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17.06.2011

09:56 Uhr

Giorgos Papandreou

Weltbürger mit Hang zur Vetternwirtschaft

VonGerd Höhler

In der griechischen Mythologie, die Premier Papandreou so liebt, kommt Odysseus nach zehn Jahren ans Ziel. Papandreou selbst könnte nach nicht einmal zwei Jahren abdanken - ohne seinem Ziel nahe zu kommen.

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AthenGestern ist Giorgos Papandreou 59 Jahre alt geworden. Zum Geburtstag wünschte sich der griechische Premier ein neues Kabinett. Das alte ist verschlissen. Während Papandreou noch über der Ministerliste brütete, sprachen Kommentatoren in Athen bereits abfällig von einem „letzten Aufgebot“.

Auf dem Weg in die Villa Maximos, seinen Amtssitz, musste Papandreou am Mittwoch durch ein Spalier johlender und pfeifender Demonstranten fahren. Es war der Tag des Generalstreiks und der Massenproteste gegen den Sparkurs, der Tag des Volkszorns. Papandreous Fahrer gab Gas, aber dennoch trafen einige Wurfgeschosse den Wagen des Premiers: wilde Orangen. Die Demonstranten hatten sie von den Bäumen am Straßenrand gepflückt. Vielleicht hat der Ministerpräsident bei diesem Spießrutenlauf gemerkt: Seine Zeit läuft ab.

Giorgos Papandreou liebt die griechische Mythologie. Die Odyssee hat es ihm besonders angetan. Vielleicht weil ihn die Abenteuer, die Homers Held zu bestehen hat, an seine eigenen Prüfungen erinnern. Von Odysseus sprach Papandreou, als er am 23. April 2010 auf der kleinen Insel Kastelorizo vor eine Fernsehkamera trat und seinen Landsleuten ankündigte, er werde die europäischen Partner um die Aktivierung des wenige Wochen zuvor bereitgestellten Rettungsschirms bitten. „Wir sind auf einem schwierigen Kurs, einer neuen Odyssee des Hellenismus“, sagte Papandreou. „Vor uns liegt eine anstrengende Reise“, prophezeite er den Griechen. „Aber wir kennen den Weg nach Ithaka, und wir haben unseren Kurs abgesteckt.“

Wie könnte eine Verlängerung griechischer Staatsanleihen aussehen?

Wann sollten die Laufzeiten verlängert werden?

Im Gespräch sind zwei Varianten: Entweder lassen die Banken ihre griechischen Staatsanleihen einfach bis zur Fälligkeit auslaufen und zeichnen dann neue im gleichen Volumen. Das wäre die von der EZB beschworene absolut freiwillige Vereinbarung mit der Finanzbranche. Die Politik traut den Geldhäusern aber nicht so recht. Oder aber die ausstehenden Griechenland-Anleihen werden sofort in neue Papiere mit siebenjähriger Laufzeit getauscht, um dem Land eine verlässliche Atempause bei der Rückzahlung seiner Schulden zu geben. Letztere Variante wird von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble befürwortet. Ratingagenturen bezweifeln aber, dass hier wirklich auf Freiwilligkeit gesetzt wird.

Wie sehen die Sicherheiten aus?

Etliche europäische Großbanken haben zuletzt betont, dass sie sich einer Laufzeitenverlängerung auf freiwilliger Basis als „Ultima Ratio“ nicht verweigern würden. Sie wollen aber Sicherheiten, wenn sie weiter in griechische Anleihen investieren sollen, denn Griechenland alleine ist ihnen nicht mehr kreditwürdig genug. Für eine Absicherung gibt es mehrere Möglichkeiten: Der derzeitige Euro-Rettungsfonds EFSF könnte Garantien geben für die neuen griechischen Anleihen - zumindest für einen Großteil davon. Das findet auch Gerhard Hofmann, Mitglied des Vorstandes beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR): „Auf freiwilliger Basis wäre eine Laufzeitverlängerung wohl nur vorstellbar, wenn gleichzeitig die Rückzahlung griechischer Anleihen sicherer als heute würde, das heißt zum Beispiel eine Garantie vom EFSF gewährt würde.“ Oder die Privatisierungserlöse aus dem Schuldenstaat werden zur Absicherung der neuen Anleihen verwendet, möglicherweise über eine eigens eingerichtete Treuhandanstalt. In jedem Fall muss ein solventer Gläubiger als Rettungsanker her.

Was ist wichtiger - Garantien oder Zinsen?

Über die Höhe der Zinsen für eventuelle neue griechische Bonds ist öffentlich bislang kaum diskutiert worden. Aus gutem Grund: Für die Banken steht die Sicherheit ganz oben auf der Agenda. Wenn die Garantien stimmen, könnten sie sich wohl auch mit einer sofortigen Verlängerung der Laufzeiten anfreunden. Umgekehrt bedeutet das, dass man die Banken nicht mit besonders hohen Renditen locken muss, sondern sich die Institute auch mit vergleichsweise geringen Risikoaufschlägen zufrieden geben würden. Für neue zehnjährige griechische Staatsanleihen wären dann Experten zufolge vier bis fünf Prozent Zinsen vorstellbar - also etwas mehr als die drei Prozent, die derzeit für zehnjährige Bundesanleihen fällig sind. Aktuell müsste Griechenland 17 Prozent Zinsen zahlen.

Kommentare (2)

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JoJoJoe

17.06.2011, 10:18 Uhr

Auf diesem Video kann man sehr schön sehen, was die spanische Polizei sich einfallen lässt, um das Europa-Regime aufrechtzuerhalten: http://www.youtube.com/watch?v=xTfKsp0fk38

dfsdgf

17.06.2011, 11:21 Uhr

Da wollte die kriminelle Regierung ein paar einschlägige Bilder von gewaltbereiten Demonstranten für die Massenmedien "produzieren" lassen und nun ist der Schuss nach hinten gegangen. Die Volks-Terroristen bilden die Regierung. Sehr geiles Video! In Deutschland läuft es ähnlich ab (siehe Stuttgart 21).

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