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21.06.2011

20:37 Uhr

Griechenland

Ackermann hilf!

VonRuth Berschens, Donata Riedel, Dietmar Neuerer

ExklusivDie Eurozone will die Gespräche über einen Zahlungsaufschub für Griechenland mit dem wichtigsten globalen Gremium der privaten Finanzwirtschaft führen. Vorsitzender des IIF ist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Vorstandschef des IIF: Josef Ackermann. Quelle: dpa

Vorstandschef des IIF: Josef Ackermann.

Brüssel/BerlinBeim Institute of International Finance (IIF) sollten Möglichkeiten für ein Roll-over der fälligen griechischen Staatsanleihen ausgelotet werden, erfuhr das Handelsblatt aus diplomatischen Kreisen. Dem 1983 gegründeten IIF gehören fast alle großen Geschäfts- und Investmentbanken der Welt und auch viele führende Versicherungsgesellschaften an. Vorstandsvorsitzender des in Washington ansässigen Instituts ist der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann.

Der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager hatte bereits am Montag angedeutet, dass die Eurozone sich wegen eines Zahlungsaufschubes für Griechenland an ein internationales Gremium wenden wird. "Internationale Foren" müssten in diese Gespräche eingeschaltet werden, sagte de Jager am Rande des Treffens der Euro-Finanzminister in Luxemburg. Das IIF hat sich in der Vergangenheit schon häufig mit überschuldeten Staaten befasst.

Griechenland-Engagement deutscher Banken

FMS Wertmanagement

Die „Bad Bank“ der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE), hält allein 7,4 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen. Das gesamte wirtschaftliche Griechenland-Risiko beziffert die FMS Wertmanagement mit 10,8 Milliarden Euro. Für die Verluste der Abwicklungsbank kommt der staatliche Rettungsfonds Soffin auf, letztendlich also der Steuerzahler

WestLB

Die nordrhein-westfälische Landesbank hat kein Griechenland-Engagement mehr. 97 Millionen waren zuletzt (Stand Ende März) ausgewiesen worden. Die restlichen Papieren sind nach Angaben der Bank ausgelaufen. Der Großteil des ursprünglichen Bestandes war Anfang 2010 in die „Bad Bank“ EAA zusammen mit anderen risikoreichen Papieren ausgelagert worden. Die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) hat rund 1,1 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank inklusive der konsolidierten Postbank kam nach den jüngsten Zahlen Ende 2010 auf ein Nettokreditengagement gegenüber dem griechischen Staat von 1,6 Milliarden Euro.

Commerzbank

Die Commerzbank beziffert ihr Griechenland-Portfolio, das vor allem aus Staatsanleihen besteht, auf 2,9 Milliarden Euro (Stand 31. März 2011).

NordLB

Die NordLB rechnet als erste deutsche Großbank offiziell mit einem baldigen Schuldenschnitt für Griechenland und hat dafür nach eigenen Angaben Vorsorge getroffen. Die Landesbank ist über Staats- und Unternehmensanleihen mit etwa 719 Millionen Euro in Griechenland engagiert.

HSH Nordbank

Die HSH Nordbank - mit Steuermilliarden gestützte Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein - hat rund 200 Millionen Euro in Griechenland-Papiere investiert.

Helaba

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) will keine aktuelle Zahl nennen. Sie verweist auf die zum letzten Bankenstresstest im Sommer 2010 veröffentlichte Zahl von knapp 80 Millionen Euro an griechischen Staatsanleihen. Diese sei seither „deutlich kleiner“ geworden, weil Tilgungen ausgelaufen seien.

LBBW

Bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) beläuft sich das Griechenland-Engagement laut EU-Stresstest vom Sommer 2010 auf 1,4 Milliarden Euro. Eine Aussage darüber, ob es zum jetzigen Zeitpunkt mehr oder weniger geworden ist, lehnt die Bank ab.

BayernLB

Die BayernLB hat ein Griechenland-Engagement von 121 Millionen Euro (Stand 31. März).

Allianz

Die Allianz-Gruppe ist bei griechischen Staatsanleihen mit 1,3 Milliarden Euro engagiert. Finanzchef Paul Achleitner hatte sich bereits Ende Mai gegen eine Umschuldung ausgesprochen.

MunichRe

Die MunichRe hat ein Griechenland-Investment von knapp 1,1 Milliarden Euro in den Büchern (Stichtag 31. März).

Ergo

Die Ergo Versicherungsgruppe hält griechische Staatsanleihen im Marktwert von 1,06 Milliarden Euro (Stand Ende 2010).

