Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2005

22:19 Uhr

Glaubhaftigkeit eines Gastwirts wird angezweifelt

9 11-Terrorist Atta als psychisch gestört beschrieben

Im Hamburger Terrorprozess um die Anschläge vom 11. September 2001 hat eine frühere Nachbarin den Todespiloten Mohammed Atta als „psychisch gestört“ beschrieben.

HAMBURG. „Für mich lebte er in einer anderen Welt, er wirkte kommunikationsgestört“, sagte die Zeugin am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht (OLG). Gemeinsam mit ihrem iranischen Ehemann hatte die Frau bis kurz nach den Anschlägen im Haus neben Atta in der Marienstraße in Hamburg-Harburg gewohnt. Außer Atta habe sie auch die späteren Selbstmordattentäter Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah sowie den inzwischen untergetauchten Terrorverdächtigen Said Bahaji häufiger auf der Straße gesehen. Mounir El Motassadeq, der als mutmaßlicher Terrorhelfer in Hamburg vor Gericht steht und in der Nachbarschaft von Atta wohnte, sei ihr ebenfalls aufgefallen, sagte die Zeugin. Atta, der mutmaßliche Kopf der Terrorgruppe, habe nicht bedrohlich, sondern abweisend, verschlossen und verstockt gewirkt. Ihr Mann habe sich einen Spaß daraus gemacht, den streng gläubigen Muslim durch das Tragen kurzer Hosen oder Küssen in der Öffentlichkeit zu provozieren.

Die Aussagen von zwei weiteren Zeugen stellten die vom Gericht bereits angezweifelte Glaubhaftigkeit eines Gastwirts in Frage, der die Behörden wenige Monate vor dem 11. September 2001 vor den Anschlägen gewarnt haben will. Der 42-jährige hatte im Oktober vor dem OLG gesagt, die Todespiloten sowie Motassadeq hätten sich in seinem Restaurant getroffen und die Flugzeugattacken auf die USA angedeutet. Er habe daraufhin die Polizei gerufen und weitere Behörden alarmiert.

Die am Mittwoch gehörten Zeugen, die laut Angaben des Wirts das Treffen der Terrorverdächtigen sowie den Polizeieinsatz in seinem Restaurant miterlebt haben sollen, konnten die Aussage jedoch nicht bestätigen. Schon bei der ersten Vernehmung des wegen Betrugs vorbestraften Gastwirts hatten Richter und Verteidiger massive Skepsis an den Behauptungen geäußert.

Dem Angeklagten Motassadeq werden Beihilfe zum Mord sowie die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. In einem ersten Prozess war der Marokkaner zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, doch hatte der Bundesgerichtshof das Urteil aufgehoben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×