersten humanitären Einsatz flogen die Amerikaner bereits. Zehntausende Angehörige der Minderheit der Jesiden, Anhänger einer alten Religion, wurden in der Nähe der Stadt Sindschar im Nordwesten des Landes mit Lebensmitteln und Wasser aus der Luft versorgt.

Rund 40.000 Angehörige der Jesiden haben sich vor der IS in einer Bergregion im Nordirak verschanzt. Nach Uno-Angaben sind sie dort ohne ausreichend Wasser und Lebensmittel eingeschlossen. Mindestens 40 Kinder seien bereits an Dehydrierung gestorben.

Kommentare (2)

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Herr Holger van Husen

07.08.2014, 20:27 Uhr

Der Insolvenzverwalter der USA und Friedensnobelpreisträger Obama meldet sich zu Wort. Das Chaos, das die USA und die Koalition der Willigen durch ihren völkerrechtswidrigen Angriffskrieg im Irak hervorgerufen haben und selbst nach 7-jähriger US Besatzung nicht beseitigen konnten oder auch wollten, will man nun mit Luftschlägen lösen? Klingt vielversprechend. Es ist doch immer wieder herrlich zu sehen, wieviel Gutes die freiheitliche Demokratien über die Welt bringen. Das die Bombardierten aber oftmals so undankbar sind, ist wirklich entmutigend. Wie wäre es, wenn sie allen Irakern ein kleines Gebiet um Kirkuk zuweisen, ihnen ein paar Spiel-Casino Lizenzen geben, deren Gewinne sie steuerfrei vereinnahmen können und den Rest einfach zu besetzen? Es kann doch nicht schaden auch mal wieder auf bewährte Methoden zurückzugreifen, die nachweislich funktionieren.

Herr Peter Schaak

08.08.2014, 05:39 Uhr

Seit wann beabsichtigen die USA mit humanitären Katastrophen zu beheben anstatt sie zu verursachen? Dazu hatten sie doch gerade im Nahost Gelegenheit. Sei es in Afghanistan, Syrien, Gaza, Pakistan oder Nordafrika bis hin zur Ukraine, überall in der Welt hat sie solche verursacht oder doch wenigstens als Komplize mit verursacht und unterstützt. Wer soll da glauben, dass sie diesmal tatsächlich um die notleidenden Menschen besorgt sind? Wie genau „gezielte Operationen“ wirken, kann jeder im Gaza sehen: Die Luftschläge gegen die IS werden auf Flüchtlinge keine Rücksicht nehmen, auch nicht auf zehntausende.

Wenn Obama seine US-Militärberater sichern will, mag er sie besser aus der Gegend abziehen. Das ist nicht nur wirkungsvoller sondern kommt auch allen Beteiligten billiger.

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