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26.10.2016

14:17 Uhr

Global Gender Gap Report

Gleiche Chancen für Mann und Frau? Vielleicht in 170 Jahren

VonKevin Knitterscheidt

Wie steht es um die Gleichstellung der Geschlechter? Der „Global Gender Gap Report“ des World Economic Forum zeigt: Bis Mann und Frau gleiche Rechte und Chancen haben, könnte es noch lange dauern.

Bis zur völligen Gleichstellung von Mann und Frau könnte es noch 170 Jahre dauern, diagnostizieren die Forscher des World Economic Forum. dpa

Ampelmann und Ampelfrau

Bis zur völligen Gleichstellung von Mann und Frau könnte es noch 170 Jahre dauern, diagnostizieren die Forscher des World Economic Forum.

DüsseldorfSeit mehr als 150 Jahren kämpfen Männer und Frauen um die Gleichstellung der Geschlechter. Doch wer glaubt, der Kampf sei heute weitgehend geschlagen, der irrt. Laut dem „Gender Gap Report“ des World Economic Forum (WEF), der seit elf Jahren Chancenlücken zwischen Männern und Frauen weltweit misst, ist nicht einmal die Halbzeit erreicht: Geht die Entwicklung weiter wie bisher, dürften bis zur völligen Gleichstellung noch weitere 170 Jahre vergehen, so der Bericht.

Der Report vergleicht die Chancen von Männern und Frauen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und politische Teilhabe. Während Frauen und Männer in Gesundheits- und Bildungsfragen weltweit inzwischen sehr nahe beieinander liegen, nämlich zu 96 beziehungsweise 95 Prozent, gibt es noch immer große Lücken in Fragen politischen Teilhabe (23 Prozent). So sind in mehr als der Hälfte der 144 untersuchten Länder die Parlamente zu 80 Prozent mit Männern besetzt. Ein Ausnahmebeispiel ist das afrikanische Land Ruanda, dessen Abgeordnete zu 64 Prozent weiblich sind – der Spitzenwert in der Untersuchung.

Bei der wirtschaftlichen Teilhabe ist der weltweite Wert sogar rückläufig – sie erreicht mit einer Chancenlücke von 59 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 2008. Das liege vor allem an der vielfach unbezahlten Hausarbeit, so die Studienautoren. So kommt die OECD in einer anderen Studie zu dem Ergebnis, dass Frauen in der Regel 200 Minuten pro Tag ohne Lohn arbeiten. Dass Aufgaben wie Haus- oder Familienpflege mehrheitlich von Frauen erledigt werden, wirkt sich so negativ auf die Verdienstchancen von Frauen aus – und damit auch auf Lohngleichheit.

Verglichen wurde aber nicht nur die globale Chancengleichheit, sondern auch Chancengleichheit in verschiedenen Ländern. Dabei schneidet Deutschland zwar gut ab – verliert mit dem 13. Platz im Ranking aber zwei Plätze aus dem Vorjahr (2015: Platz 11). Der erste Platz geht zum achten Mal hintereinander an Island, gefolgt von Finnland, Norwegen, Schweden und Ruanda. Die schlechtesten Werte erzielen Tschad, Saudi-Arabien Syrien, Pakistan sowie der letztplatzierte Jemen.

Zehn-Punkte-Plan für mehr Frauen im Management

1. Ziel: Mehr Frauen in die Geschäftsführung

Wer in der ersten Liga mitspielen will, muss auch bei der Frauenquote vorangehen.

2. Mindestens drei Frauen auf Ebene direkt unter der Geschäftsführung

Frauen an der Spitze sollten sichtbar sein. Eine Frau allein wird oft als Quotenfrau und nicht als Expertin wahrgenommen.

3. Mindestens Zweidrittel der Frauen für obere Führungspositionen intern rekrutieren

Das Signal: Frauen aus der Belegschaft können etwas werden. Mögliche Absicherung: Sie werden gezielt durch Mentoren gefördert.

4. Bewusstes Bekenntnis und sichtbare Wahrnehmung

Eine klare, ambitionierte Positionierung in der Frauenfrage setzt Signale nach innen und außen und zieht potenzielle Bewerberinnen an.

5. Jeder Manager hat mindestens eine Vorgabe zur Frauenförderung als Zielvereinbarung

Nur wenn das Thema Frauen direkt auf Beurteilung und Vergütung durchschlägt, wird es ernsthaft angegangen. Nur dann öffnen Männer ihre Netzwerke.

