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13.03.2013

14:29 Uhr

„Giftig rauschender Rock“

Nordkorea verhöhnt südkoreanische Präsidentin

Nordkoreas Drohungen nehmen kein Ende. Pjöngjang wirft Südkorea und den USA „Kriegshetze“ vor und warnt erneut vor einer Vergeltung durch die nordkoreanischen Armee. Erstmals kritisierte das Regime auch die neue südkoreanische Präsidentin - wenn auch nur indirekt.

Gefährliches Säbelrasseln in Nordkorea

Video: Gefährliches Säbelrasseln in Nordkorea

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Seoul Nordkorea hat erneut Drohungen gegen Südkorea und die USA ausgesprochen und bekräftigt, sich nicht mehr an den 60 Jahre alten Waffenstillstandsvertrag für die koreanische Halbinsel halten zu wollen. Den beiden Ländern unterstellte das Ministerium für die Streitkräfte in Pjöngjang am Mittwoch erneut, einen Krieg anzetteln zu wollen. Die „Kriegshetzer“ sollten sich daran erinnern, dass das Waffenstillstandsabkommen nicht mehr gültig sei, wurde das Ministerium von den Staatsmedien zitiert. Auch fühle sich Nordkorea nicht mehr an den Nichtangriffspakt mit Südkorea gebunden.

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Das Ministerium warnte, das Militär und die Bevölkerung der Volksrepublik warteten nur noch darauf, eine „Aktion der Gerechtigkeit und erbarmungslosen Vergeltung“ zu unternehmen. Das kommunistische Regime hatte zuletzt fast täglich vor einem Krieg gewarnt. Zugleich hatte Pjöngjang erklärt, sein Atomwaffenprogramm ausbauen zu wollen und den Waffenstillstand von 1953 zur Beendigung des Korea-Kriegs und sämtliche Entspannungsabkommen mit Südkorea nicht mehr anzuerkennen. Nordkorea reagiert damit auf die Ausweitung von UN-Sanktionen wegen des Atomtests am 12. Februar und auf die jährlichen südkoreanisch-amerikanischen Militärübungen.

Nordkoreas Säbelrasseln in den vergangenen Jahrzehnten

Januar 1951:

Auftakt eines verbalen Feldzuges: Ein halbes Jahr nach Nordkoreas Invasion des Südens bezeichnet Staatsgründer Kim Il Sung die südkoreanischen Soldaten und die US-Truppen als Invasoren. Er schwört, die Feinde des Nordens zu vernichten.

Januar 1952:

Kim Il Sung bezeichnet die US-Truppen als Nazis und verspricht, der Krieg werde sie in ein Massengrab bringen.

Mai 1972:

In einem Interview mit der „New York Times“ sagt Kim Il Sung, sein Land bereite sich fortwährend auf einen Krieg vor. „Diese Angelegenheit verschleiern wir nicht“, sagt er.

März 1993:

Aus Protest gegen ein gemeinsames Manöver der USA und Südkoreas erklärt Nordkorea einen „halben Kriegszustand“. Der Streit über sein Atomprogramm steckt in einer Sackgasse und die Regierung in Pjöngjang droht mit einem Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag.

1994:

Ein nordkoreanischer Unterhändler droht, Seoul in ein „Meer aus Feuer“ zu tauchen. Aus Angst vor einem Krieg stürmen die Südkoreaner die Supermärkte und decken sich in Hamsterkäufen mit Fertignudeln, Wasser- und Gasvorräten ein.

September 1996:

Nordkoreanische Agenten dringen mit einem U-Boot in südkoreanische Gewässer ein und werden gefangen oder getötet. Der Norden kündigt „hundertfache und tausendfache Vergeltung“ an.

Januar 2002:

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea zusammen mit dem Iran und dem Irak zur „Achse des Bösen“. Pjöngjang reagiert, die Äußerungen seien „kurz vor einer Kriegserklärung“. Das Außenministerium zeigt Zähne und verspricht, niemals die „rücksichtslosen Versuche“ zu tolerieren, Nordkorea „mit Waffengewalt zu ersticken“.

