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02.07.2015

16:38 Uhr

Great Barrier Reef in Australien

Kohleindustrie feiert Riff-Entscheid

VonUrs Wälterlin

Australiens Kohleindustrie feiert die Entscheidung der Unesco, das Great Barrier Reef nicht auf die Liste der gefährdeten Kulturgüter zu setzen. Doch die Kohlemine-Pläne des Rohstoffgiganten Adani stehen vor dem Kollaps.

Protest der Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen den Ausbau des Kohlehafens Abbot Point am Great Barrier Reef in Australien. dpa

Protest der Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen den Ausbau des Kohlehafens Abbot Point am Great Barrier Reef in Australien.

CanberraDie Umweltgruppen sind gescheitert. „Das Komitee hat die Angstmacherei der Aktivisten ignoriert und sich stattdessen auf wissenschaftliche Fakten konzentriert“, sagte der Vorsitzende des Rohstoffkonzils im australischen Bundesland Queensland, Michael Roche, am Donnerstag. Gruppen wie Greenpeace hätten versucht, die Uno-Kulturkommission Unesco zu bewegen, das Great Barrier Reef vor der Küste Ostaustraliens auf die Liste der gefährdeten Weltkulturstätten zu setzen.

Am Dienstag war die Unesco bei ihrer Versammlung in Bonn der Empfehlung ihres Expertenkomitees gefolgt, das mit über 3000 Kilometern Länge größte Korallenriff der Welt vorerst nicht auf die Liste des gefährdeten Kulturerbes zu setzen. In den vergangenen 30 Jahren sind als Folge von Umwelteinflüssen rund die Hälfte der Korallen verschwunden. Ein negativer Bescheid der Unesco hätte schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft Australiens gehabt, allem voran für die dominante Kohleindustrie.

Das Klimaschutz-Glossar

AAU, Assigned Amount Unit

Jedem Industrieland steht nach dem Kyoto-Protokoll eine festgelegte Menge an CO2-Zertifikaten zu, die es zur Emission einer bestimmten Menge an Treibhausgasen berechtigen, die AAU. Übersteigen die tatsächlichen Emissionen diese Grenze, müssen zusätzliche Zertifikate von Industriestaaten zugekauft werden, die ihr Budget nicht ausgeschöpft haben. Strittig ist derzeit, ob die Emissionsrechte auch nach Auslaufen der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls ihre Gültigkeit behalten. Dies würde die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen verringern.

Annex-I-Länder

Der Annex I der Klimarahmenkonvention von 1992 listet alle Länder auf, die die Selbstverpflichtung zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2000 auf das Niveau von 1990 übernommen haben. Der Begriff Annex-I-Länder wird oft synonym mit Industrieländer benutzt.

Annex-B-Länder

In Annex B des Kyoto-Protokolls sind diejenigen Staaten aufgelistet, die im Rahmen des Kyoto-Protokolls konkrete Minderungsverpflichtungen in der ersten Verpflichtungsperiode (2008-2012) übernommen haben.

CDM, Clean Development Mechanism

Der im Kyoto-Protokoll festgelegte Mechanismus ermöglicht es Industrie- und Entwicklungsländern, gemeinsam Klimaschutz-Projekte in den Entwicklungsländern zu betreiben. Industrieländer finanzieren die Projekte und können im Gegenzug die eingesparten Emissionen entweder zusätzlich emittieren oder sie sich gutschreiben lassen.

COP, Conference of the Parties

Das höchste Gremium der Klimarahmenkonvention von 1992, das einmal jährlich tagt. Nach dem Inkrafttreten der Klimarahmenkonvention 1994 fand die erste Vertragsstaatenkonferenz (COP 1) 1995 in Berlin statt. Die 18. Vertragsstaatenkonferenz findet vom 26. November bis 7. Dezember in Doha statt.

IPCC, Intergovernmental Panel on Climate Change

Zwischenstaatliches Expertengremium für Klimafragen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, das 1988 eingerichtet wurde. Wird auch als Weltklimarat bezeichnet.

