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07.12.2014

11:18 Uhr

Google, Diercke & Co.

Ukraine, Krim und die Nöte der Kartenhersteller

VonLaura Waßermann

Annektiert oder nicht? Offiziell gehört die Krim noch nicht zu Russland, oder doch? Kartenhersteller sind sich uneinig, wie sie mit territorialen Konflikten umgehen sollen. Google hingegen macht es sich einfach.

Karte der Krim: „Wir laufen nicht jedem Konflikt hinterher“. dpa

Karte der Krim: „Wir laufen nicht jedem Konflikt hinterher“.

DüsseldorfHeißt es eigentlich Danzig oder Gdansk? Gehört die Krim offiziell noch zur Ukraine oder schon zu Russland? Und was passiert, wenn Kataloniens Referendum doch irgendwann anerkannt werden sollte?

Jeden Tag gehen Menschen irgendwo auf dieser Welt auf die Straße und demonstrieren für Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung ihres Landes oder einzelner Individuen. Das beschäftigt nicht nur Politiker und Soziologen – bekannte Kartenhersteller, wie Diercke und Co. stehen jedes Mal vor der Frage, wie der territoriale Konflikt kartografisch dargestellt werden soll.

Wo sind welche Krisen?

Ukraine und Russland

Der wohl stärkste Konflikt 2014 ist der Kampf zwischen Russland und der Ukraine. Putin vs. Poroschenko. Der Kreml-Chef hört nicht einmal auf die Vertreter der EU, die seit Monaten versuchen, ihn und seine Politik wieder europafreundlich werden zu lassen. Und darunter leidet Russland: Der Pariser Kreditversicherer Euler Hermes sagt für 2014 ein Wachstum von lediglich 0,7 Prozent voraus. Damit habe man die ursprüngliche Prognose um 1,9 Prozentpunkte abgesenkt.

Syrien

In Syrien gibt es derzeit zwei große Krisenherde: IS und Assad. Denn: Mitte des Jahres kam – so scheint es zumindest – die Terrorgruppe Islamischer Staat aus dem Nichts und spielt in Syrien eine immer größere Rolle. Mit Enthauptungsvideos sowie zahlreichen Anschlägen auf syrische Territorien macht der IS jeden Tag auf sich aufmerksam. Dabei ist der Machthaber Baschar al-Assad in den vergangenen Monaten in den politischen Hintergrund gerückt.

Türkei

In der Türkei gibt es einige, immer wiederkehrende Problemfelder. Beispielsweise die Presse- und Redefreiheit hat Präsident Erdogan dermaßen eingeschränkt, als er den Kurznachrichtendienst Twitter hat sperren lassen. Zudem steht sowohl der Kampf gegen Kurdistan in der Kritik sowie Erdogans Überlegungen, den Dollar als Zahlungsmittel für Auslandsgeschäfte abzuschaffen. Das lässt auch die türkische Wirtschaft nicht kalt: Analysten gehen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum im Vergleich zu 2013 um ein Prozent sinkt. Grund dafür seien die sinkende Binnennachfrage und die schwache Türkische Lira.

Brasilien

Auch Brasilien ist ein währendes Krisenland. Trotz Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2014, geht es dem größten Staat Südamerikas nicht gut. Die Bandenkriminalität lässt sich nach wie vor schlecht kontrollieren. Zudem fehlt eine Wettbewerbsfähigkeit in der Industrie, das Geschäftsklima ist schwach und die Infrastruktur hat einige Defizite. Das Hauptproblem Brasiliens sind aber fehlende Investitionen. Die Investitionsrate beträgt nur circa 20 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

Katalonien

Seit Jahren demonstrieren die Menschen in Barcelona und Umgebung für die Unabhängigkeit Kataloniens. Es müsste frei sein, ein eigener Staat. Der Grund dafür sind unter anderem die schlechten Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen des Landes und die historische Vergangenheit. Spaniens Ex-Diktator Francisco Franco hatte Mitte des 20. Jahrhunderts die Menschen aus Katalonien unterworfen und unter anderem die katalanische Sprache herabgesetzt. Demnach wurde Kastilisch auch in Katalonien zur ersten Amtssprache.

Sudan

Die Republik Sudan ist in mehrerer Hinsicht ein Konfliktherd. Bereits 2003 gab es in der Stadt Darfur einen blutigen Putschversuch gegen die arabisch-dominierte sudanesische Regierung. Der Sudan ist seit dem 1. Januar 1956 unabhängig und seit dem 9. Juli 2011 zweiteilig. Der Südsudan wurde nach einem Referendum als eigenständiger Staat vom Sudan unabhängig. Auch hier hatten die Kartenhersteller Probleme, Süd- und Nordsudan richtig darzustellen.

Kaschmir-Krieg

Beim Kaschmir-Konflikt handelt es sich um den Kampf um die Grenzregion Kaschmir zwischen Indien und Pakistan. Diesen Konflikt gibt es bereits seit der Gründung der beiden Länder. Während der Ex-Chef Kaschmirs zu Indien tendierte, richtet sich die allgemeine Stimmung im Land eher gen Pakistan.

Kosovo

Seit dem Kosovo-Krieg 1999 geht es mit dem Staat immer mal wieder auf und wieder ab. Der völkerrechtliche Status ist immer noch umstritten, Deutschland hat das Land aber bereits als unabhängig anerkannt. Nach dem Krieg hat der UN-Sicherheitsrat mit einer Resolution die völkerrechtliche Grundlage für Unabhängigkeit geschaffen. Seit 2008 wird der Kosovo von der „EULEX Kosovo“ überwacht genauso wie der Nordkosovo, der von der Regierung des Kosovos derzeit nicht kontrolliert wird.

2014 war in politischer Hinsicht ein aufregendes, unruhiges Jahr. Die Terrororganisation Islamischer Staat wurde in Syrien zunehmend mächtiger, die Mehrheit der Krim-Bewohner haben für eine Annektierung gestimmt und die Situation in der Ostukraine ist zeitweilig eskaliert.

Darauf muss der bekannteste Kartenhersteller Deutschlands Diercke aus dem Westermann Verlag reagieren. Diercke verlegt unter anderem den Schulatlas. Für das Unternehmen ist klar, dass es sich nur an „völkerrechtlich verbindliche“ Grenzen hält.

Dass das nicht immer einfach ist, hat in diesem Jahr der Krim-Konflikt mit einem Paukenschlag gezeigt. „Politisch gehört die Insel noch zur Ukraine, verwaltet wird sie aber von Russland. Also arbeiten wir mit einer gestrichelten Linie“, sagt Thomas Michael, Leiter der Kartographie.

Ein Kompromiss, die Lösung für alles. Zumindest, wenn man es sich nicht so leicht macht, wie Google. Der Riesenkonzern betreibt mit „Google Maps“ eins der erfolgreichsten Online-Kartensysteme weltweit. Schließlich benutzen mittlerweile mehr als 100 Millionen Menschen „Maps“.

Damit das Unternehmen sich nirgendwo unbeliebt macht, hat Google eine Art Multi-Lösung gefunden. Wer in der Ukraine ins Internet geht, sieht höchstens die gestrichelte Linie. In Russland hingegen ist eine Grenze zu sehen. Thomas Michael: „Google geht so vor, wie es für das Unternehmen am bequemsten ist.“ (In der Karte sehen Sie die gestrichelte Grenze, wenn Sie rauszoomen.)

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