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09.02.2012

20:36 Uhr

Gleichstellungspolitik

Vorstoß für europäische Frauenquote

Zahlreiche europäische Regierungschefs haben über die Förderung von Frauen in Unternehmen diskutiert. Die Zahl weiblicher Spitzenmitarbeiter solle erhöht werden. Das helfe auch bei der Korruptionsbekämpfung.

Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite (l) im Gespräch mit Dänemarks Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt. AFP

Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite (l) im Gespräch mit Dänemarks Regierungschefin Helle Thorning-Schmidt.

StockholmNeun europäische Regierungschefs haben bei einem informellen Treffen in Stockholm nach Wegen gesucht, wie die Zahl von Frauen in Führungspositionen erhöht werden könne. Mehr Frauen in Vorstandsetagen, das bedeute weniger Probleme mit Korruption, sagte Schwedens Regierungschef Fredrik Reinfeldt am Donnerstag. Er hatte zum zweitägigen „Northern Future Forum“ geladen. Die Regierungschefs berieten auch über die Förderung der Beschäftigung älterer Menschen. Dabei spielte die Erhöhung des Rentenalters eine Rolle.

„Wir können es uns nicht leisten, auf diese Ressourcen zu verzichten“, sagte Dänemarks Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. An den Beratungen nahmen von Mittwoch an auch die Regierungschefs aus Norwegen, Finnland, Großbritannien, Estland, Island, Lettland und Litauen teil, ebenso wie Vertreter aus Wirtschaft und Bildung.

Norwegen hatte schon 2003 eine international als bahnbrechend geltende Frauenquote für Aufsichtsräte beschlossen. Während damals der Anteil von Frauen in den Vorständen großer Unternehmen unter zehn Prozent lag, ist er mittlerweile auf 40 Prozent gestiegen.

In Schweden, wo es keinerlei Quotenreglungen gibt, halten Frauen rund ein Viertel der Vorstandssitze, in Großbritannien liegt ihr Anteil bei 15 Prozent. Der britische Premier David Cameron sagte in Stockholm, er ziehe es vor, keine Quoten einzuführen.

Island werde in diesem Jahr ein mit Norwegen vergleichbares System einführen, kündigte Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir an. In ihrem Kabinett gebe es mehr Frauen als Männer. Sigurdardóttir, die in diesem Jahr 70 Jahre alt wird, witzelte, sie wolle ihrer Großmutter nacheifern, die noch bis ins Hohe Alter von 100 Jahren politisch aktiv war. Island hat mit 67 Jahren das höchste Rentenalter unter den Teilnehmerstaaten.

Frauen in Dax-Vorständen

Noch eine Seltenheit

Frauen sind in den Vorständen von Dax-Unternehmen eine Seltenheit. Derzeit sind sieben Posten in den Führungremien der 30 Dax-Konzerne mit Frauen besetzt. Ein Überblick.

Margret Suckale (BASF)

Die 55-Jährige ist seit Mai 2011 Arbeitsdirektorin im Vorstand des Chemiekonzerns BASF. Die gebürtige Hamburgerin hat gleich drei Hochschulen besucht. In ihrer Heimatstadt studierte sie Jura, in den USA machte sie den Master of Business und in der Schweiz den Executive Master of European Business Law. Bevor sie zu BASF kam, war sie im Vorstand der Deutschen Bahn.

Christine Hohmann-Dennhardt (Daimler)

Die promovierte Juristin ist seit Februar 2011 für Integrität und Recht bei der Daimler AG zuständig. Nach Lehraufträgen an verschiedenen Hochschulen zog es sie zunächst in die Politik. Die gebürtige Leipzigerin war schon hessische Justiz- und dann Wissenschaftsministerin. Später wurde sie Verfassungsrichterin. REGINE STACHELHAUS (EON): Die 56-Jährige ist seit Juni 2010 im Eon-Vorstand und für Bereiche wie Recht und Personal zuständig. Bevor sie zu dem Gasversorger kam, arbeitete sie für Unicef, den Computerhersteller Hewlett-Packard und als Rechtsanwältin.

Brigitte Ederer (Siemens)

Die gebürtige Österreicherin ist seit Juli 2010 im Vorstand von Siemens und dort für den Bereich Personal zuständig. Nach dem Volkswirtschaftsstudium ging sie in die österreichische Politik. Bevor sie 2001 zu Siemens in Österreich kam, war sie amtsführende Stadträtin für Finanzen in Wien.

Barbara Kux (Siemens)

Die 57-Jährige hat bereits eine internationale Laufbahn hinter sich. Nach dem Abitur in Zürich ging sie zunächst in die USA. Danach studierte sie an einer Business School nahe Paris. Bevor sie zu Siemens kam, arbeitete sie unter anderem für Nestlé in der Schweiz, für Ford in Wien und Köln sowie für Philips in den Niederlanden. Bei Siemens ist sie nun die Bereiche Supply Chain Management und Nachhaltigkeit zuständig.

Kathrin Menges (Henkel)

Von der Kosmetik in die Chefetage: Bevor die 47-Jährige in den Vorstand von Henkel kam, studierte sie Erziehungswissenschaften in Potsdam, war Abteilungsdirektorin bei der Bankgesellschaft Berlin AG und arbeitete beim Kosmetik-Unternehmen Schwarzkopf, das zu Henkel gehört. Bei dem Konzern ist sie seit Oktober für den Bereich Personal zuständig.

Claudia Nemat (Deutsche Telekom)

Die Europachefin der Telekom ist eigentlich Diplom-Physikerin und war zuvor bei der Unternehmensberatung McKinsey. Dort leitete sie den Technologie-Sektor für die Regionen Europa, Mittlerer Osten und Afrika. Im Telekom-Vorstand ist sie seit diesem Oktober. Zuvor hatte sie bereits mehrere Projekte des Unternehmens betreut.

Marion Schick (Deutsche Telekom)

Das Thema Personal spielt im Lebenslauf der 53-Jährigen eine wichtige Rolle. An der Hochschule München lehrte sie als Professorin unter anderem Personalmanagement. Danach wechselte sie zur Fraunhofer Gesellschaft, wo ihre Hauptaufgabe das Entwickeln einer Personalstrategie war. Anschließend war sie als Kultusministerin von Baden-Württemberg für den Ausbau der beruflichen Bildung zuständig. Im Mai 2012 wird sie Personal-Vorstand bei der Telekom.

Finnlands Ministerpräsident Jyrki Katainen sagte, die Wahrnehmung älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt müsse verbessert werden. Eine Gesellschaft, die Erfahrung nicht achte, sei nicht gesund.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Krosis

09.02.2012, 21:29 Uhr

Als ob eine Frauenquote irgendwas bewirkt.
Wenn eine schlechter ausgebildete Frau gegenüber einem gut ausgebildeten Mann bevorzugt wird, auf Grund dieser Quote, ist dies schonmal ein ordentlicher Fehlschlag.

Gleichberechtigung und mehr Frauen in Führungspositionen sollten nicht durch Regeln bestimmt werden,
die Menschen sollten vielmehr durch Bildung und Erziehung in frühen Jahren mit einem etwas moderneren Frauenbild erzogen werden, so dass nurnoch die Fähigkeiten eine Rolle spielen.
Und wenn die Fähigkeiten dann mehrheitlich für Männer oder mehrheitlich für Frauen sprechen, dann soll es so sein.

Man kann es mit dem Gleichberechtigungszeug auch übertreiben...

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