Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.10.2013

11:03 Uhr

Grenzkooperation

China und Indien schließen Abkommen

Indien und China rücken näher zusammen. Eine Kooperation zwischen den Militärs beider Staaten soll künftig Grenzkonflikte im Himalaya vermeiden. Aber noch immer gibt es keine feste Grenze.

Indien und China wollen Stabilität an ihrer Grenze sichern. ap

Indien und China wollen Stabilität an ihrer Grenze sichern.

PekingIndien und China haben in ihrem jahrzehntelangen Grenzkonflikt einen wichtigen Schritt aufeinander zu gemacht. Beim Besuch des indischen Premier Manmohan Singh in Peking besiegelte Chinas Volksbefreiungsarmee ein Abkommen zur Grenzkooperation mit dem indischen Verteidigungsministerium. „Das ist ein Instrument, um Stabilität und Frieden an unserer Grenze zu sichern“, sagte Singh am Mittwoch bei der Vertragsunterzeichnung. „Wenn Indien und China die Hände schütteln, nimmt die Welt Notiz.“

Chinas Premierminister Li Keqiang lobte die Zusammenarbeit mit Neu Delhi: „Die Beziehung zwischen China und Indien ist vermutlich die Wichtigste im 21. Jahrhundert, und wir blicken in eine vielversprechende Zukunft.“ Dank des Verteidigungsabkommens werde der Austausch zwischen den Militärs auf beiden Seiten der Grenze verbessert, um künftige Konflikte zu vermeiden. „China möchte mit Indien zusammenarbeiten.“ Zudem werde es gemeinsame Übungen in der Terrorabwehr mit Sicherheitskräften aus China und Indien geben.

Knackpunkte der deutsch-chinesischen Beziehungen

Blühender Handel

Das Handelsvolumen zwischen China und Deutschland stieg im Jahr 2012 auf 161 Milliarden Dollar - ein Drittel des gesamten Handelsumfangs von China mit der EU. Aus China kommen verschiedenste Waren - von Kleidung und Schuhen bis zu Elektronik- und Metallwaren - nach Deutschland. Deutsche Unternehmen verkaufen auf dem prosperierenden chinesischen Markt Maschinen, Hightech-Komponenten und Autos.

Raues Investitionsklima

Deutsche Investoren klagen über Bürokratie und behördliche Willkür in China. Sie fordern gleiche Wettbewerbsbedingungen und mehr Rechtssicherheit - vor allem auch beim Urheberrechtsschutz. In Deutschland sieht mancher Firmenübernahmen wie die des Baumaschinenherstellers Putzmeister durch den chinesischen Sanyi-Konzern skeptisch. Bis zum Jahr 2020 könnten sich chinesische Investitionen hierzulande einer aktuellen Studie zufolge auf rund zwei Milliarden Dollar jährlich verdreifachen. Bislang gibt es keinen Grund für Angst vor einer chinesischen Firmeninvasion: Deren Investitionen machen gerade einmal 0,2 Prozent der Auslandsinvestitionen in Deutschland aus

Sorge um den Euro

Bei der Überwindung der Eurokrise setzt China vor allem auf Deutschland. Chinas Exporte sind als Folge der Schuldenkrise stark zurückgegangen, zudem sorgt sich die Regierung um ihre Devisenreserven. Nach Schätzung von Experten soll etwa ein Viertel der Rekordsumme von 3,3 Billionen Dollar in Euro angelegt sein. Im Zuge des Schuldenschnitts für Griechenland mussten im Jahr 2012 auch chinesische Staatsfonds herbe Verluste hinnehmen.

Streit um billige Solaranlagen

Auch deutsche Unternehmen der Solarbranche gingen wegen Konkurrenz aus China pleite. Die EU-Kommission hat nun ein Anti-Dumping-Verfahren angestrengt - wenn bis zum 5. Juni kein Kompromiss gefunden ist, drohen chinesischen Billigherstellern milliardenschwere Strafzölle. China wirft der EU Protektionismus vor. Deutschland könnte in dem Streit eine Schlüsselrolle spielen, denn die Zölle sind hierzulande umstritten: Industrievertreter verweisen darauf, dass 70 Prozent der Wertschöpfung für die in China montierten Module in Deutschland entsteht und Strafzahlungen auch hiesige Firmen in Mitleidenschaft zögen.

Ungeliebte Menschenrechtsdebatte

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Menschenrechtsfragen regelmäßig an, nimmt jedoch seit dem Eklat um den Besuch des Dalai Lama im Kanzleramt im Jahr 2007 auch Rücksicht auf chinesische Befindlichkeiten. Der sachliche Verlauf des jüngsten deutsch-chinesischen Menschenrechtsdialogs könnte als Hinweis auf eine größere Offenheit der neuen Führung in Peking gewertet werden. Sie will die umstrittenen Arbeitslager reformieren, in denen Hunderttausende ohne Prozess einsitzen. Was das Schicksal einzelner Dissidenten angeht, bleibt China unnachgiebig und verweist gerne darauf, dass in seiner Tradition das kollektive vor dem individuellen Wohl steht - eine Auffassung, die angesichts des teils brutalen Drucks auf Oppositionelle hierzulande auf wenig Verständnis stößt.

Schwieriger Kulturaustausch

Die chinesische Seite beklagt eine klischeehafte Darstellung ihres Landes in der deutschen Öffentlichkeit. Mehr Chinesischunterricht und mehr Jobs für China-Experten in Behörden forderte jüngst die Grünen-Abgeordnete Viola von Cramon mit Blick auf Politiker, die ohne Landeskenntnisse in Treffen mit bestens vorbereiteten chinesischen Kollegen gingen. Der Kulturaustausch entwickelte sich stark, wenn auch nicht gleichmäßig in beide Richtungen. So studierten zuletzt etwa 25.000 Chinesen hierzulande, umgekehrt zog es nur 6200 junge Deutsche in die Volksrepublik.

Auch dank ökonomischer Vereinbarungen wollen es Indien und China nicht wieder zur einer Eskalation im Grenzgebiet kommen lassen. Im Beisein von Singh und Xi unterzeichneten hochrangige Regierungsvertreter insgesamt neun Abkommen und Absichtserklärungen, zu denen unter anderem bessere Transportwege zwischen beiden Ländern und eine gemeinsame Verwaltung der Flüsse in der Grenzregion gehören.

Noch bis Mai dieses Jahres hatten sich Soldaten beider Länder an der Grenze im Himalaya gefährlich nah gegenübergestanden. Die beiden Länder teilen sich eine provisorische, mehr als 4000 Kilometer lange Grenze. 1962 führten Neu Delhi und Peking einen kurzen, aber heftigen Krieg. Seitdem kommt es immer wieder zu Konfrontationen zwischen beiden Seiten. Noch immer haben sich beide Länder nicht auf eine feste Grenze geeinigt.

Trotz aller betonten Freundschaft ließ Manmohan Singh jedoch auch Konfliktthemen durchblicken. „Premier Li hat meine Sorge um das Handelsdefizit zur Kenntnis bekommen“, sagte Singh. Der Handel zwischen beiden Staaten ist in einem großen Ungleichgewicht zu Chinas Gunsten. Vergangenes Jahr betrug der Handel zwischen beiden Ländern 61,5 Milliarden US-Dollar. Bis 2015 wollen beide Seiten ihre Ein- und Ausfuhren auf 100 Milliarden US-Dollar steigern.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×