Januar 2010:

Auf einen mutmaßlichen Katastrophenplan der südkoreanischen Regierung gegen mögliche Unruhen im Norden reagiert Nordkorea mit der Drohung eines „Heiligen Kriegs der Vergeltung“.

Mai 2010:

Die Fronten verhärten sich. Südkorea wirft dem Norden vor, mit einem Torpedo ein Kriegsschiff des Südens versenkt zu haben. 46 Seeleute sterben. Nordkorea reagiert gereizt und warnt vor einem „umgehenden Schlag“. Im November greifen nordkoreanische Truppen eine Insel an und töten vier Südkoreaner.

November 2011:

Nordkorea will ein Manöver des Südens nicht hinnehmen und nimmt den Präsidentenpalast in Seoul verbal ins Visier. Er soll erneut in ein „Meer aus Feuer“ getaucht werden.

April 2012:

Südkoreas konservativer Präsident Lee Myung Bak wird als „Ratte“ bezeichnet, die von einem „Blitz der Vergeltung“ erschlagen werden sollte.

Juni 2012:

Nordkoreas Artillerie zielt angeblich auf südkoreanische Medien und will damit kritische Berichterstattung aus dem Süden eindämmen. Ein „gnadenloser Heiliger Krieg“ steht im Raum.

Oktober 2012:

Die Angst vor einer Invasion aus dem Süden geht angesichts eines Raketenabkommens zwischen Washington und Seoul um. Die USA befänden sich in der Reichweite nordkoreanischer Raketen, warnt ein nicht identifizierter Sprecher des Nordens.


Auch attackierte das Regime in Pjöngjang jetzt indirekt die neue südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye. „Die Raserei der südkoreanischen Kriegshetzer“ hänge mit der Frauenherrschaft im Präsidentenpalast (Chongwadae) in Seoul zusammen. Das Ministerium sprach von einem „giftigen Schlag des Kleides durch die Besitzerin von Chongwadae.“ In Korea ist der Begriff als abfällige Beschreibung von Frauen bekannt, die sich in alle Aktivitäten ihrer Kinder einmischen.

Chronologie: Nordkorea und seine Atombomben

1989

Ein US-Spionagesatellit macht erste Aufnahmen der nordkoreanischen Atomanlage Yongbyon.

1994

Pjöngjang legt den Atomreaktor im Rahmen eines Abkommens mit den USA still und erhält dafür Zusagen für den Bau zweier Leichtwasserreaktoren.

1998

Abschuss einer nordkoreanischen Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-1.

2002

US-Präsident George W. Bush erklärt Nordkorea im Januar zu einem Teil der "Achse des Bösen". Im Dezember reaktiviert Pjöngjang den Atomreaktor Yongbyon und weist Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus.

2003

Nordkorea kündigt im Januar den Atomwaffensperrvertrag auf. Im August beginnen Sechs-Nationen-Gespräche zur Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms mit Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland.

2005

Nordkorea gibt im Februar bekannt, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben.

2006

Nordkorea nimmt am 9. Oktober den ersten Atombomben-Test vor. Der UN-Sicherheitsrat beschließt Sanktionen.

2007

Nordkorea erklärt sich im Februar bereit, die Anlage in Yongbyon abzuschalten und Atominspektoren wieder ins Land zu lassen. Im Juli erklärt die IAEA, Yongbyon sei geschlossen.

2009

Im April startet Nordkorea eine Langstreckenrakete mit tausenden Kilometern Reichweite. Die Regierung in Pjöngjang zieht sich aus den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück und kündigt die Wiederaufnahme des Atomprogramms an. Am 24. Mai nimmt Nordkorea einen zweiten Atombombentest vor. Am 12. Juni werden die UN-Sanktionen verschärft.

2011

Nach dem Tod des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember kommt sein jüngster Sohn Kim Jong Un an die Macht.

