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21.04.2015

00:59 Uhr

Golfregion

Iran fordert Verhandlungen im Jemen

Welche Rolle spielt der Iran beim Konflikt im Jemen? Die USA werfen dem Land vor, die dortigen Huthi-Rebellen zu unterstützen. Der Iran weist dies zurück. Außenminister Sarif winkt sogar mit "konstruktivem Engagement".

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif ist der Ansicht, man solle sich der Ursachen für die Spannungen in der Golfregion annehmen. dpa

Mohammed Dschawad Sarif

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif ist der Ansicht, man solle sich der Ursachen für die Spannungen in der Golfregion annehmen.

WashingtonIrans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hat die Erwartung geäußert, dass die Beilegung des Atomstreits die Beilegung anderer Konflikte in der Region erleichtern werde. Mit dem nötigen Mut könne diese "künstlich erschaffene Krise" beigelegt werden, um sich wichtigeren Fragen zu widmen, schrieb Sarif in einem am Montag veröffentlichten Beitrag für die "New York Times".

"Der Iran ist sehr eindeutig gewesen: Unser konstruktives Engagement geht weit über die Atomverhandlungen hinaus." Die Atomfrage sei nur das Symptom, nicht die Ursache des Misstrauens und des Konflikts.

Es sei Zeit, dass sich der Iran und die anderen Staaten der Ursachen der Spannungen in der Golfregion annähmen, schrieb Sarif. Mit Bezug auf den Jemen, wo Saudi-Arabien mit seinen arabischen Verbündeten seit Wochen Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen fliegt, sprach sich Sarif erneut für Verhandlungen zur Beendigung des Konflikts aus.

Gefechte im Jemen: Wer und was? (April 2015)

Die Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Früher unterdrückt, etablierten sie sich mit Beginn des Arabischen Aufstands ab 2011 als politische Kraft. Im September 2014 eroberten rund 30.000 Huthis die Hauptstadt Sanaa. Vor einigen Wochen setzten sie Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung ab. Auf der Seite der Huthis stehen beträchtliche Teile der Armee, die dem 2012 zum Abgang gezwungenen Präsidenten Ali Abdullah Salih treu geblieben sind.

Präsident Hadi

Präsident Hadi flüchtete im vergangenen Februar in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er versucht weiterzuregieren. Der von den USA unterstützte Staatschef will einen Föderalstaat errichten - scheiterte aber an der Stärke der Huthis.

Ex-Präsident Salih

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih war über 30 Jahre Herrscher im Jemen. Nach Protesten musste er Anfang 2012 zurücktreten. Die USA werfen ihm vor, das Chaos geschürt zu haben. Die UN haben Sanktionen gegen ihn verhängt. Medien berichteten über Absprachen Salihs mit den Huthis. Saudi-Arabien gewährte Salih nach dessen Rücktritt Unterschlupf. Der reiche Golfstaat hat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten.

Der Iran

Der Iran versucht als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen. Experten vermuten, der Iran unterstütze die Huthis möglicherweise finanziell, habe aber - anders als im Falle der Hisbollah im Libanon oder der schiitischen Milizen im Irak - keinen operativen Einfluss auf sie.

Saudi-Arabien

Eine von Saudi-Arabien geführte regionale Militärallianz bombardiert seit Ende März 2015 im ganzen Land Stellungen und Waffenlager der Huthis und der Salih-loyalen Truppen. Riad sieht - anders als viele Nahost-Experten - in der Miliz der schiitischen Sekte einen „Klienten“ des Iran, der auf diese Weise die Kontrolle über den Hinterhof des sunnitischen Königreichs übernehmen wolle.

Al-Kaida

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten, die sich unter anderem zum Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ bekannten, galten bisher als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. In den vergangenen Monaten bekannten sich Extremisten und bisherige Al-Kaida-Anhänger zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die große Teile des Iraks und Syriens kontrolliert. Trotz einer sehr ähnlichen Ideologie ist der IS mit Al-Kaida verfeindet.

Der Iran hatte vergangene Woche der Uno einen Vier-Punkte-Plan vorgelegt. Die jemenitische Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi wies ihn aber zurück, da der Iran die Huthis unterstütze und selbst Partei des Konflikts sei.

US-Regierungssprecher Josh Earnest sagte zu Sarifs Äußerungen zum Jemen, es sei "paradox", dass der Iran eine diplomatische Lösung fordere, zugleich aber Waffen an eine Konfliktpartei liefere. Die USA werfen dem Iran ebenso wie Saudi-Arabien vor, die zaiditischen Huthi-Rebellen mit Waffen und Ausbildern zu unterstützen.

Der Iran weist dies zurück. Experten äußern ebenfalls Zweifel, dass der Iran nennenswerten Einfluss auf die Rebellen hat, die seit Januar die Hauptstadt Sanaa kontrollieren und derzeit die Hafenstadt Aden einzunehmen versuchen.

Die US-Marine gab derweil bekannt, dass sie den Flugzeugträger "USS Theodore Roosevelt" und den Kreuzer "USS Normandy" in die Gewässer vor dem Jemen verlegt habe, um die Sicherheit "wichtiger Schifffahrtsstraßen in der Region" zu garantieren.

Von

afp

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