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04.12.2015

03:02 Uhr

Gleichberechtigung in der Armee

USA öffnen alle Kampftruppen für Frauen

Gleichberechtigung auf breiter Front: Kämpfende Soldatinnen etwa bei den US-Marines gab es bisher nicht. Nun wird das anders. Die USA gestatten Soldatinnen die Teilnahme an allen Kampftruppen.

Der US-Stabschef will Frauen weiterhin von manchen Kampfeinsätzen ausschließen. Er verweist auf Studien, wonach die Kampfstärke von gemischtgeschlechtlichen Truppen geringer sei als die rein männlicher. AFP

Vermeintliche Schwäche

Der US-Stabschef will Frauen weiterhin von manchen Kampfeinsätzen ausschließen. Er verweist auf Studien, wonach die Kampfstärke von gemischtgeschlechtlichen Truppen geringer sei als die rein männlicher.

WashingtonUS-Präsident Barack Obama wertet die Entscheidung, alle Kampftruppen der Streitkräfte auch für Soldatinnen zu öffnen, als eine logische Konsequenz der gesellschaftlichen Entwicklung.

„Als wir die Trennung von Schwarzen und Weißen im Militär aufgehoben haben, wurde es stärker. Als wir schwulen und lesbischen Amerikanern im Militär erlaubt haben, mit ihrer sexuellen Ausrichtung offen umzugehen, wurde es stärker“, erklärte Obama in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Heute erwiesen sich die Streitkräfte aller Patrioten als würdig, die dienen wollten: Männern und Frauen.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter hatte den historischen Schritt am Donnerstag verkündet. Insgesamt geht es um 220 000 Positionen, die Frauen bisher verwehrt waren. Soldatinnen dürfen nun auch bei den Marines und Spezialeinheiten wie den Navy Seals, den Green Berets oder als Fallschirmspringer dienen.

„Amerikas Streitkräfte der Zukunft müssen die Fähigkeiten der Besten umfassen, die Amerika zu bieten hat - das schließt Frauen ein“, sagte Verteidigungsminister Ashton Carter am Donnerstag in Washington.

„Wir können uns nicht erlauben, auf 50 Prozent der Möglichkeiten und Talente des Landes zu verzichten“, sagte Carter. „Wir greifen künftig zurück auf den breitestmöglichen Pool an Menschen.“

In den vergangenen Jahren haben die USA die Zahl ihrer Soldaten kontinuierlich reduziert. 2014 zählte das Pentagon insgesamt 1,3 Millionen Soldatinnen und Soldaten, das waren knapp zwölf Prozent weniger als im Jahr 1995. Von den 1,3 Millionen waren rund 15 Prozent Frauen.

Insgesamt gehe es um 220.000 Positionen, die Frauen bisher verwehrt waren, sagte Carter. Soldatinnen dürfen nun auch bei den Marines und Spezialeinheiten wie den Navy Seals, den Green Berets oder als Fallschirmspringer dienen.

Mitstreiter und Gegner der USA im Kampf gegen den Terror

Iran

Iran: Teheran ist sowohl Gegner als auch Mitstreiter der USA. Einerseits kann der Iran eine Militäroperation des Erzfeindes in der eigenen Nachbarschaft nicht einfach absegnen. Andererseits handelt es sich beim IS um einen gemeinsamen Feind.

Ägypten

Auch Ägypten nahm an der Anti-Terror-Konferenz in Dschidda teil. Der Kampf gegen den IS könnte Kairos Beziehungen zum Westen verbessern, die unter dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi durch das Militär vor mehr als einem Jahr gelitten haben.

Katar

Katar könnte eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Finanzquellen der Extremisten auszutrocknen. Kritiker werfen dem Land vor, Radikale dürften dort unbehelligt Geld für Dschihadisten sammeln. Die Regierung weist das zurück.

Jordanien

Auch Jordanien hat den IS vor der Haustür. Anhänger der Miliz kontrollieren Teile Iraks und Syriens, die unmittelbar an das Königreich grenzen. Auch der einzige Grenzübergang zwischen Irak und Jordanien ist in IS-Händen. Jordanien hat daher eine Taskforce gegen IS-Angriffe gegründet. In der von Amerika geführten Anti-IS-Koalition könnte das Land zum Operationszentrum werden.

