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29.04.2012

12:19 Uhr

Gigantische Projekte

Saudi-Arabien lockt deutsche Industrie mit Aufträgen

VonMathias Brüggmann

Mega-Wolkenkratzer und neue Städte: Arabien winkt mit Industrie-Aufträgen im Wert von über einer Billion Dollar - und sucht händeringend nach deutschen Partnern. Vor allem Mittelständler sollten ermuntert werden.

Kamelführer in Riad, im Hintergrund eine Großbaustelle: Saudi-Arabien modernisiert seine Infrastruktur. dpa

Kamelführer in Riad, im Hintergrund eine Großbaustelle: Saudi-Arabien modernisiert seine Infrastruktur.

BerlinDen arabischen Frühling sagte Saudi-Arabiens König in seinem Land per Scheckbuch ab. König Abdullah erhöhte den Staatsbediensteten kräftig die Gehälter, legte ein Bauprogramm für dreistellige Milliardenbeträge auf – und schaffte immer mehr Jobs durch gewaltige Infrastrukturprojekte. Den Königskindern wurde so die Lust auf Revolte, die in anderen arabischen Ländern ganze Regime stürzte, abgekauft.

Doch neben den staatlichen Programmen legt auch die wachsende Privatwirtschaft Saudi-Arabiens gleich mehrere Schippen drauf: In Kürze beginnen die Bauarbeiten für den Kingdom Tower, das längste Gebäude der Welt, 1,2 Milliarden Dollar lässt sich das die Kingdom Holding von Prinz Alwaleed bin Talal el Saud, eine Art arabischer Warren Buffett, kosten. Doch auch wenn der Mega-Wolkenkratzer das sichtbarste Zeichen des neuen Aufstiegs Saudi-Arabiens ist – die nahe gelegene, ebenfalls im Bau befindliche King Abdullah Economic City kostet mit 86 Milliarden Dollar sogar mehr.

Infrastruktur: Saudi-Arabien modernisiert sich

Industrie

Elf neue Industriestädte sollten ab 2012 und in den kommenden Jahren entstehen. Allein die 14 Millionen Quadratmeter große King Abdullah Economic City kostet 86 Milliarden Dollar und soll einen Hafen so groß wie Rotterdam bekommen. Das soll Hunderttausende Jobs bringen, denn die Arbeitslosigkeit bei den 20- bis 25-Jährigen liegt bei 40 Prozent.

Wohnungsbau

67 Milliarden Dollar sind für Bauprojekte vorgesehen. Allein 500 000 neue Häuser sollen errichtet werden. Neuer günstiger Wohnraum soll die Wohnungsnot beenden.

Gesundheit

19 Prozent des Staatshaushalts sollten ab 2012 in den Gesundheitssektor fließen. Für 65 Milliarden Dollar werden seitdem 121 Spezial-Kliniken gebaut und 66 Krankenhäuser modernisiert. Die Zahl der Krankenhausbetten sollte dabei von 54 000 in 2012 auf 97 500 im Jahr 2014 steigen.

Autoindustrie

Die Experten von „Business Monitor International“ haben errechnet, dass der Autoabsatz in Saudi-Arabien allein 2011 um zehn Prozent auf 688 900 Fahrzeuge zugelegt hat. Die Nachfrage soll künftig nicht mehr allein durch Importe gedeckt werden. Bis 2020 soll eine heimische Autoindustrie mit einer jährlichen Produktionskapazität von 650000 Fahrzeugen aufgebaut werden.

Bildung

Für vier Milliarden Dollar wurde die Princess Nora Bint Abdul Rahman Universität in Riad für 60 000 Studentinnen gebaut. Zuvor war schon die King Abdullah University for Science & Technology gegründet worden. Für weitere Milliarden sind andere große Unis in Planung. Zudem sollen Schulen und Kindergärten massiv ausgebaut werden.

Verkehr

38 Milliarden Dollar sollten von 2012 an allein bis 2014 in den Ausbau des Schienennetzes und in Straßen gesteckt werden. Ganz neue Eisenbahnlinien sollen auch künftig entstehen, Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen vor allem für Rohstofftransporte gebaut werden. Weitere 11,3 Milliarden Dollar kostet aktuell der Flughafenausbau.

Energie

Der Strombedarf wächst rapide. Um den Energiehunger dauerhaft stillen zu können, müssen künftig 40 Prozent des bisher zur Stromgewinnung eingesetzten Öls eingespart werden. Dazu sollen 16 Atomkraftwerke durch die französische Areva und die saudische Bin Laden Group im Wert von über 100 Milliarden Dollar gebaut werden. Weitere 100 Milliarden Dollar sollen binnen zehn Jahren in den Ausbau erneuerbarer Energien gesteckt werden.

Öl und Gas

Dieser Sektor nimmt sich mit aktuell geplanten Investitionen von 37 Milliarden Dollar fast schon bescheiden aus. Allein 25 Milliarden verschlingen zwei neue Raffinerien für Saudi Aramco in Jubail und Yanbu.

Wie viel Geld der größte Ölförderer des Opec-Kartells für all seine Infrastrukturprojekte insgesamt ausgeben wird, dazu gibt es unterschiedliche Zahlen: Die Delegation der deutschen Wirtschaft (AHK Riad) hat öffentliche und private Investitionen von 747 Milliarden Dollar errechnet, die Analysten des Research-Instituts CPH in Riad sprechen gar von 1,1 Billionen Dollar in den nächsten Jahren.

Öl und Immobilien: Die Topkonzerne Saudi Arabiens

Öl und Immobilien

Die Topkonzerne Saudi Arabiens

Öl und Immobilien, das sind die klassischen Sparten der größten saudischen Unternehmen. Doch die Araber sind auch im Ausland sehr aktiv.

Handels- und Industrieminister Tawfik el Rabiah will das G20-Mitglied so „zu einem führenden Industrieland machen“. Für ihre gigantischen Projekte suchen die Saudis händeringend auch nach Partnern in Deutschland: Deshalb ist jetzt erstmals eine große Delegation der saudischen Industrial Property Authority (Modon) auf der Hannover Messe präsent. Modon verwaltet mehr als 3000 Fabriken.

Kommentare (5)

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eksom

29.04.2012, 12:41 Uhr

Deutsche Gastarbeiter für Saudi Arabien gesucht, könnte die nächste Schlagzeile in den Zeitungen lauten!
Nur, wer die Arbeitsbedingung (Rechtsprechung-nach Koran!) und die Bezahlung (schlechter als in Polen) vor Ort kennt, bleibt doch lieber im eigenen Lande. Und versucht mal gegen einen Saubi in einem Rechtstreit etwas durchzusetzen. Die hacken schnell dann einem den Arm, oder die Zunge ab.

der_schah_von_blah

29.04.2012, 13:37 Uhr

kleiner Tipp für diejenigen Firmen, welche sich auf dort einlassen: Nur gegen Vorauskasse oder strikte Abschlagszahlungen, beim kleinsten Dissens sofort abreisen und etwaige Joint-Ventures werden mit ungebildeten, unfähigen, unwilligen und grosstuenenden Einheimischen besetzt.
Ist so.

wed

29.04.2012, 14:54 Uhr

noch ein langer Weg die arabische und auch asiatische Welt nicht nur auf technologischer Ebene, sondern auf sozialer Ebene vom Western Model zu überzeugen.

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