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05.10.2012

03:49 Uhr

Grenzkonflikt

UN verurteilen Türkeibeschuss durch Regierungstruppen

Nach der Eskalation im Grenzkonflikt zwischen Syrien und der Türkei wächst die Sorge vor einem Flächenbrand in der Region. Der UN-Sicherheitsrat hat den Beschuss aus Syrien stark kritisiert.

UN-Sicherheitsrat verurteilt syrischen Granatbeschuss auf Türkei

Video: UN-Sicherheitsrat verurteilt syrischen Granatbeschuss auf Türkei

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Akcakale/New YorkMehr als 24 Stunden nach dem tödlichen Angriff auf eine türkische Grenzstadt hat der UN-Sicherheitsrat den Vorfall scharf kritisiert und Regierungstruppen verantwortlich gemacht. Das mächtigste UN-Gremium verurteilte am Donnerstagabend (Ortszeit) „in schärfsten Worten den Beschuss der türkischen Stadt Akcakale durch die syrischen Streitkräfte“. Zuvor hatte der Rat stundenlang um die Formulierung gerungen. Während der Westen das Regime von Präsident Baschar al-Assad klar in der Verantwortung sieht, hatten die Russen dem Vernehmen nach jede Kritik an der syrischen Regierung verhindern wollen.

Türkei übt Vergeltung

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Der Präsident des Sicherheitsrates, in diesem Monat der guatemaltekische UN-Botschafter Gert Rosenthal, drückte den Hinterbliebenen der Opfer - einer Mutter und vier ihrer Kinder - das Beileid des Rates aus. Er sagte, dass „der schwerwiegende Vorfall unterstreicht, welche Auswirkungen die syrische Krise auf die Sicherheit der Nachbarn und Frieden und Sicherheit in der Region“ habe. „Der Rat fordert, dass solche Verletzungen des internationalen Rechts sofort aufhören und sich nicht wiederholen.“

„Die Mitglieder des Sicherheitsrates fordern Zurückhaltung von beiden Seiten“, sagte Rosenthal. Hinter verschlossenen Türen war lange darüber gestritten worden, ob Damaskus direkt für den Beschuss verantwortlich gemacht werden soll. Die syrische Regierung wird nun zudem aufgefordert, „die Souveränität und territoriale Integrität der Türkei zu respektieren“.

Aus Vergeltung für den tödlichen Beschuss beschoss türkische Artillerie am Donnerstag zwei Mal syrisches Gebiet. Das Parlament in Ankara verabschiedete ein Gesetz, das Militäreinsätze im Nachbarland erlaubt. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan betonte jedoch zugleich, dass sein Land keinen Krieg mit Syrien wolle. Man sei aber entschlossen, die eigenen Grenzen und die türkische Bevölkerung zu schützen, sagte Erdogan auf einer Pressekonferenz.

Auch der stellvertretende Regierungschef Beir Atalay sagte, das neue Gesetz sei keine Kriegserklärung an Syrien, sondern vielmehr als Abschreckung gedacht. Zuvor hatte das Parlament die Regierung mit 320 Ja- zu 129 Nein-Stimmen ermächtigt, Ziele in Syrien anzugreifen. Damit kann die Regierung nun ein Jahr lang Bodentruppen und Kampfflugzeuge ins Nachbarland schicken, wenn sie das für nötig hält. Ähnlich geht Ankara seit Jahren im Nordirak vor, wo regelmäßig kurdische Rebellen bei Luftangriffen ins Visier genommen werden.

Die Spannungen zwischen der Türkei und Syrien waren am Mittwoch eskaliert, als eine aus Syrien abgeschossene Granate im türkischen Grenzdorf Akcakale fünf Menschen tötete. Mindestens zehn weitere wurden laut türkischen Medienberichten verwundet. Zur Vergeltung beschoss türkische Artillerie erst kurz nach Mitternacht und dann noch einmal am frühen Morgen Ziele in Syrien. Danach herrschte Ruhe, wie Augenzeugen berichteten. Der Beschuss sei eine Warnung an das Regime von Präsident Baschar Assad, sagte ein Berater Erdogans.

Syrien gestand am Donnerstag den Beschuss des Grenzdorfes ein und entschuldigte sich für die zivilen Opfer. Der syrische Informationsminister Omran al Subi sprach "im Namen der syrischen Regierung den Familien der Getöteten und dem türkischen Volk tief empfundenes Beileid" aus. Syrien habe den Vereinten Nationen versichert, dass ein solcher Vorfall nicht wiederholen werde, sagte Atalay. Al Subi forderte, die Türkei müsse mehr dazu beitragen, ihre Grenzen zu schützen und Extremisten davon abhalten, sie zu überqueren.