Erst vor wenigen Tagen erörterte das Institut bei einer gemeinsamen Konferenz mit dem Pariser Club der staatlichen Gläubiger die Lage die finanzielle Lage Islands, Argentiniens und des Sudan. Auf der Tagesordnung dieser Konferenz stand auch der Plan der EU, private Gläubiger ab Mitte 2013 systematisch an Staatspleiten in der Eurozone zu beteiligen und Staatsanleihen mit entsprechenden Klauseln, den sogenannten Collective Action Clauses (Cacs) auszustatten.

Union und FDP drängen auf Bankenbeteiligung bei Griechenland-Hilfen

Union und FDP beharren derweil darauf, dass Banken und Versicherungen einen Beitrag zum neuen Hilfspaket für Griechenland leisten müssen. Die Forderung von Banken, dass neue Griechenland-Anleihen mit staatlichen Garantien versehen werden müssten, weisen die Politiker einmütig zurück. "Voraussetzung einer freiwilligen Beteiligung ist selbstverständlich die Erkenntnis, dass die Stabilisierung der Eurozone auch im Interesse der Banken selbst liegt und die Bereitschaft der Steuerzahler, in dieser Krise ins Obligo zu gehen, begrenzt ist", sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle dem Handelsblatt.

Ultimatum für Griechenland

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"Ich bin davon überzeugt, dass diese Erkenntnis bei den für ein Bankinstitut verantwortlich Handelnden vorhanden ist. Ich bin sehr zuversichtlich, dass diese gesamtgesellschaftliche Verantwortung dann auch von den Banken angenommen wird", sagte er. Noch deutlicher wurde Unionsfraktionsvize Michael Meister (CDU): „Ich halte das Ansinnen, Garantien zu bekommen, für unanständig“, sagte er. Schließlich habe die Politik die Banken gerade erst während der Finanzkrise „aus einer Notlage befreit“.

Grüne fordern europäischen Bankenrettungsfonds

Die Grünen warnen davor, privaten Gläubigern zu viel Mitsprache bei einer Griechenland-Lösung zu gewähren. „Genauso wenig wie die Banken haben die Ratingagenturen ein Interesse, das zu tun, was die europäische Politik gerne hätte“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagfraktion, Gerhard Schick, Handelsblatt Online. Es gehe kein Weg daran vorbei, die europäischen Regierungen müssten sich bei Griechenland „endlich zu einer stabilen Lösung durchringen, die sie aus der Abhängigkeit der Ratingagenturen befreit“.

Schick schlug die Schaffung eines europäischen Bankenrettungsfonds und sowie eine Umschuldung vor, „bei der - orientiert an den Brady-Bonds - den Investoren das Angebot unterbreitet wird, alte griechische Anleihen zum aktuellen Marktwert gegen neue, durch den Rettungsfonds EFSF garantierte Anleihen umzutauschen“.

Das sichere die Refinanzierungssituation europäischer Banken und senke die Staatsschuld Griechenlands auf ein tragfähiges Niveau. „Wenn hingegen die Euro-Staats- und Regierungschefs weiter Politik nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner betreiben, riskieren sie einen unkontrollierten Staatsbankrott Griechenlands - mit Gefahren für das europäische Projekt insgesamt“, sagte Schick.

Kommentare (22)

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dirk

21.06.2011, 19:05 Uhr

Nur mal vorweg Herr Schäuble, wenn die Privatgläubigerbeteiligung so aussieht, dass eine Verlängerung der Haltezeiten durch Staatsgarantien abgedeckt werden soll, dann rufen Sie vorher nochmal bei mir an, bevor sie Garantien inkl. Zinssatz jenseits der 6-7 Prozent mit Herrn Ackermann vereinbaren. Ich verlange max. 5,99 % per anno. Also nochmal kurz ich 5,99 Prozent sie das Risiko, Griechenland kleine Zinsen und Ackermann & Co. keine 10 Prozent. Und alle haben was davon, ok fast alle. Wenns kurfristiger sein soll, so ein bis zwei Jahre, gehe ich auch bis 4,49 Prozent runter. Reden wir drüber. Ihr verantwortungsvoller Mitbürger.

Werner

21.06.2011, 19:18 Uhr

Jepp,

dem Angebot möchte ich mich anschliessen

Hans

21.06.2011, 19:23 Uhr

So ein Kasperltheater....das kann man sich ja nicht mehr mit ansehen....
Doch so bescheuert sind die alle vielleicht garnicht.....
Ablenkungsmanöver.....mal sehen was unter dem Strich dabei rauskommt.

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