Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.03.2012

15:09 Uhr

Griechenland-Anleihen

So hilft der Fiskus beim Schuldenschnitt

VonAxel Schrinner

Der griechische Schuldenschnitt hat viele Investoren auf dem falschen Fuß erwischt. Nun gilt es, den Schaden zu begrenzen. Dabei hilft das Finanzamt. Es beteiligt sich an den Verlusten der Privatanleger.

Eine griechische Euro-Münze. dpa

Eine griechische Euro-Münze.

DüsseldorfWer griechische Staatsanleihen gekauft hat, muss mit herben Verlusten rechnen. Ein am 20. März fälliger Bond notierte gestern bei 26 Prozent. Wer also vor knapp drei Jahren die Anleihe bei ihrer Emission für 1 000 Euro erwarb, hätte gestern noch 260 Euro dafür bekommen. An seinem Verlust von 740 Euro beteiligt sich der deutsche Fiskus zu einem Viertel, weil dieser mit Zinsen oder Gewinnen aus sonstigen Börsengeschäften verrechnet werden kann. Seit Einführung der Abgeltungsteuer sind Veräußerungsgewinne unabhängig von der Haltedauer steuerpflichtig, Veräußerungsverluste können mit Gewinnen aus anderen Geschäften verrechnet werden. Der Steuersatz beträgt 25 Prozent. Wer seine Bonds vor 2009 gekauft hat, kann seine Verluste steuerlich nicht nutzen.

Schuldenschnitt für Griechenland: Die Leiden eines Privatanlegers

Schuldenschnitt für Griechenland

Die Leiden eines Privatanlegers

Die Großbanken haben den Schuldenschnitt mit Griechenland ausgehandelt. Doch was passiert eigentlich mit den kleinen Anlegern? Mancher gerät jetzt ins Schwitzen. Ein Betroffener berichtet, wie er um sein Geld bangt.

Nun hat die Regierung in Athen Anlegern jedoch angeboten, die jetzt eigentlich fällige Anleihe gegen neue Papiere umzutauschen. Vorausgesetzt, ein Investor nimmt das Angebot an, erhält er je 1 000-Euro-Anleihe einen neuen, bis zu 30 Jahre laufenden Griechen-Bond über 315 Euro, eine ein- bis zweijährige Anleihe des Euro-Rettungsschirms über 150 Euro sowie ein getrennt handelbares Papier, dessen Wert vom griechischen Wirtschaftswachstum abhängt. Nach offizieller Lesart ist das ein Schuldenschnitt von 53,5 Prozent.

Schuldenschnitt für Kleinanleger: Was wird aus meinen Griechen-Anleihen?

Schuldenschnitt für Kleinanleger

Was wird aus meinen Griechen-Anleihen?

Griechenland hat mit den Großbanken einen Schuldenschnitt vereinbart. Doch was bedeutet das für deutsche Kleinanleger? Müssen sie mitziehen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Schuldenschnitt.

Doch wie rechnet der Fiskus? Das ist noch nicht ganz klar. Für kommende Woche seien dazu Gespräche im Bundesfinanzministerium geplant, hieß es beim Bankenverband. Das Ministerium äußerte sich auf Anfrage nicht.

Relativ einfach wäre es, wenn die alten Anschaffungskosten einfach auf die neuen Anleihen übertragen würden. Abgerechnet würde zu dem Zeitpunkt, zu dem der Anleger die neuen Anleihen verkauft bzw. der Emittent sie bedient. Hat der Anleger also für 1 000 Euro gekauft und bekommt er irgendwann 465 Euro zurück, würde sein Verlust dann 535 Euro betragen; zwischenzeitliche Zinszahlungen wären steuerpflichtig.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

PikAs

01.03.2012, 23:37 Uhr

Es gibt etwas Neues:

http://ddpberlin.wordpress.com/

Gegen den ESM - mitmachen und weiterleiten!!!

Mazi

02.03.2012, 10:03 Uhr

"Doch wie rechnet der Fiskus? Das ist noch nicht ganz klar. "

Die griechischen Schulden ist das eine. Die Tatsache, dass Griechenland auch ohne Schulden selbständig nicht lebensfähig ist, ist das andere.

Folgt man dieser Logik kann nach herrschender Meinung der Finanzbehörden hinter einem Investment in Griechenland-Anleihen keine Gewinnerzielungsabsicht stecken. Verluste aus dem Abschlag auf den Nennwert können daher steuerlich nicht gelten gemacht werden. Sollte man dieses Verständnis verlassen wollen, hat dies auch steuerliche Auswirkungen auf zahlreiche andere Geschäfte (beispielsweise auf die Besteuerung von fiktiven Zinsen, auch wenn diese nicht gezahlt werden).

gman

16.03.2012, 15:35 Uhr

Man darf die Frage stellen, ob dieses Steuerrecht nicht grundsätzlich grundrechtswidrig ist. Banken schreiben die Verluste steuerwirksam ab. Wo bleibt die Gleichbehandlung und die Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit. Der Staat kassiert jahrelang Steuern aus Zinsen von den Kleinanlegern und verabschiedet sich dann wenn es Verluste gibt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×