Vergeltungsschläge: Türkei gibt grünes Licht für Militäreinsatz in Syrien

Vergeltungsschläge

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Beim Vergeltungsangriff der Türkei sterben syrische Soldaten. Nun mischt sich die Nato ein.

Der syrische UN-Botschafter Baschar Dscha'afari sagte am Donnerstag in New York, sein Land wolle eine weitere Eskalation der Gewalt an der Grenze zur Türkei verhindern. Syrien untersuche, wie es zu dem tödlichen Artilleriebeschuss in Akcakale kommen konnte. In einem Brief an den UN-Sicherheitsrat versicherte Syrien den Familien der Opfer seine "tiefste Anteilnahme".

Bei den türkischen Vergeltungsangriffen am Donnerstagmorgen seien zwei syrische Soldaten verletzt worden, erklärte Dscha'afari. Seine Regierung rufe die Türkei auf, weise und rational zu handeln und das weitere Eindringen von "Terroristen und Aufständischen" und den Waffenschmuggel über die Grenze zu unterbinden.

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan. AFP

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief in dem Konflikt zu größter Besonnenheit auf. "Wir stehen an der Seite der Türkei", versicherte Merkel am Donnerstag in Berlin und fügte hinzu: "Gleichzeitig ist Besonnenheit das Gebot der Stunde." Außenminister Guido Westerwelle warnte vor einer Verschärfung des Grenzkonflikts. "Jetzt geht es um Deeskalation", sagte Westerwelle: "Wir wollen Solidarität und Besonnenheit jetzt zum Maßstab unseres Handelns machen."

Die NATO verurteilte in einer Brüsseler Dringlichkeitssitzung den Vorfall in Akcakale.

Kommentare (6)

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PubliusAeliusHadrianusGraeculus

05.10.2012, 04:52 Uhr

"Während der Westen das Regime von Präsident Baschar al-Assad klar in der Verantwortung sieht" - Wer ist überhaupt DER Westen, der in der ganzen Welt für Recht und Ordnung kämpft? Die türkische Politik will sich nur wieder in Washington incl. bei der israelischen Lobby lieb Kind machen und sich in der Region als unabdingbarer Partner aufspielen. Jetzt, wo leider Griechenland, Zypern eine unsägliche Militärallianz mit Israel eingegangen sind, hat sich die türkische Politik wohl isoliert.
Nichtsdestotrotz wird es 'der Westen' niemandem in der Region des östlichen Mittelmeeres danken. Allein die Interessen Israels stehen im Vordergrund. Wir sollte als größten gemeinsamen Nenner am besten wieder ein Reich unter Publius Aelius Hadrianus gründen. Nach Alexander wohl einer der besten Politiker, den die Region je gesehen hat.

Account gelöscht!

05.10.2012, 06:25 Uhr

@PubliusAeliusHadrianusGraeculus...." Der Westen der für Recht und Ordnung kämpft".
Daran Glauben Sie ja, dann sind Sie einer von den Millionen verblendeten Zeitgenossen. Anstatt sich mit einem altertümlichen römischen Herscher und sich dessen Epoche ersehnen, solten Sie sich lieber mal mit der jüngeren Zeitgeschichte befassen. Und mal nachdenken wer in diesem Zeitraum ( 150 - 200 Jahre ) auf der Welt Unheil und Schrecken verbreitet hat. Was soll der vergleich GR, ZYP, Israel gegem die Türkei ? Wer hier isoliert ist, ist doch wohl klar, nämlich die Israelis, die versuchen mit allen Mitteln und Kontaktpersonen Ihre Beziehungen mit der Türkei zu verbessern. Millitärisch hat die Türkei nichts zu Befürchten, Sie ist Stark genug. GR und ZYP plagen z.Z andere Sorgen wie Sie ja Wissen sollten.

Nebenbei, wenn Sie schon mit Publius Aelius Hadrianus kommen, würde ich lieber Sultan Suleiman den Prächtigen vorziehen und ein großes türksiches Reich von Balkan (türk Herkunnft) bis zum Chinesische Mauer aufbauen.

Schauen Sie sichmal die türkische Standarte des Präsidenten mal an.

http://de.wikipedia.org/wiki/Standarte_des_t%C3%BCrkischen_Pr%C3%A4sidenten

Account gelöscht!

05.10.2012, 07:32 Uhr

Erinnert mich an Polens Überfall auf Deutschland.
Die Türkei hatte schon lange einen Grund gesucht, sich dort einmischen zu dürfen und jetzt hat man eben ein paar Rebellen gesagt, schießt mal auf diese Grenzstadt, dann kommen wir und unterstützen euch.
Anders können wir keinen Finger rühren.

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