6. Vier der zehn wichtigsten Projekte (mit-)verantworten Frauen

Das macht Frauen als Expertinnen visibel und verschafft ihnen Netzwerke.

7. Jede Konferenz mit weiblichen Fachredner auf dem Podium

Frauen erhalten als Expertinnen Gehör und Respekt.

8. Organisation von Meetings mit Rücksicht auf Familie

Familiäre Verpflichtungen grenzen sonst von Informationen und Entscheidungen aus.

9. Jede Stellenausschreibung gendersensibel formulieren

Männlich konnotierte Begriffe wie „durchsetzungsstark“ schrecken viele Frauen von der Bewerbung ab.

10. Auf den Vorschlagslisten der Headhunter stehen 30 Prozent Frauen

„Wer sucht, der findet“, gilt auch für Personalberater.

Quelle: Marie-Claire Tietze, Senior Managerin bei KMPG und Expertin für Führungskultur und Vielfalt.

Besonders gut schneidet Deutschland im Bereich der politischen Teilhabe ab, was auch mit der Bundeskanzlerin zusammenhängt. Denn die WEF-Forscher verteilen Punkte für jedes der vergangenen 50 Jahre, in denen ein Land von einer Frau regiert wurde. Im Fall von Angela Merkel sind das elf Jahre. Auch damit erzielt Deutschland den zehnten Platz in dieser Kategorie.

Schlechter sieht es aus, wenn man die Bildungschancen deutscher Männer und Frauen vergleicht. Hier reicht es lediglich für Platz 100. Das liegt an dem geringen Anteil von Frauen in der sekundären und tertiären Bildung, also in der gymnasialen Oberstufe sowie an der Universität. In Sachen Gesundheit und wirtschaftlicher Teilhabe verorten die Forscher die Bundesrepublik im Mittelfeld (Plätze 54 und 57).

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

26.10.2016, 15:15 Uhr

Jeder kann sein Leben selbstbestimmen in Deutschland, Europa und den USA. Da spielt es keine Rolle ob Mann oder Frau.
Der Mann wie auch die Frau kann impolsiv und sehr bestimmend auftreten. Mann sieht es ja an der alternativlosen Merkel Politik oder der Hillary Demokraten Elite.

Frau Margrit Steer

26.10.2016, 15:25 Uhr

Was für ein Quark
Jedr kann doch das tun, was r möchte.
Aber Frauen wollen sich doch immer nur die Rosinen aus dem Kuchen picken.
Warume sehe ich denn keine Frauen auf dem Müllwagen?
Warum nicht beim Straßenbau?
Und in der Politik? Da ist durch den Weiberanteil alles nur schlechter geworden.
Denn es sind ja gerade nicht die Inteligentesten die in der Politik sind

Herr Holger Narrog

26.10.2016, 15:29 Uhr

Ein Grund, dass sich der Cromagnon Mensch gegenüber dem Neandertaler durchsetzen konnte war die arbeitsteilige Familie des Ersteren.

Ähnlich wie man mit der Ökoreligion mittelalterliche Windmühlen propagiert geht sucht die radikalfeministischen Ideologie zurück zu den Vormenschen der Steinzeit.

Die aktuelle radikalfeministische Ideologie propagiert die Karrierefrau die nebenbei Kinder und Haushalt hat. Männer kommen in dieser Ideologie allenfalls als Hilfshausmänner, Hilfserzieher und etwas seltener erwähnt, als Alimentenzahler vor. Die Konsequenz ist das in der D Urbevölkerung kaum Kinder geboren werden und die Regierung ein neues Volk ansiedelt.

Aktuell sehe ich zahlreiche Bevorzugungen und Privilegierungen des Geschlechts Frau... Beispielsweise leben Frauen einige Jahre länger und sind dadurch bei der Rente und in der Krankenversicherung privilegiert. Frauen werden in vielen Staaten vom Kriegsdienst ausgenommen. Im Fall einer Scheidung werden Männer von den Frauengerichten extrem diskriminiert. Das Schulsystem ist auf Mädchen ausgelegt so dass diese bessere Chancen in der Schule haben.

Beruflich haben Frauen heutzutage gleiche Chancen. Aufgrund der unterschiedlichen Rollenerwartungen, beispielsweise erfährt Frau auch Anerkennung aufgrund Ihres Äusseren, oder als Ehefrau eines erfolgreichen Mannes, legen diese eine geringere Priorität in der Karriere.

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