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07.11.2013

15:19 Uhr

Giftmord-Bericht

Israel weist Beteiligung an Arafats Tod zurück

Jetzt brodelt es in der Gerüchteküche. Starb der Palästinenserführer Jassir Arafat durch einen Giftanschlag mit radioaktivem Polonium? Bislang widersprechen sich die Gutachten und Israel beteuert seine Unschuld.

Ein Graffito von Yassir Arafat in Ghaza-Stadt: Der Palästinenserführer starb vor neun Jahren. ap

Ein Graffito von Yassir Arafat in Ghaza-Stadt: Der Palästinenserführer starb vor neun Jahren.

Tel AvivIsrael hat kategorisch jede Verantwortung für den Tod des Palästinenserführers Jassir Arafat vor neun Jahren zurückgewiesen. Einen Schweizer Untersuchungsbericht über einen möglichen Giftmord an Arafat kritisierte der israelische Außenamtssprecher Jigal Palmor am Donnerstag zudem als unseriös.

„Diese Theorie hat mehr Löcher als ein Schweizer Käse“, sagte Palmor der Nachrichtenagentur dpa. Es gebe zudem „keinerlei israelische Verbindung“ mit Arafats Tod im Jahre 2004.

Der arabische TV-Sender Al-Dschasira und die britische Zeitung „Guardian“ hatten am Mittwoch über den 108 Seiten umfassenden Bericht der Schweizer Experten berichtet. In Gewebeproben Arafats sei eine 18 Mal so hohe Konzentration von Polonium 210 gefunden worden wie normal, heißt es darin. Dies lasse „einigermaßen“ sicher den Schluss zu, dass Arafat an einer Poloniumvergiftung gestorben sei.

Tödliches Polonium – der Mord an Alexander Litwinenko

Der Giftmord

Schweizer Experten schließen einen Giftmord an Palästinenserführer Jassir Arafat mit radioaktivem Polonium 210 im Jahr 2004 nicht aus. 2006 wurde der russische Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko in London Opfer eines mysteriösen Mordanschlags. Der Ex-Geheimdienstler starb qualvoll, nachdem er drei Wochen zuvor mit Polonium 210 im Tee vergiftet worden war. Auf dem Totenbett hatte er gesagt, Präsident Wladimir Putin habe ihn töten lassen.

Die Rolle der Geheimdienste

Die britische Staatsanwaltschaft sah „genügend Hinweise“ auf einen Giftmord durch den russischen Ex-Agenten und Geschäftsmann Andrej Lugowoi und stellte einen Haftbefehl aus. Lugowoi hatte das Opfer zusammen mit dem Ex-Geheimdienstler Dmitri Kowtun in einem Londoner Hotel an dem Tag getroffen, an dem er vergiftet wurde.

Aus Mangel an Beweisen

Kowtun legte vor seinem Treffen mit Litwinenko einen Zwischenstopp in einer Hamburger Wohnung ein, in der wie in London und in Flugzeugen der British Airways Spuren von Polonium 210 gefunden wurden. Lugowoi bestritt stets die Mordvorwürfe. Die Ermittlungen gegen Kowtun stellte die Hamburger Staatsanwaltschaft 2009 aus Mangel an Beweisen ein.

Der aktuelle Fall

Schweizer Experten schließen einen Giftmord an Palästinenserführer Jassir Arafat mit radioaktivem Polonium 210 im Jahr 2004 nicht aus.

„Man kann nicht sagen, dass das Polonium die Todesursache war", sagte am Donnerstag der Wissenschaftler François Bochud in Lausanne. "Man kann es aber auch nicht ausschließen“, fügte der Professor hinzu. Im Gegenteil: „Unsere Resultate unterstützen nachvollziehbar die Vergiftungsthese.“ Die Höhe der gemessenen Polonium-Werte deute darauf hin, dass Arafat das Gift von außen zugeführt worden sei.

Schon ein Millionstel Gramm des radioaktiven Schwermetalls kann einen Menschen töten. Palmor bemängelte, die Schlussfolgerungen des Berichts seien „überhaupt nicht eindeutig“. Schweizer Experten wollten noch am Donnerstag zu dem Thema Stellung nehmen.

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