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19.03.2013

03:02 Uhr

Ghassan Hitto

Syrische Opposition wählt Regierungschef

Für die von der Opposition in Syrien kontrollierten Gebiete gibt es nun einen geschäftsführenden Ministerpräsidenten - IT-Fachmann Ghassan Hitto. Damit ist der Schritt in Richtung Übergangsregierung gemacht.

Syrische Opposition bekommt Gesicht

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IstanbulDas syrische Oppositionsbündnis Nationale Koalition hat sich auf einen Ministerpräsidenten geeinigt und damit einen wichtigen Schritt zu einer Übergangsregierung für die von ihnen kontrollierten Gebiete gemacht. Bei einem Treffen in der Türkei wurde der langjährige Telekommunikationsmanager Ghassan Hitto am Dienstag zum geschäftsführenden Ministerpräsidenten gewählt. 35 von 49 Mitgliedern der Nationalen Koalition hätten bei ihren Beratungen in Istanbul für Hitto gestimmt, teilte ihr Vertreter Hischam Marwa in der Nacht zum Dienstag mit. Hitto soll Ministerpräsident für die Gebiete im Norden und Osten Syriens werden, die unter Kontrolle der Rebellen stehen. Hitto wurde nach 14-stündigen Beratungen gewählt.

Für den Posten des Übergangspremiers gab es insgesamt zwölf Kandidaten. Hittos größter Rivale, der frühere Landwirtschaftsminister Assaad Mustafa, der einst unter Baschir al-Assads Vater Hafis amtierte und später zu den Rebellen überlief, erhielt sieben Stimmen. Zwei weitere Favoriten, darunter der Wirtschaftsexperte Ussama al-Kadi, zogen ihre Kandidatur zurück. Erst danach begann die Wahl.

An den Gesprächen in Istanbul nahmen rund 70 Mitglieder der Nationalen Koalition teil. Mehrere von ihnen verließen die Beratungen jedoch noch vor der Wahl, was auf Spaltungen innerhalb des größten Oppositionsbündnisses hinweisen könnte. Dennoch sprachen mehrere Vertreter anschließend von Hitto als einem "Konsens-Kandidaten", der auf Zustimmung beim islamistischen und liberalen Lager stoße.

Die syrische Opposition ist sehr heterogen und zerstritten. Daher konnte sie sich bislang auch nicht auf eine Übergangsregierung einigen. Ihren Unterstützern im Ausland fehlt daher auch ein klarer Ansprechpartner. Einige prominente Oppositionelle beteiligten sich nicht an der Wahl.

Hitto wurde 1964 in Damaskus geboren, verbrachte aber einen großen Teil seines Lebens in den USA, wo er Mathematik und Informatik studierte. In Texas engagierte er sich zudem jahrelang für die Islam-Schule Brighter Horizons Academy. Zuletzt arbeitete er als führender Manager in einer texanischen Telekommunikationsfirma. Im November kündigte er seinen Job, um sich dem Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad anzuschließen. In einem kurzen Auftritt nach seiner Wahl kündigte Hitto an, so rasch wie möglich ein Regierungsprogramm vorzulegen.

Eine der ersten Aufgaben des neuen Übergangsregierungschefs wird es sein, die Aufständischen vor Ort für sich und sein Kabinett zu gewinnen. Nach Angaben eines Vertreters des Oppositionsbündnisses wird der Premier voraussichtlich schon bald nach Syrien reisen und die Chefs der verschiedenen Rebellengruppen treffen. Der Militärchef der Freien Syrischen Armee, Selim Idriss, versicherte der Übergangsregierung bereits seine Unterstützung zu.

Laut dem Sprecher der Nationalen Koalition, Chaled al-Saleh, sollte die Regierung der Aufständischen früher oder später ebenfalls ihren Sitz innerhalb Syriens haben. "Ein Kabinett, das per Internet oder Skype regiert, kann nicht funktionieren", sagte er.

Die regierungsfreundliche syrische Zeitung "Al-Watan" kritisierte die Wahl eines Regierungschefs der Aufständischen als "verrückt und verwirrt". Damit zeige die Nationale Koalition, dass sie völlig realitätsfern sei und keine Ahnung von der Lage vor Ort in Syrien habe.

Die USA bestätigten unterdessen den ersten Angriff syrischer Kampfflugzeuge auf libanesisches Gebiet. Es handele sich um eine "signifikante Eskalation" des Syrien-Konflikts, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland. Kampfjets und Hubschrauber hätten Raketen in den Norden Libanons abgefeuert. Die Geschosse seien in der Nähe der Grenzstadt Arsal eingeschlagen. Damit habe die syrische Führung die Souveränität des libanesischen Staates verletzt.

Kommentare (4)

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Harald

19.03.2013, 07:29 Uhr

Syrien hat einen Regierungschef! Terroristen (Entschuldigung ich meine Die Opposition) können keine Regierung stellen und wähen!

Irmgard

19.03.2013, 09:35 Uhr

Was soll diese orwellsche Dummschwätzerei?
Diese Terroristen und Mörderbande ist keine "Opposition".
Hören Sie endlich damit auf, die Leute zu verarschen!

N_K

19.03.2013, 10:13 Uhr

" Syrische Opposition wählt Regierungschef "

Wieviele Ausbildungsstätten von USA, CIA, UNO, NATO, WHO, FED und so weiter hat denn der "NEUE" durchlaufen?

Seit der Russe u.a. (Überschall-)Präzisionsraketen an Syrien geliefert hat und diese inzwischen auf diverse amerikanische Ziele gerichtet sind, sind die Töne aus EU, Israel und USA merklich leiser geworden.

Leider haben die Volksverblödungsversuche noch nicht aufgehört, und daß Friedensnobelpreisträger sich für allgemeinen und gerechten Frieden - nicht so einer für AMI-Eigeninteresse - einsetzten würden, hat sich ja überdeutlich als verlogener Witz bewahrheitet.

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