Saudi-Arabien

Das Königreich ist einer der wichtigsten US-Partner. Am Donnerstag trafen sich mehrere Länder in der Hafenstadt Dschidda, um über den Kampf gegen den Terrorismus zu beraten. Weil der IS auch an der Grenze zwischen dem Irak und Saudi-Arabien steht, fühlt sich Riad massiv bedroht.

Irak

Kerry reiste zum Auftakt seiner Tour nach Bagdad. Der Irak wird die Hauptlast im Kampf gegen den IS tragen müssen, weil vor allem die Soldaten der Regierung und kurdische Einheiten am Boden gegen die Extremisten kämpfen müssen. Zugleich muss es der neuen Regierung von Ministerpräsident Haidar al-Abadi gelingen, die Sunniten im Land auf ihre Seite zu ziehen - nur so würde der IS seine starke Unterstützung in den sunnitischen Teilen des Landes verlieren.

Türkei

Westliche Länder haben der Türkei vorgeworfen, Extremisten dürften die Grenze zu Syrien ungehindert passieren. Zuletzt attestierte das Pentagon der Regierung jedoch, sie gehe stärker gegen Dschihadisten vor. Dennoch unterstützt Ankara die USA nicht mit voller Kraft. Den Luftwaffenstützpunkt Incirlik will sie nur für humanitäre Hilfsflüge freigeben. Ankara ist in einer schwierigen Lage, weil der IS im Nordirak 49 türkische Diplomaten festhält.

Nato

Zehn Staaten zählen bislang zum Anti-Terrorbündnis der USA, darunter die Nato-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Dänemark, Kanada und die Türkei. Auch Australien hat sich der Koalition angeschlossen. Deutschland will Waffen an die Kurden im Nordirak liefern, London hat das bereits getan. Frankreich hat mittlerweile Bombardements gestartet.

Die höchste Effizienz der Kampftruppen bleibe das entscheidende Kriterium für die Auswahl ihrer Angehörigen, sagte Carter. „Für alle gelten die gleichen Standards.“ Er fügte hinzu: „Wir haben bereits die besten Streitkräfte der Welt. Diese Entscheidung wird eine noch stärkere und bessere Armee nach sich ziehen.“

„Wenn sie sich qualifizieren und den Standards genügen, werden Frauen in einer Weise zu unserem Auftrag beitragen können, wie ihnen das bisher nicht möglich war“, sagte Carter. Es sei damit durchaus möglich, dass Frauen auch in Spezialkommandos zum Beispiel in Syrien entsandt werden.

Die Entscheidung reflektiert auch Fragen der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Ihre konkrete Umsetzung für die Truppe, zum Beispiel für U-Boote, ist nicht unkompliziert.

Carter sagte, in einer „auch als Meritokratie geprägten“ Welt wie dem Militär werde sich diese Umstellung sicher nicht über Nacht vollziehen lassen. Alle Truppenteile müssen dem Pentagon binnen 30 Tagen Vorschläge machen, wie sie die Pläne umsetzen werden.

Das Pentagon hatte Armee, Luftwaffe, Navy und Marines vorab um ihre Einschätzung gebeten. Mit seiner Entscheidung für die generelle Öffnung setzte sich Carter über andere Empfehlungen der Marines hinweg, sie waren für Ausnahmen. Das Pentagon beschäftigt sich bereits seit 2013 mit dem Thema.

Der republikanische Senator John McCain und der einflussreiche Republikaner Mac Thornberry erklärten in einem gemeinsamen Statement, Carters Entscheidung werde sich positiv auf die Kampffähigkeit des Militärs auswirken.

Ein Frauennetzwerk im Militär begrüßte die Neuerung. „Das ist ein bedeutender Schritt in der Geschichte unseres Militärs und wird sicherstellen, dass unsere Streitkräfte unabhängig vom Geschlecht Einzelner die stärksten und fähigsten bleiben“, hieß es.

In den vergangenen Jahren haben die USA die Zahl ihrer Soldaten kontinuierlich reduziert. 2014 zählte das Pentagon 1,3 Millionen Soldatinnen und Soldaten, knapp zwölf Prozent weniger als 1995. Von den 1,3 Millionen waren rund 15 Prozent Frauen.

Seit 1957 dürfen Frauen die US-Militärakademien besuchen. Im Jahr 1993 wurde ihnen gestattet, Kampfflugzeuge zu fliegen und Kriegsschiffe zu kommandieren. In diesem Jahr schlossen erstmals zwei weibliche Soldaten die Ausbildung als Ranger ab.

Von

dpa

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