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23.10.2014

17:46 Uhr

Gipfel in Brüssel

EU peilt geringeres Energie-Effizienziel an

Die Europäische Union peilt ein geringeres Ziel zur Energie-Einsparung an. Gegen allzu ambitionierte Vorgaben bei der Einsparung hatten sich einige Staaten gewehrt. Nun gibt es offenbar einen Kompromiss.

Staats- und Regierungschefs treffen sich am Donnerstag beim EU-Gipfel in Brüssel. dpa

Staats- und Regierungschefs treffen sich am Donnerstag beim EU-Gipfel in Brüssel.

BrüsselDie Staats- und Regierungschefs der EU wollen beim Klimapaket für 2030 die bisherigen Ziele zur Energie-Einsparung abschwächen. Die Vorgabe zur Reduzierung des Energieverbrauchs solle nun bei 27 Prozent liegen, sagte der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven am Donnerstag vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel. In Entwürfen für die Absichtserklärung des Treffens waren bisher 30 Prozent als Zielmarke angegeben. Dieser Wert war auch von Bundesregierung und EU-Kommission angepeilt worden.

In einer neuen, durch Anmerkungen ergänzte Fassung des Dokuments, das der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, ist ebenfalls das Ziel von 27 Prozent angegeben, das zudem nicht verpflichtend für jeden EU-Staat gelten soll. So könnte der Kompromiss aussehen, da einige EU-Länder am liebsten nur 25 Prozent gewollt hätten und andere – wie Deutschland – 30 Prozent Einsparung favorisierten, sagte ein EU-Diplomat. Vor allem die von Kohlekraftwerken abhängigen osteuropäischen Staaten und das auf Atomkraft setzende Großbritannien sperren sich gegen allzu ambitionierte Vorgaben bei der Energie-Einsparung.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Allerdings werden in dem Dokument, das als Kompromissvorlage dienen könnte, die Ziele bei der Verringerung des Kohlendioxids sogar etwas höher gesteckt. Dort ist davon die Rede, dass bis 2030 mindestens 40 Prozent Kohlendioxid im Vergleich zu 1990 eingespart werden sollte. In früheren Versionen war der Zusatz „mindestens“ nicht enthalten. Damit hätte sich Deutschland mit einer Forderung nach einer ambitionierteren Reduktion von Kohlendioxid durchgesetzt.

Mit dem Klimapaket wollen die Staats- und Regierungschefs der EU den Weg ebnen zum Weltklimagipfel 2015 in Paris. In Brüssel wird mit Verhandlungen bis tief in die Nacht gerechnet, da einige Positionen noch weit auseinander liegen. Der estnische Ministerpräsident Taavi Roivas äußerte sich optimistisch, dass eine Lösung gefunden werde. „Jeder muss dafür Kompromisse machen“, fügte er hinzu.

Von

rtr

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