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16.04.2011

16:17 Uhr

Golf von Aden

Piraten statuieren ein Exempel

VonFlorian Brückner

ExklusivNormalerweise ließen die Piraten vor der Küste Somalias ihre gekaperten Schiffe nach Zahlung eines Lösegeldes samt der gesamten Besatzung frei. Das gilt jetzt nicht mehr.

Somalische Piraten am Golf von Aden werden wegen ihrer Überfälle auf Handelsschiffe festgenommen. Quelle: Reuters

Somalische Piraten am Golf von Aden werden wegen ihrer Überfälle auf Handelsschiffe festgenommen.

Golf von AdenMit Vollgas, die Maschinengewehre im Anschlag, pflügen die maskierten Sonderkommandos der „Vasco da Gama“ in ihren dunkelblauen Kampfanzügen auf die Dhow zu. Das kleine Holzschiff mit dem spitzen Bug schwankt schwer im Wasser hin und her. Über den Köpfen ihrer somalischen Besatzung kreist ein Hubschrauber, ein Scharfschütze hat die Männer ins Visier genommen, ein schweres Maschinengewehr der portugiesischen Fregatte ist ausgerichtet. Es ist vorbei. Die Arme der neun Somalier sind in der Luft.

Am Ende, nachdem sich die Minuten wie eine kleine Ewigkeit für die Besatzung an Bord der Fregatte hingezogen haben, kommt die Entwarnung. Ein weiteres verdächtiges Schiff  im Golf von Aden, aber keine Piraten, keine Waffen an Bord.
Ein Dolmetscher der Marine Djiboutis geht an Bord, schließlich werden beide Schiffe wieder ihre Fahrt fortsetzen – und von den mysteriösen Booten, die mehrere Handelsschiffe der „Vasco da Gama“ über Funk gemeldet haben, fehlt weiter jede Spur. Tagelang war es im Golf von Aden ruhig. Keine Spur von den Piraten – jetzt melden sie sich zurück.

Und das nicht nur mit kleinen verdächtigen Booten, sondern auch mit Nachrichten, die hier auf dem Flaggschiff der europäischen Operation Atalanta für Besorgnis sorgen. Somalische Piraten haben den gekaperten Bitumen(Asphalt)-Tanker MT Asphalt Venture nach der Zahlung eines Lösegeldes freigelassen. Nur anders als etwa jüngst bei der deutschen MV Beluga Nomination geschehen, kam damit nicht auch gleichzeitig die gesamte Besatzung wieder auf freien Fuß. Sieben indische Mitglieder der 15 Mann starken Besatzung werden weiter festgehalten. Und dies obwohl nach Angaben der Piraten ein Lösegeld in Höhe von 3,6 Millionen Dollar gezahlt worden sein soll – was offiziell aber nicht bestätigt ist.
„Das ist ein völlig neues Verhalten der Piraten, das wir bis jetzt noch nie zuvor gesehen haben“, sagt der portugiesische Kommodore Alberto Correia, der derzeit die EU-Flotte der Operation Atalanta im Golf von Aden befehligt. Was die Militärs nun davon halten sollen, welche Konsequenzen sich daraus für die Sicherheitslage im Golf von Aden ergibt, ist noch gar nicht absehbar.
„Das ist unsere Rache dafür, dass die indische Regierung mehrere unserer Männer festgenommen hat“, soll ein Pirat namens Ahmed laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters gesagt haben. Ähnliche Informationen hat auch der gewöhnlich gut informierte Somalia Report veröffentlicht. Offenbar schwebt den Piraten ein Tauschgeschäft vor: Seeleute gegen Piraten. Die MT Asphalt Venture fährt zwar unter der Flagge Panamas, gehört aber Bitumen Invest aus den Vereinigten Arabischen Emiraten – und wird von einer indischen Firma aus Mumbai gemanagt.

Ob sich die indische Regierung nun auf diesen möglichen Deal einlässt, bleibt abzuwarten. Indiens Marine geht nach Einschätzung von Fachleuten „ausgesprochen robust“ gegen Piraten vor seiner Küste vor. Die wenigen Meldungen über Zwischenfälle würden keineswegs bedeuten, dass es in indischen Gewässern keine Piraten gebe. Nicht jedes Aufeinadertreffen zwischen Piraten und Marine werde gemeldet – das gelte dann natürlich auch für all das, was sich dabei zugetragen habe. Wo kein Richter, da kein Recht und Gesetz.

Während also ein Teil Besatzung der MT Asphalt Venture einer ungewissen Zukunft entgegenblickt, ist das Schiff selbst mit acht Seeleuten frei. Die Asphalt Venture war am 29. September vergangenen Jahres auf ihrer Fahrt von Mombasa in Kenia ins südafrikanische Durban von den Piraten aufgebracht worden.

Kommentare (10)

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Leser

16.04.2011, 16:37 Uhr

Mit Terroristen wird nicht verhandelt, heißt es immer. Aber mit Piraten, die die Handelsschifffahrt terrorisieren, geht man international extrem milde um. Sie kriegen Millionen an Lösegeld, die Täter werden praktisch nicht verfolgt. Da war es doch nur eine Frage der Zeit, bis auch für die Freilassung der Besatzung eine Gegenleistung verlangt wird.

Falseflag

16.04.2011, 16:43 Uhr

Wurde mal wieder die Gehirnwäsche aufgefrischt.....
Man sollte sich eher fragen, warum so viele Schiffe und ein so reges Interesse am Golf von Aden / Jemen herrscht !
Ihr seid damit herausgefordert es selbst herauszufinden !
Die "Piraten" sind nur eine False Flag Attack.....

Revision

16.04.2011, 17:12 Uhr

die "Piraten" (Terroristen) werden nur auf knallharte Massnahmen reagieren.
Auf einen groben Klotz gehoert ein grober Keil!

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