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30.01.2016

16:08 Uhr

Gläubiger fordern weitere Reformen

Keine Atempause für Alexis Tsipras

Die Stimmung in Griechenland kocht. In Athen wollen die Gläubiger des Landes über weitere Reformen diskutieren. Zehntausende Bürger stemmen sich schon jetzt gegen die erwarteten Kürzungen – zum Teil mit Gewalt.

Bauern protestieren in Athen mit einer symbolischen Beerdigung von Alexis Tsipras gegen die erwarteten neuen Sparmaßnahmen. AFP

Demonstration in Athen

Bauern protestieren in Athen mit einer symbolischen Beerdigung von Alexis Tsipras gegen die erwarteten neuen Sparmaßnahmen.

AthenBlass und müde sieht der junge Regierungschef aus. Beim Besuch in Perama, einen Arbeitervorort der griechischen Hafenstadt Piräus, bringt Alexis Tsipras am Samstagmorgen zwar gute Nachrichten mit: In dem von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Stadtteil soll endlich in die Infrastruktur investiert werden. Für ihn selbst jedoch dürfte das die einzige gute Nachricht des Tages bleiben.

Überall im Land sind die Bürger in Aufruhr. Bis zu 25.000 Traktoren blockieren seit Tagen wichtige Verkehrsadern, darunter Zufahrten zu den Flughäfen von Athen und Thessaloniki. Sie wehren sich gegen die Pläne der Regierung, die Agrarwirtschaft höher zu besteuern und das Rentensystem zu reformieren.

Die geplante Rentenreform sieht im Schnitt Kürzungen von 15 Prozent für alle künftigen Rentner vor. Zudem sollen die Rentenbeiträge für Landwirte und Freischaffende erheblich angehoben werden.

Auch die Seeleute sind im Ausstand: Seit Tagen gibt es kaum Verbindungen zu den griechischen Inseln. Bis Sonntagmorgen sollte der Streik anhalten. Bitter ist das vor allem für jene Inseln, an deren Küsten tägliche weitere Flüchtlinge anlanden. Auf Lesbos säßen bereits mehr als 7000 Menschen fest, berichten Medien unter Berufung auf die örtliche Polizei.

Schon längst haben sich Rechtsanwälte, Ärzte, Ingenieure und Journalisten den Protesten angeschlossen und legen regelmäßig die Arbeit nieder. Dabei soll der eigentliche Streik-Tag gegen das aktuelle Reformpaket, zu dem die großen Gewerkschaften des Landes aufgerufen haben, erst am Donnerstag (4. Februar) stattfinden. Dann werden auch die Staatsdiener die Arbeit niederlegen.

Die Vertreter von Griechenlands Gläubigern können über die Proteste kaum hinwegsehen. Die Entsandten der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB), des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) reisten am Samstag nach Athen, um mit der Regierung über das Reformpaket zu sprechen. Die Gläubiger hatten zuvor Zeit, die Maßnahmen zu prüfen; Athen befürchtet nun, dass sie weitere Forderungen stellen, die den Menschen kaum noch zu vermitteln wären.

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