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15.01.2010

15:14 Uhr

Gouverneur Mohammad Omar

„Deutscher Einsatz am Hindukusch wirkungslos“

Der deutsche Einsatz am Hindukusch ist umstritten, die Bundeswehr hat schon zahlreiche Tote zu beklagen – Provinzgouverneur Mohammad Omar nennt die deutschen Aktivitäten jetzt „wirkungslos“. Man müsse sich wegen der Untätigkeit der Deutschen an die amerikansichen Freunde wenden. Unterdessen sträubt sich Verteidigungsminister zu Guttenberg gegen einen konkreten Abzugstermin.

Afghanische Kinder an einer Wasserstelle: Deutscher Einsatz nutzlos? Reuters

Afghanische Kinder an einer Wasserstelle: Deutscher Einsatz nutzlos?

HB KABUL/LETZLINGEN. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat sich gegen die Festlegung auf ein Datum für das Ende des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan ausgesprochen. „Ich halte es für sehr verwegen und auch nicht Ausdruck größter Weisheit, von einem Enddatum zu sprechen, wo dann plötzlich alle Afghanistan verlassen und irgendeiner das Licht ausdreht“, sagte Guttenberg am Freitag bei einem Besuch im Gefechtsübungszentrum des Heeres in Letzlingen nördlich von Magdeburg.

Stattdessen müsse eine Perspektive für den Beginn des Abzugs der internationalen Truppen geschaffen werden, erklärte er mit Blick auf die internationale Afghanistan-Konferenz am 28. Januar in London. Guttenberg sprach in Letzlingen mit Soldaten, die von Mitte März an in Afghanistan eingesetzt werden, und lobte deren Professionalität und Motivation.

Unterdessen geht in Afghanistan die Gewalt weiter: Bei einer Bombenexplosion im Süden des Landes ist am Freitag eine Mutter mit ihren vier Kindern getötet worden. Das Auto der Familie sei von einem am Straßenrand versteckten Sprengsatz zerrissen worden, teilte ein Sprecher der afghanischen Grenzpolizei mit.

Der Vater der Kinder und ein weiterer Verwandter hätten die Explosion überlebt. Der Sprengsatz sei vermutlich für afghanische oder ausländische Sicherheitskräfte bestimmt gewesen, sagte der Polizeisprecher. Die Explosion ereignete sich im Bezirk Spin Boldak der afghanischen Provinz Kandahar, nahe der Grenze zu Pakistan.

Deutsche Soldaten haben am Freitag in der nordafghanischen Provinz Kundus einen afghanischen Zivilisten beschossen und verletzt. Der Mann sei mit seinem Wagen auf die Soldaten zugefahren und habe trotz aller Warnsignale nicht gebremst, sagte Bundeswehrsprecher Jürgen Mertins der Deutschen Presse-Agentur dpa in Kundus. Der Zivilist sei im Wiederaufbauteam in Kundus operiert worden. Zu dem Vorfall sei es in der Unruheprovinz Char Darah zehn Kilometer westlich des Bundeswehrlagers gekommen.

Kritik am deutschen Einsatz insgesamt kam währenddessen aus Afghanistan: Der Gouverneur der Unruheprovinz Kundus hat den dortigen Einsatz der Bundeswehr „wirkungslos“ genannt. Angesichts der schlechten Sicherheitslage in der Region forderte Gouverneur Mohammad Omar in einem Gespräch mit dpa in Kundus mehr amerikanisches Engagement. „Wir haben einen Feind und wissen, dass er uns töten will“, sagte er mit Blick auf die Taliban. „Unsere (deutschen) Freunde beobachten das und retten uns nicht. Nun müssen wir unsere anderen (amerikanischen) Freunde bitten, uns zu retten.“ Omar verteidigte zugleich den von der Bundeswehr im vergangenen September angeordneten Luftangriff.

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