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20.08.2014

11:12 Uhr

Grausame Propaganda der IS

Video zeigt Enthauptung eines US-Journalisten

Die Terrormiliz Islamischer Staat will einen US-Journalisten ermordet haben. Ein im Internet veröffentlichtes Video soll die Enthauptung des Amerikaners zeigen. Der mutmaßliche Mörder stammt wohl aus Großbritannien.

Ein Bild aus dem Jahr 2012 zeigt den US-Fotografen James Foley. Er war seit 2012 vermisst. dpa

Ein Bild aus dem Jahr 2012 zeigt den US-Fotografen James Foley. Er war seit 2012 vermisst.

Washington/KairoAus Rache für die amerikanischen Luftschläge im Irak hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach eigenen Angaben einen US-Journalisten enthauptet. Die Gruppe veröffentlichte am Dienstag ein Video im Internet, das die Tötung des Fotografen James Foley zeigen soll. Der Reporter wird nach Angaben seiner Unterstützer seit 2012 vermisst. Er habe sich zuletzt in Syrien aufgehalten.

Die Terroristen gaben laut der „Washington Post“ an, Foley aus Vergeltung für die Militäroffensive gegen sie umgebracht zu haben. Es handele sich um „eine Botschaft an Amerika“. Sollte Washington seine Luftschläge nicht einstellen, würden weitere Reporter sterben.

Das Video beginnt mit Szenen, in denen US-Präsident Barack Obama seine Entscheidung für die Luftangriffe im Irak darlegt. Dann wird ein Mann in einer orangefarbenen Kluft gezeigt, der auf Wüstenboden kniet. Neben ihm steht ein maskierter Kämpfer in schwarzer Kleidung. Auf dem Bildschirm erscheint Foleys Name in englischer und arabischer Sprache.

Ein Bild aus dem im Internet veröffentlichten Video, das die Ermordung des Journalisten James Foley zeigen soll. Weitere US-Geiseln befinden sich in der Gewalt der IS. Reuters

Ein Bild aus dem im Internet veröffentlichten Video, das die Ermordung des Journalisten James Foley zeigen soll. Weitere US-Geiseln befinden sich in der Gewalt der IS.

Der Gefangene spricht erst, dann ist zu sehen, wie der vermummte Mann offenbar dessen Hals aufschneidet. Der Bildschirm wird kurz schwarz, in der nächsten Szene scheint der Mann tot auf dem Boden zu liegen, der Kopf liegt auf der Leiche.

Am Ende des Videos präsentiert ein Extremist einen zweiten Mann, der als US-Journalist Steven Sotloff vorgestellt wird. Das Opfer könne als nächster Gefangener dran sein, droht der IS-Kämpfer. Sotloff wurde im August 2013 nahe der syrisch-türkischen Grenze entführt, als er als freier Reporter für die Medien „Time“, „National Interest“ und „MediaLine“ recherchierte.

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Die Echtheit des Videos wurde zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt. „Die Geheimdienste arbeiten so schnell wie möglich, um die Authentizität festzustellen“, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates von US-Präsident Barack Obama. „Falls es echt ist, dann sind wir entsetzt über die brutale Ermordung eines unschuldigen amerikanischen Journalisten.“ Obama wurde noch auf dem Rückflug in den Urlaub an Bord der Air Force One vom stellvertretenden Sicherheitsberater Ben Rhodes über das Video informiert.

Foleys Angehörige bestätigten bereits dessen Tod. Auch zwei nicht näher genannte US-Regierungsvertreter identifizierten den Mann auf dem Video als Foley. Foley gilt als renommierter Fotograf, der als freier Journalist für verschiedene Redaktionen arbeitete. Zahlreiche seiner Kollegen äußerten sich in sozialen Medien bestürzt über seinen möglichen Tod. Unterstützer riefen dazu auf, das Video nicht anzuschauen oder zu teilen, um den Terroristen keine Genugtuung zu verschaffen.

Der mutmaßliche Mörder aus dem Video stammt wohl aus Großbritannien. „Auf den ersten Blick scheint es eine britische Person zu sein. Wir werden noch weiter untersuchen müssen, um ganz sicher zu gehen, dass das der Fall ist“, sagte der britische Außenminister Philip Hammond am Mittwoch der BBC. Der Mann habe einen britischen Akzent. Das Video sei ein „entsetzliches Beispiel für die Brutalität dieser Organisation“, sagte Hammond. Der Regierung sei seit langem bekannt, dass viele britische Staatsbürger in Syrien und im Irak für extremistische Gruppen kämpften.

Kommentare (4)

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Herr Moritz J. Mueller

20.08.2014, 11:08 Uhr

Mit diesen feigen Zug haben die Dschihadisten wohl definitiv ihre eigenen Vernichtung besiegelt.
Schon die Japaner im zweiten Weltkrieg mussten, mit ihren ebenfalls feigen Angriff auf Pearl Harbor, erkennen mit wem sie es da aufgenommen hatten. Und so hatte ein Rangoberer Japanischer Offizier, bei den Japanischen Jubelausbrüchen schon richtig erkannt; „Wir haben den Bären erst gerade geweckt, Gott stehe uns bei“.

Herr Der Zahlmeister

20.08.2014, 11:26 Uhr

@Moritz J. Mueller
Nach dem WKII haben die USA alle asymmetrische Kriege verloren. Korea, Vietnam oder AFG. In Irak haben sie eine Katastrophe hinterlassen.
Vor dem Pearl Harbor Angriff der Japaner gab es eine mehr monatige See-Blockade gegen Japan durch die USA. Japanische Handelsschiffe konnten weder rein noch raus aus Japan. Da hatten sie womöglich mit Pearl Harbor einen Ausweg gesucht. Das ganze endete mit 2 Atombomben auf Japan. Auch keine feine Sache, mit halber Million toten Zivilisten.
Was machen sie heute in Irak und Syrien? Ich sehe keine Strategie, die zum Erfolg führen kann, leider.

Herr Moritz J. Mueller

20.08.2014, 13:37 Uhr

Die USA besitzt heute einen technologischen Vorsprung und eine Waffengewalt, der keiner in der Welt Paroli bieten kann. Zudem riskieren sie, dank ihrer Drohnentechnik, nicht einmal mehr eigenen Soldaten. Ich wage daher einmal eine Prognose. Es ist nicht auszuschließen dass die USA über einen sehr langen Zeitraum, vielleicht wie das alte Rom über Hunderte von Jahren, die unangefochtene Weltmacht sein wird. Und somit auch als eine Art Weltpolizei auftreten wird. Nun kann jeder selber beurteilen ob er es gut oder schlecht findet. Solange aber die USA nicht in die (wie im alten Rom) Hände hochkrimineller Diktatoren fällt, ist mir diese Perspektive weitaus lieber als ein Militärkonflikt in Form eines dritten Weltkrieges.

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