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05.05.2012

08:35 Uhr

Giannis Boutaris

Der ziemlich andere griechische Politiker

VonGerd Höhler

Viele Griechen fragen sich: Wo bleibt die Erneuerung? Wie sie aussehen könnte, zeigt ein Besuch im Rathaus der nordgriechischen Stadt Thessaloniki. Der dortige Bürgermeister prägt einen neuen Politik-Stil.

Der Bürgermeister von Thessaloniki: Giannis Boutaris. Foto: N. Pilos

Der Bürgermeister von Thessaloniki: Giannis Boutaris.
Foto: N. Pilos

ThessalonikiGiannis Boutaris sitzt hinter seinem massiven Holzschreibtisch. Zu seiner Rechten türmen sich die Aktenstapel einen halben Meter hoch auf. Man sieht: Hier wird gearbeitet, nicht repräsentiert.

Die Fahnen, mit denen griechische Politiker gern ihre Schreibtische einrahmen, um ihren eigenen Status zu unterstreichen, hat der Bürgermeister Boutaris in die hinterste Ecke seines weitläufigen Amtszimmers verbannt, eine griechische Nationalflagge, die Fahne mit dem Stadtwappen von Thessaloniki und eine Europaflagge.

Boutaris umgibt sich lieber mit Familienfotos. Auf seinem Schreibtisch steht eine Sanduhr. Er dreht sie um, und der rötliche Sand  beginnt vom oberen in das untere Glas zu rieseln. „Wenn bestimmte, langatmige Referenten mir etwas vortragen, sage ich ihnen: Du musst fertig sein, wenn die Uhr abgelaufen ist“, erklärt Giannis Boutaris mit einem verschmitzten Lächeln.

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„In meinem Alter habe ich keine Zeit zu verlieren“, sagt er und zündet sich die nächste Camel ohne Filter an, trotz Rauchverbots im Rathaus. Giannis Boutaris wird dieses Jahr 70. Als Winzer hat er mit seinen Weinen bei internationalen Wettbewerben zahlreiche Auszeichnungen gewonnen.

In einem Alter, wo andere sich zur Ruhe setzen, übertrug er das Weingut seinen Kindern, um selbst noch einmal in der Kommunalpolitik seiner Heimatstadt etwas zu bewegen.

Seit 16 Monaten ist er Bürgermeister. Boutaris ist ein alter Mann. Und dennoch sehen viele Griechen in ihm die Erneuerung, die das krisengeschüttelte, deprimierte Land so dringend braucht. Selbst aus der arroganten Hauptstadt Athen, die sich gern für den Nabel Griechenlands hält, blicken sie nun hinauf ins 500 Kilometer entfernte Thessaloniki.

Kommentare (17)

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RDA

05.05.2012, 09:29 Uhr

Ehrlich gesagt könnten wir jemanden wie Boutaris auch in Deutschland gebrauchen.

Pinin

05.05.2012, 12:15 Uhr

"Wie die von den verschwundenen Müllmännern: rund 1500 Beschäftigte hat die Müllabfuhr. 120 von ihnen sind aber nicht auffindbar. Sie sitzen vielleicht in irgendwelchen Büros, vielleicht bleiben sie auch zu Hause und kommen gar nicht zur Arbeit."

Wo ist das Problem? Wenn man ihnen kein Gehalt mehr zahlt werden die sich schon melden.
Aber vermutlich ist dafür wieder ein anderer zuständig, der auch nicht auffindbar ist ...

dw-seneca

05.05.2012, 13:47 Uhr

Auch in Deutschland ließen sich auf kommunaler Ebene bestimmt ähnliche Lichtgestalten der Politik finden - ehrlich, bescheiden, integer - Eigenschaften, die man bei unserer politischen Klasse noch nicht einmal mit der Lupe finden wird.
Auf diese kommunale Ebene sollten alle wesentlichen Verwaltungselemente verbracht werden. Daneben brauchte man lediglich eine übergeordnete Ebene, die für die äußere Sicherheit zuständig ist. Damit ließen sich nicht nur viele Milliarden Euro einsparen sondern die Menschen hätten wieder einen sehr direkten Einfluß auf die Politik.
Was haben wir dagegen heute? Die kommunale Ebene, die Landesebene, die Bundesebene und alle haben de facto nix zu sagen, wenn die Eurokraten aus Brüssel ihre Schildbürgerstreiche inszenieren wie bspw. das Glühbirnenverbot, das uns hochgiftige Energiesparlampen in die Wohnungen gebracht hat. Und alle Ebenen verschlingen unendlich viel Geld, für sich und für irgendwelchen Nonsens, den sie verzapfen.

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