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01.11.2011

11:17 Uhr

Giorgos Papandreou

Ein Ministerpräsident zwischen allen Stühlen

Seit zwei Jahren versucht Giorgos Papandreou Griechenland aus dem Sumpf zu ziehen. Doch die Zustimmung für seine Politik ist gering. Nun will er das Volk auf seine Seite ziehen. Und verwirrt damit Freunde und Partner.

Giorgos Papandreou: Skepsis begleitet ihn seit seinem Amtsantritt. Reuters

Giorgos Papandreou: Skepsis begleitet ihn seit seinem Amtsantritt.

AthenKein Name hat die politische Landschaft Griechenlands in den vergangenen fünfzig Jahren so geprägt wie der der Familie Papandreou. Ein Giorgos Papandreou regierte das Land, bevor es in den 60er Jahren unter eine Militärdiktatur fiel, und ein Giorgos Papandreou versucht heute, den finanziellen Ruin des Landes abzuwenden.

Immer wieder hat er auch mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt will er das Volk über das Rettungspaket der Europäischen Union für Griechenland abstimmen lassen - und spricht dabei von einem „demokratischen und höchst patriotischen Schritt“. Seine Freunde und Partner hat er damit eher verstört, viele sehen die mühsam ausgehandelte Euro-Rettung in Gefahr.

Papandreous gleichnamiger Großvater sowie sein Vater Andreas Papandreou gelten als die Architekten des modernen Griechenlands, aber auch als Verantwortliche für den hohen Schuldenberg des Landes. Es war ein schweres Erbe, das Ministerpräsident Giorgos Papandreou nach dem Wahlsieg mit seiner Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (PASOK) 2009 antrat.

Seitdem musste Griechenland unter den Rettungsschirm der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) Zuflucht suchen. Doch mittlerweile wettern nicht mehr nur die Opposition und das Volk gegen die Sparmaßnahmen, auch in Papandreous Partei war es zuletzt immer schwieriger geworden, die Reihen geschlossen zu halten.

Bereits vor seinem Wahlsieg vor zwei Jahren wurde Papandreou von vielen Beobachtern als unfähig kritisiert. Der Sohn und Enkel griechischer Ministerpräsidenten galt als schwaches Abbild seines dynamischen und charismatischen Vaters Andreas, der die PASOK 1974 gegründet und sie mit eiserner Hand von 1981 bis 1993 drei Mal zum Wahlsieg geführt hatte.

Giorgos Papandreou galt als sympathische, aber kaum respektierte Persönlichkeit, der nur wenige Dinge gelangen. Selbst seine Wahl zum Präsidenten der Sozialistischen Internationale 2006 gab Anlass zu Bemerkungen, dass viele seiner Vorgänger in diesem Amt Politiker gewesen seien, deren beste Zeiten vorüber waren.

Kommentare (16)

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01.11.2011, 11:53 Uhr

das wars dann wohl

mari

01.11.2011, 11:54 Uhr

Ja, es ist eine komfortable Situation, wenn man sich entscheiden darf. Aber diese Situation der Griechen kommt daher, dass UNS die Entscheidung eben entzogen wurde. In DE waren mindestens 60% GEGEN diese Hilfsaktionen, leider wurden wir nicht gefragt.

Das darf nicht sein. So richtig es ist, dass Griechenland den Souverän befrägt, so richtig wäre es gewesen, dass die deutschen Bürger (die im übrigen über 10 Jahre - im Gegensatz zu den Griechen - Reformen ausgesetzt waren) auch mit entscheiden dürfen (Volksabstimmung).

Ohnehin ist es in Europa nicht weit her mit der Demokratie, zumindest was eine wertlose deutsche Wählerstimme anbelangt.

Vergesst einfach Europa, solange Europa nicht demokratisch ist!!!

ERDUNG

01.11.2011, 12:03 Uhr

So, wie es sich in Ihrem Artikel anhört, ist Papandreou wegen seiner sehr westlich-amerikanischen Ausrichtung in Grichenland nicht richtig "geerdet". In Krisensituationen das Schlimmste, was man einem politischen Führer vorwerfen kann (und was auch auf viele Euro-Befürworter unter deutschen Poliikern zutifft). Hinzu kommen "Verschwörungstheorien", dass die Familie Papandreou angeblich Wetten in Milliardenhöhe auf den griechischen Bankrott (CDS)abgeschlossenhaben soll. Vor diesem Hintergrund wäre seine Handlung jetzt zumindest logisch nachzuvollziehen. Doch etwas dran, an dem Vorwurf? Man müsste die Sache nochmal aufrollen, um Gewissheit zu bekommen.

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