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11.01.2015

19:31 Uhr

Grexit-Krise

Deutsche Wirtschaft will Athen im Euro halten

Spekulationen um einen „Grexit“ hatten die Märkte Anfang Januar beunruhigt. Dahinter steht die Sorge, der Linke Alexis Tsipras könne bald die Parlamentswahl gewinnen. Die deutsche Wirtschaft stärkt Athen nun den Rücken.

Wahlen in Griechenland

Kommt der Euro-Austritt?

Wahlen in Griechenland: Kommt der Euro-Austritt?

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Berlin/AthenIn der Debatte um den Verbleib Griechenlands in der Eurozone stärkt die deutsche Wirtschaft Athen den Rücken. „Es muss unser Ziel sein, Griechenland in der Euro-Zone zu halten“, sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer der „Welt am Sonntag“. „Griechenland hat seine Bereitschaft unter Beweis gestellt, harte, umfassende Reformen anzugehen“, sagte Kramer. „Nun gilt es, diesen schweren, aber notwendigen Weg fortzusetzen.“

Unterdessen soll Deutschland Griechenland einem vertraulichen Bericht des griechischen Rechnungshofs zufolge elf Milliarden Euro aus einer Zwangsanleihe aus dem Zweiten Weltkrieg schulden. Dies berichtete die Athener Sonntagszeitung „To Vima“ unter Berufung den Bericht, der letzte Woche der griechischen Regierung vorgelegt wurde.

Der mit der Anleihe verbundene Zwangskredit in Höhe von ursprünglich 476 Millionen Reichsmark war 1942 der Deutschen Reichsbank von der griechischen Zentralbank gewährt worden, um die Besatzungskosten zu decken. Die griechische Regierung hatte im Frühjahr eine Sonderkommission gebildet, die mögliche Forderungen aus dem Zweiten Weltkrieg konkretisieren sollte.

Derweil wird weiter über neue Hilfen spekuliert, die für das hoch verschuldete Krisenland nötig werden könnten. Griechenland hatte bereits zwei internationale Hilfsprogramme mit Milliardenkrediten bekommen - und zusätzliche Erleichterung durch einen Schuldenschnitt. Dabei waren 2012 Forderungen privater Gläubiger wie Banken in Milliardenhöhe erlassen worden.

Was der „Grexit“ bedeuten würde

Worum geht es?

Dem griechischen Parlament ist es nicht gelungen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Deshalb stehen am 25. Januar Neuwahlen an. Nach Umfragen könnte die linkspopulistische Partei Syriza die künftige Regierung anführen. Deren Chef Alexis Tsipras gilt als Gegner der Sparauflagen der Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission. Er will im Falle eines Wahlsieges Griechenlands Sparpolitik beenden und einen Schuldenerlass verlangen. Die Griechen könnten keine Sozialkürzungen mehr ertragen. (Quelle: dpa)

Wie reagiert das Ausland?

Die Bundesregierung pocht auf Erfüllung griechischer Spar- und Reformzusagen. Man erwarte von der griechischen Regierung – „egal wer sie stellt – dass die mit der EU getroffenen Vereinbarungen eingehalten werden“, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (Montag). Mit anderen Worten: Hält sich Athen nicht an die Vereinbarungen, dreht die Troika den Geldhahn zu.

Was würde das bedeuten?

In der Folge würde die EZB griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten für Zentralbankgeld akzeptieren, so dass griechische Banken von der Versorgung mit Euro abgeschnitten würden. Das könnte das Ende Griechenlands als Mitglied des Währungsraums bedeuten. Das Land müsste eine eigene Währung einführen, die schwächer als der Euro wäre. Das würde die Rückzahlung von Schulden zusätzlich erschweren.

Kann Europa Griechenland aus der Eurogruppe werfen?

Nein. Das sehen die europäischen Verträge nicht vor. Deshalb wird wieder vermehrt über einen „Grexit“ diskutiert: Das Wort setzt sich aus „Greece“ und „exit“ zusammen und meint, dass Griechenland selbst seinen Austritt aus der Eurozone erklärt. Auch das wäre Neuland für das Eurosystem, das für einen solchen Schritt keine Regelungen kennt. Auch deshalb warnen Ökonomen wie Clemens Fuest, Chef des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW): „Ein Austritt wäre mit erheblichen Risiken behaftet, vor allem für Griechenland selbst, aber auch den Rest der Eurozone.“ Er würde es daher vorziehen, wenn Griechenland im Euroraum bliebe und seine Reformanstrengungen verstärke, sagte Fuest der „Rheinischen Post“ (Montag).

