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02.05.2014

19:26 Uhr

Globalisierung

Streikwelle in China verunsichert die Mächtigen

VonFinn Mayer-Kuckuk

Die chinesische Arbeiterschaft verteidigt ihre Interessen so energisch wie nie. Durch Streiks erleiden Firmen in Südchina Ausfälle in Millionenhöhe. Die Regierung versucht nun, die Arbeiter zu besänftigen.

dpa

Peking/HongkongEin Streik beim weltgrößten Schuhhersteller schickt Schockwellen durch China - doch zunächst einmal waren vor allem die Autofahrer betroffen. Im Umkreis der Fabrik von Yue Yuen Industrials in der südchinesischen Stadt Dongguan waren Dutzende von Verkehrskreuzungen lahmgelegt, als unzufriedene Arbeiter ihre Demo starteten. Kilometerweit stauten sich die Autos. „Zahlt uns unsere Sozialbeiträge!“, forderte ein Transparent. Nach eigenen Angaben waren 30 000 Menschen an den Protesten beteiligt. Marken wie Adidas, Nike oder Puma erlitten einen gewaltigen Produktionsausfall.

So wie bei Yue Yuen Industrial in Dongguan verteidigt die chinesische Arbeiterschaft immer energischer ihre Interessen. Neu dabei: Sie hat dabei die Rückendeckung der Regierung in Peking, die so die soziale Ruhe im Lande wahren will. Damit vollzieht sich in China eine Trendwende im Verhältnis von Arbeit und Kapital. „Die Arbeiter sind bereit für eine neue Zeit“, sagt Arbeitervertreter Han Dongfang von der Organisation China Labour Bulletin in Hongkong dem Handelsblatt. „Es gibt inzwischen viele Beispiele dafür, wie die Mitarbeiter von Firmen ihre eigenen Vertreter wählen.“ Regelmäßig zwingen sie nun die Arbeitgeberseite an den Verhandlungstisch.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

Handelsvolumen

China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

Exporte

Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

Importe

Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

Investitionen

Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

Die kommunistische Führung in Peking hat erkannt, dass Repression im Internetzeitalter nicht mehr reicht – und will aus der Ermächtigung der Arbeiter sogar noch politisches Kapital schlagen. Nach Jahren der arbeitgeberfreundlichen Politik stilisiert sie sich jetzt wieder als Vertreterin der unterdrückten Klasse. Das Arbeitsministerium in Peking stellte sich daher voll hinter die Streikenden. „Das Unternehmen hat nicht seine vollen Sozialbeiträge abgeführt“, kritisiert ein Behördensprecher Yue Yuen. Die zuständige Abteilung habe dem Unternehmen eine Nachzahlung auferlegt.

Es bewegt sich etwas in China. Die Regierung fürchtet Massendemonstrationen und Streiks schon aus ganz grundsätzlichen Gründen: Aus solchen Keimzellen können sich leicht Proteste entwickeln, die sich gegen die Machthaber in Peking richten. Schließlich fordern diese Lob für alles, was gut läuft im Lande. Im Umkehrschluss gelten sie aber auch sofort als Schuldige für alles, was schlecht läuft. In der Geschichte Chinas ist manche Dynastie über diese Logik gestürzt.

Die roten Mandarine setzen nun auf den Import eines Gedankens aus Europa: Mehr Mitbestimmung für die Arbeiter. Denn wenn Konflikte gleich im Betrieb gelöst werden, statt zu auffälligen Protesten auszuarten, herrscht gleich viel mehr Ruhe im Land. Schätzungen zufolge gibt es in China jährlich über zehntausend große Proteste, die sich meist an Konflikten zwischen Arbeitern und Kapital entzünden.

Kommentare (2)

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02.05.2014, 19:37 Uhr

da wird ein schuh für 4€ produziert und dann für 150€ verkauft. statt die Renditen in aberwitzige höhen zu treiben sollte darüber nachgedacht werden erstmal die Menschen die für ihr Geld arbeiten zu entlohnen. dazu kommt dass die chinesen auch aufhören sollten dreck zu produzieren. Außerdem sollten die Vereinbarungen gestrichen werden die den chinesen verbieten eine bessere Qualität zu liefern damit die A Brands "Überleben" können. Die gesamte Kurzsichtigkeit nur weil die Interessen einer kleinen Gruppe berücksichtigt werden wird noch zum schaden aller sein

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06.05.2014, 08:06 Uhr

Die Arbeiter in China wollen ihren Teil vom Volksvermögen abhaben.Sie sehen,wie die Chefs jeden Tag mit ihren neuen SUV´s davonbrausen und selber können sie sich gerade mal einen Handkarren leisten.
Das geht nicht mehr lange gut.Die Kluft zwischen arm und reich ist nirgends so groß wie in China,das hat mit Kommunismus a´la DDR oder UdSSR nichts mehr am Hut.Das ist ein ausgewiesener Staatskapitalismus mit faschistoiden Zügen der Nomenklatura.

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