2012

Nach einem fehlgeschlagenen Test der Rakete Unha-3 im April gelingt ein zweiter Abschuss des Raketentyps im Dezember.

2013

Der UN-Sicherheitsrat verschärft am 22. Januar die Sanktionen erneut, zwei Tage später kündigt die Führung in Pjöngjang einen neuen Atomtest an. Am 12. Februar vollzieht Nordkorea nach eigenen Angaben "erfolgreich" einen unterirdischen Atomtest.

2014

In seiner Neujahrsansprache kündigt Diktator Kim Jong-Un gegenüber den USA eine „massive nukleare Katastrophe“ an, sollte auf der koreanischen Halbinsel ein Krieg ausbrechen. Im September veröffentlicht die IAEA einen Bericht, wonach der Atomreaktor Nyongbyon wieder in Betrieb sei, und belegt dies mit Satellitenbildern.

2015

Im Januar bietet Kim Jong-Un an, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas aufzugeben, wenn die USA auf gemeinsame Militärmanöver mit Südkorea verzichten. Im Mai verbreitet Pjöngjang, dass Nordkorea inzwischen auch Langstreckenraketen mit entsprechend miniaturisierten Nuklearwaffen ausrüsten zu können – eine offene Drohung in Richtung USA.

2016

Gleich zu Beginn des Jahres gibt Nordkorea bekannt, erstmals erfolgreich den Einsatz einer Wasserstoff-Bombe getestet zu haben. Chinesische und US-amerikanische Behörden bezweifeln die Behauptung aufgrund seismischer Signale in der Nähe des Testgeländes, die eher auf die Explosion einer Spaltbombe hindeuten. Einen Monat später führt Pjöngjang einen Raketentest durch: Am 7. Februar startet eine Unha-3-Trägerrakete und bringt einen Satelliten in die Erdumlaufbahn. Die USA, Südkorea und Japan werten den Start jedoch als Test einer atomar bestückbaren Langstreckenrakete – und erlassen erneut Sanktionen gegen Nordkorea.


Die 61-jährige Tochter des früheren südkoreanischen Militärdiktators Park Chung Hee hatte Ende Februar als erste Frau das Präsidentenamt ihres Landes übernommen. Angesichts der zunehmenden Spannungen hatte sie Nordkorea eindringlich vor militärischen Provokationen gewarnt. Zugleich hatte sie bekräftigt, eine Politik des gegenseitigen Vertrauens anzustreben. Nordkorea will nach Meinung von Beobachtern mit seinen Drohungen vor allem die USA zu bilateralen Verhandlungen bewegen und den Druck auf Südkorea erhöhen. Militärs in Seoul schließen nicht aus, dass sich das Nachbarland zu Provokationen hinreißen lässt.

Von

dpa

Kommentare (7)

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undertaker

13.03.2013, 09:40 Uhr

Keine Panzer auffahren lassen, sondern Gulaschkanonen aufstellen ! dann laufen die nordkorenanischen Soldaten über und stellen sich an ...

jugger

13.03.2013, 10:39 Uhr

Gute Idee, Hunger stillen und dann Smartphones , natürlich aktiviert und gebrauchsfertig, an alle verschenken. Den schiessenden Vorgesetzten werden irgendwelche koreanischen Mittelklasseautos in den Weg gestellt,gebrauchsfertig mit Zündschlüssel. Oben drauf noch einen Flat TV auf dem Rücksitz. Die Typen in Nordkorea hätten doch gar keine Chance, bei den Konsumgütern werden die soooo weich...Schluss mit der Liebe zum Führer ;-)

Account gelöscht!

13.03.2013, 11:10 Uhr

Mal abgesehen davon, dass es die "Pflicht" eines neuen Machthabers von Nordkorea ist sich derart in Scene zu setzen, funktioniert dies doch, nur wenn man die Provokation annimmt indem man sich darüber aufregt oder schlimmeres. Man stelle sich einmal vor, Politiker würden darauf nicht medienwirksam reagieren.

Das wäre aus meiner Sicht die größte Entwertung der Drohgebärden.

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