Was würde der „Grexit“ Deutschland kosten?

SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider schätzt, dass ein Euro-Austritt Griechenlands Deutschland 30 Milliarden Euro oder mehr kosten könnte. „Wir haben fast 240 Milliarden an Krediten an Griechenland gegeben, um sie zu stabilisieren und im Euro zu halten“, sagte Schneider der Deutschen Presse-Agentur. Bei einem Umstieg auf die Drachme könne Athen das nicht zurückzahlen.

Nach Commerzbank-Berechnungen summieren sich die Schulden Griechenlands bei den europäischen Partnern, dem IWF und der EZB auf gut 257 Milliarden Euro. Diesen Berg könnte das Land im Falle eines Austritts nicht mehr abtragen. „Die Politiker in Geberländern wie Deutschland müssten ihren Wählern erklären, dass die Hilfskredite anders als stets behauptet verloren sind“, kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Das wäre sehr unpopulär und würde eurokritische Parteien wie die AfD stärken.“

Wie groß ist die Gefahr, dass die Euro-Schuldenkrise zurückkehrt?

Experten halten das Risiko eines Flächenbrands für gering - auch deshalb, weil ausländische Banken ihr Engagement in Griechenland in den vergangenen Jahren tendenziell verringert haben. Die Bundesregierung hält einen „Grexit“ einem „Spiegel“-Bericht zufolge inzwischen für verkraftbar. Denn anders als beim Schuldenschnitt 2012 haben EU und EZB inzwischen Brandmauern eingezogen. Dazu gehört der Europäische Stabilitäts-Mechanismus (ESM), der Staaten im Notfall mit bis zu 500 Milliarden Euro beispringen kann. Die EZB hat ihre Geldpolitik extrem gelockert und versprochen, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu retten. Dadurch ist Vertrauen an den Finanzmärkten zurückgekehrt. Zudem haben Länder wie Spanien, Irland oder Portugal Reformen durchgesetzt, ihre Volkswirtschaften gesunden.

Wie wahrscheinlich ist der „Grexit“?

Das kann niemand vorhersagen. Noch gehen Ökonomen eher davon aus, dass Syriza die Wahlen entweder verlieren und die bisherige Regierung unter der Führung der konservativen „Neuen Demokratie“ Strukturreformen und Haushaltskonsolidierung fortsetzen wird – oder dass Tsipras zwar die Wahl gewinnt, dann aber von Wahlversprechen abrückt. „Er verspricht, Geld auszugeben, das er nicht hat und das ihm niemand leihen würde“, erklärt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Er schätzt das „Grexit“-Risiko auf 30 Prozent.

Einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstag) zufolge wächst allerdings in Brüssel die Überzeugung, dass ein weiterer Schuldenerlass nötig wird. „Ein Schuldenschnitt in Griechenland ist unausweichlich, weil das Land sonst mit seiner Schuldenlast nicht fertig wird“, zitiert das Blatt hohe EU-Kreisen, die mit den Beratungen über Griechenland vertraut seien. Als Größenordnung für den Schuldenschnitt werde „ein Drittel bis die Hälfte der Staatsschulden“ genannt. Die Gesamtschuld Griechenlands liege derzeit bei rund 320 Milliarden Euro. Davon befänden sich 80 Prozent in der Hand öffentlicher Gläubiger.

In Griechenland wird am 25. Januar ein neues Parlament gewählt. Die konservative Nea Dimokratia des Regierungschefs Antonis Samaras liegt in den Umfragen an zweiter Stelle. Führend ist das oppositionelle Linksbündnis Syriza unter Alexis Tsipras, das den Bürgern eine Neuverhandlung der Sparabkommen verspricht, die Griechenland eingehen musste, damit die EU-Partner und der IWF das Land mit 240 Milliarden Euro Notkrediten vor der Pleite bewahren.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr D. Dino54

12.01.2015, 09:31 Uhr

"Deutsche Wirtschaft will ...."

Natürlich, ein Umsatzeinbruch u.a. bei den Waffenexporten wäre auch unschön ! Wer bezahlt die Rechnungen wirklich ?

"„Griechenland hat seine Bereitschaft unter Beweis gestellt..."

Jetzt wird es mir zu blöd !!! Unfassbar, diese SCHÖN-BLÖD-Darstellungen !

ABER, so erkennt man, wer wirklich an diesem Murks profitiert !

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