JI, Joint Implementation

Das Instrument der Joint Implementation ist ebenfalls Teil des Kyoto-Protokolls. Es ermöglicht den sogenannten Annex-B-Ländern, gemeinsam Klimaschutz-Projekte zu betreiben. Dabei wird das Projekt zwar in einem Land durchgeführt, aber von einem anderen finanziert. Die eingesparten Emissionen darf dieses zweite Land zusätzlich emittieren oder sich als Emissionsguthaben gutschreiben lassen. Dem ersten Land wird eine entsprechende Menge an Emissionsrechten abgezogen.

Kyoto-Protokoll

Das Kyoto-Protokoll wurde 1997 von der 3. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) angenommen. In dem Protokoll verpflichten sich die Industriestaaten, ihre gemeinsamen Emissionen der wichtigsten Treibhausgase im Zeitraum 2008 bis 2012 um mindestens fünf Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Dabei haben die Länder unterschiedliche Emissionsreduktionsverpflichtungen akzeptiert.

LULUCF, Land Use, Land-Use Change and Forestry

Maßnahmen im Bereich der Forstwirtschaft und Landnutzung im Kyoto-Protokoll. Die Emissionsbilanz kann demnach verbessert werden, indem entweder Projekte zur Aufforstung unterstützt werden oder die Abholzung eingedämmt wird. Die Kyoto-Staaten haben sich verpflichtet, diese Punkte in ihre Klimabestrebungen einzubeziehen.

MRV, Measurable, Reportable, and Verifiable

Messbarkeit und Kontrolle von Klimaschutzmaßnahmen eines Staates.

REDD, Reducing Emissions from Deforestation and Degradation

Anreizsystem für Entwicklungsländer zur Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und der Schädigung von Wäldern. REDD ist damit eine Art Gegenstück zu LULUCF.

UNFCCC, United Nations Framework Convention on Climate Change

Die Klimarahmenkonvention wurde auf dem Weltgipfel für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro angenommen und seither von 192 Staaten ratifiziert. Sie trat 1994 in Kraft. Die Klimarahmenkonvention ist der erste internationale Vertrag, der den Klimawandel als ernstes Problem bezeichnet und die Staatengemeinschaft zum Handeln verpflichtet.

Auch relativ kleine Projekte entlang der ostaustralischen Küste hätten die Bewilligung der Unesco benötigt. Einen ebenso großen Schaden hätte eine Listung am Ansehen Australiens als Reisedestination angerichtet: Etwa 60.000 Menschen leben von Rifftourismus.

Australien kam mit dieser Entscheidung mit einem blauen Auge davon. Die Regierung hatte Hunderttausende von Euro in eine Public-Relations-Kampagne investiert, mit dem Ziel, Entscheider bei der Unesco sowie internationale Journalisten zu überzeugen, sie nehme ihre Verantwortung als Hüterin des Riffes ernst. Die Kommission stellte fest, dass das Riff zwar gefährdet sei, die Regierung aber Anstrengungen unternommen habe, es besser zu schützen.

Ein bis 2050 laufender Plan sieht unter anderem vor, den Zufluss schadstoffhaltiger Abwässer zu reduzieren. Auch das umstrittene Abladen von Sedimenten aus dem Aushub von Häfen wurde unterbunden. Meeresbiologen meinen jedoch, Klimawandel und seine Folgen seien die Hauptverursacher für den schlechten Zustand des Riffs. Höhere Wassertemperaturen und Übersäuerung etwa gelten als erwiesene „Korallenkiller“.

Kommentare (2)

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Herr Vitto Queri

02.07.2015, 17:18 Uhr

>> Kohleindustrie feiert Riff-Entscheid >>

In ca. 10 Jahren wird es keinen Riff mehr geben.

Herr Holger Narrog

02.07.2015, 18:46 Uhr

Hallo Herr Queri,

gibt es irgendeinen sachlichen Grund für Ihre Prophezeihung?

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