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10.11.2014

18:49 Uhr

Gorbatschow kritisiert den Westen

Flirten mit Putin

VonMaximilian Nowroth

Eigentlich gilt Michail Gorbatschow als scharfer Kritiker Wladimir Putins. Doch nun verteidigt der letzte Staatschef der Sowjetunion den Kremlchef – und greift dafür den Westen an. Was ist da nur los?

Erst Feinde, jetzt neue Freunde? Glasnost-Ingenieur Michail Gorbatschow mit Kremlchef Wladimir Putin. dpa

Erst Feinde, jetzt neue Freunde? Glasnost-Ingenieur Michail Gorbatschow mit Kremlchef Wladimir Putin.

Berlin/Düsseldorf/MoskauEs sind ungewohnte Töne, und sie kommen ausgerechnet von Michail Gorbatschow. Denn eigentlich gilt der Friedensnobelpreisträger als scharfer Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin. Doch beim Fest zum Mauerfall am Wochenende erhebt der frühere sowjetische Staats- und Parteichef schwere Vorwürfe: „Die Welt ist an der Schwelle zu einem neuen Kalten Krieg. Manche sagen, er hat schon begonnen“, sagte er der dpa. Was er meint, ist die Ukraine-Krise. Doch dieses Mal erhebt Gorbatschow die Vorwürfe nicht gegen Russlands Präsident, wie sonst immer. Sondern gegen den Westen.

Gorbatschow geht noch weiter: In der Vergangenheit hatte sich der letzte Staatschef der Sowjetunion, der als einer der Väter der deutschen Wiedervereinigung gilt, stets als scharfer Kritiker Putins hervorgetan und immer wieder demokratische Rückschritte in Russland beklagt. Doch nun klingt das anders.

„Ich bin absolut überzeugt, dass Putin heute besser als jeder andere die Interessen Russlands verfolgt“, sagte er. Es gebe natürlich Punkte in Putins Politik, die kritisierbar seien. „Aber ich will dies nicht tun, und ich will auch nicht, dass jemand anderes dies tut.“

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Nicht nur Deutschland ist überrascht von Gorbatschows deutlicher Kritik. In Russland wird der Gorbatschows Pro-Putin-Kommentar fast schon gefeiert: In vielen Fernsehsendern, wie Rossia24 oder 1TV, die vor allem putinfreundlich berichten, läuft das Thema rauf und runter. Sind das Anzeichen für eine neue Freundschaft zwischen Gorbatschow und Putin nach einer jahrzehntelangen Eiszeit?

„Der Kommentar von Gorbi in Berlin kam für uns alle unerwartet“, sagt der Ökonom Wladislaw Below. Es sei jedoch ein Fehler, den Kommentar so zu deuten, dass Gorbatschow plötzlich pro Putin sei. „Stattdessen vermute ich, dass sich Gorbatschow auf eine Stufe mit vernünftigen Außenpolitikern wie Kissinger, Kohl und Schmidt stellen will. Seine Botschaft richtet sich an die politische Elite Deutschlands, die er zu einer selbstkritischen Wahrnehmung einlädt“, sagt der Direktor des Zentrums für Deutschlandforschungen in Moskau.

„Die beiden führen ein paralleles Dasein. Ich habe keine Ahnung, wann sie das letzte Mal miteinander gesprochen haben. Sie haben keinen Bedarf, miteinander zu kommunizieren. Putin braucht anscheinend keine Ratschläge von Gorbatschow.“

Kommentare (13)

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Frau Dr. Max Motte

10.11.2014, 19:08 Uhr

Warum machen alle Leitmedien bei der Kriegstreiberei der Amerikaner mit?
Sind denn deutsche Journalisten nur noch US-Marionetten?

Nicht nur mir fällt auf, dass es inzwischen immer mehr dieser Marionetten in deutschen Redaktionsstuben gibt.

Pressefreiheit?

Wer hat nicht das Gefühl, von den Medien manipuliert oder gar belogen zu werden?
Bislang galt es als "Verschwörungstheorie", dass Leitmedien uns Bürger mit Propagandatechniken gezielt das Gehirn waschen.

Die Leitmedien im deutschsprachigen Raum sind wie gleichgeschaltet.
Sie berichten nur noch nach den Regeln der Politischen Korrektheit, betreiben im Interesse der USA Kriegshetze gegen Russland und unterdrücken den freien Informationsfluss.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) gilt als eine der renommiertesten deutschen Zeitungen. Dieses Bild hat jetzt auch der CDU-Abgeordnete Willy Wimmer erschüttert.

