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22.01.2007

15:14 Uhr

Globalisierung-Studie

China überrundet Deutschland

VonKatharina Slodczyk und Olaf Storbeck

In den nächsten Jahren werden die Karten in der Weltwirtschaft neu gemischt. Das globale Gewicht von China, Indien und anderen asiatischen Schwellenländern wird massiv zunehmen. Deutschland verliert seinen Exportweltmeister-Titel. Trotzdem werden die Firmen hierzulande weiter zu den Gewinnern gehören. Das Handelsblatt erklärt, warum.

Chinesen vor dem Brandenburger Tor in Berlin. China verdrängt Deutschland bis 2009 als Exportweltmeister. Foto: dpa dpa

Chinesen vor dem Brandenburger Tor in Berlin. China verdrängt Deutschland bis 2009 als Exportweltmeister. Foto: dpa

Burkhard Koch wacht über die Welt. Akkurat gefaltet und sorgfältig gestapelt, passt sie gerade noch in zwei Regalböden. Im Büro des Gebäudemanagers der Ralf Bohle GmbH befindet sich das firmeneigene Fahnenlager von Europas führendem Fahrradreifenhersteller, bekannt unter dem Markennamen „Schwalbe“. 21 Flaggen hat das Unternehmen aus Reichshof im Bergischen Land vorrätig, darunter die von Estland, Taiwan und Indien. An diesem milden Wintertag flattert die weißblaue finnische Fahne draußen im Wind – Geschäftsführer Frank Bohle erwartet eine Kundendelegation aus Helsinki.

Der 44-Jährige führt den Familienbetrieb in der dritten Generation. Lange schon hat die Firma Konzerne wie Continental und Michelin auf dem Markt für Fahrradreifen überholt. Mehr als 63 Millionen Euro setzt das Unternehmen um, gut doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Es sind dies die Früchte einer frühen und konsequenten Internationalisierung. Bohle nutzt geschickt die weltweite Arbeitsteilung. Alle „Schwalbe“- Reifen kommen aus einem Werk in Indonesien, das Bohle gemeinsam mit einer koreanischen Partnerfirma betreibt.

Aber: „Auf die Produktion in Asien entfallen nur noch rund 30 Prozent der Wertschöpfung“, sagt Bohle. Der große Rest erfolgt in Deutschland. Über das Distributionszentrum in Reichshof liefert das Unternehmen 1800 Typen von Rad- und Rollstuhlreifen in die halbe Welt. Hier, im Bergischen Land, tüfteln die Ingenieure des Unternehmens auch an neuen Produkten – etwa an Reifen, die nie einen Platten haben, die leichter rollen als Konkurrenzprodukte und die gleichsam auch noch die Rolle der Federung des gesamten Fahrrads mit übernehmen.

So rüstet sich Frank Bohle für die Zukunft. Denn der Markt wird ungemütlich. „Ich war vor kurzem auf einer Radmesse in China, da habe ich beim 100. Reifenhersteller aufgehört zu zählen.“ Will heißen: Mit Macht drängen Wettbewerber aus Asien auf den internationalen Markt. Bohle ist klar: Nur mit neuen, besseren Produkten wird er sich behaupten können. Allein die beiden chinesischen Wächterfiguren vor dem Eingang der Zentrale, die ein Geschäftspartner aus Taiwan schenkte und die Unheil abwenden sollen, werden ihm dabei wenig helfen. „Wir müssen innovativ bleiben“, sagt Bohle, „sonst haben wir keine Chance.“

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