Willy Wimmer, der verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU und Staatssekretär im Verteidigungsministerium war, sagt:

"Ich kann mich sehr gut an ein langes Gespräch mit einem mir seit Jahrzehnten bekannten führenden FAZ-Mitarbeiter erinnern. Der machte deutlich, wenn das State Department noch rechtzeitig vor Drucklegung nachts anruft, dann kommt der gewünschte Artikel am nächsten Morgen in die Zeitung."

Wie bitte?

Das US-Außenministerium kann darüber bestimmen, ob und welche Artikel in der renommierten und angeblich so unabhängigen FAZ erscheinen?

Es sind solche Aussagen, welche derzeit nicht nur unter Journalisten für erhebliche Unruhe sorgen. Denn in dem neuen Sachbuchbestseller von Udo Ulfkotte "Gekaufte Journalisten" wird detailliert beschrieben, wie die großen Journalisten der Leitmedien uns Bürger im Interesse der Mächtigen manipulieren.

Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien?

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Frau Dr. Max Motte

10.11.2014, 19:08 Uhr

Böser Russe, guter Amerikaner und gekaufte Journalisten?

"Das geht durch wie eine Rakete", sagte ein Mitarbeiter der renommierten Münchner Buchhandlung Hugendubel zu mir über das neueste Buch des Aufklärungsjournalisten Udo Ulfkotte, Gekaufte Journalisten. Wie Politiker, Geheimdienste und Hochfinanz Deutschlands Massenmedien lenken.
Der Erfolg ist dem Buch auch zu wünschen. Es könnte den Medienkonsumenten die Augen öffnen und zu notwendigen Hygienemaßnahmen in der deutschen Medienlandschaft beitragen.

Mutig beschreibt ein ehemaliger Insider den Einfluss fremder Interessen auf deutsche "Qualitätsmedien" – er hat selbst 17 Jahre für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) gearbeitet und schämt sich heute dafür. Aus eigener Erfahrung schildert er, wie sich "Alpha-Journalisten" den Mächtigen andienen, Zugang zu einem kleinen Kreis verschwiegener Eliteorganisationen haben und sich von angeblich gemeinnützigen "transatlantischen Freundschaftsorganisationen" einbinden – hier sind vor allem die Einblicke in die Arbeit der Atlantikbrücke sehr wertvoll – und zum Propagandawerkzeug machen lassen.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr C. Falk

10.11.2014, 19:28 Uhr

Wenn man Steffen Seibert zuhört, kann man zu der Auffassung kommen, dass der Ukraine -Konflikt quasi vom Himmel gefallen ist mit der Angliederung der Krim an Russland.

Es hatt allerdings als Vorlauf einen Putsch in Kiew gegeben und die illegale Absetzung eines gewählten Staatchefs ohne erforderliche Zweidrittelmehrheit u.s.w. Bestrebungen die russische Sprache zu verbieten und eine totale Konfrontationspolitik der neuen ukrainischen Regierung gegenüber Russland mit Bekundungen eine NATO-Mitgliedschaft anzustreben u.s.w.

Der "Westen" ist kein Unschuldslamm in Bezug auf Grenzveränderungen, siehe Kosovo und militärischen Eingriffen, um einen neuen teritorialen Status zu erzwingen.

Trotzdem halte ich die russischen Maßnahmen in Bezug auf die Krim nicht unbedingt für eine taktische Meisterleistung Putins, wenn gleich auch für verständlich, da Russland wohl aus verschiedensten Überlegungen eine NATO-Krim für nicht akzeptabel erachten kann, Herr Jazenjuk und andere diese Mitgliedschaft für eine Gesamtukraine mit Einschluß der Krim und der Ostukraine als durchaus erstrebenswert ansieht.

Gorbatschow und andere, wie Kohl, Schmidt, Kissinger, Genscher halten einen neuen kalten Krieg mit Russland als nicht angemessen, Frau Merkel offensichtlich schon wenn sich Putin ihren "Empfehlungen" und Forderungen nicht beugt.

Im Hintergrund steht natürlich die Obama-Administration und Frau Merkel ist nicht viel mehr als Erfüllungsgehilfin dieser Politik ohne eigenen außenpolitischen Ergeiz in einer wichtigen europäischen Frage, der diesen Namen verdiente und gesamteuropäischen Interessen zukömmlich wäre.

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