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22.01.2015

08:40 Uhr

Griechenland

Athen will bei EZB-Anleihekäufen dabei sein

ExklusivWenn die Europäische Zentralbank Staatsanleihen ankauft, will auch Griechenland dabei sein. Finanzminister Hardouvelis erklärt im Interview, Athen sei geradezu der „ideale Empfänger“ für ein solches Programm.

Der griechische Finanzminister Gikas Hardouvelis will, dass auch Griechenland von den Anleihekäufen der EZB profitiert. Reuters

Der griechische Finanzminister Gikas Hardouvelis will, dass auch Griechenland von den Anleihekäufen der EZB profitiert.

DüsseldorfKurz vor der erwarteten Verkündung des neuen Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank macht Griechenland Druck, nicht davon ausgenommen zu werden. „Wir sind das Land mit der höchsten Deflation, mit der höchsten Verschuldungsquote und den höchsten inländischen Zinssätzen“, sagte der griechische Finanzminister Gikas Hardouvelis in einem Interview mit dem Handelsblatt. „Theoretisch sind wir aufgrund der Deflation und des Ziels der Preisstabilität der EZB der ideale Empfänger des Programms.“ Ein Ausschluss zum jetzigen Zeitpunkt sei seiner Ansicht nach „nicht korrekt“.

Im Vorfeld des EZB-Programms, von dem erwartet wird, dass EZB-Chef Mario Draghi es am morgigen Donnerstag in seinen Einzelheiten vorstellt, war über eine Ausnahmeregelung für Griechenland diskutiert worden
Die EZB solle ihre geldpolitischen Ziele nicht mit den politischen Entwicklungen in Griechenland verbinden, sagte Hardouvelis. In Griechenland wird an diesem Sonntag ein neuer Regierungschef gewählt. Derzeit liegt der Linkspolitiker Alexis Tsipras in den Umfragen vorn. Ob es für ihn zu einer Regierungsbildung reicht, ist aber noch unklar

Griechenland – Gefahrenherd für Europa?

Der ESM

Anders als zu Beginn der Krise, als Politiker auf hektischen Gipfeltreffen mit improvisierten Maßnahmen der Probleme Herr zu werden versuchten, verfügt die Eurozone heute über eine Institution, die speziell für die Rettung angeschlagener Mitglieder geschaffen wurde. Der Europäische Stabilitäts-Mechanismus (ESM) kann Staaten im Notfall mit bis zu 500 Milliarden Euro beispringen. Staaten können Hilfen auch beantragen, wenn Kapitallücken im Bankensystem klaffen.

Die Lage der anderen Krisenländer

Neben Griechenland mussten während der Eurozonen-Krise auch Portugal, Irland und Zypern unterstützt werden. Anders als damals gibt es heute aber keine auf der Hand liegenden Kandidaten mehr, auf die eine Krise überspringen könnte. Die Lage der Staatsfinanzen in Portugal und Irland hat sich deutlich verbessert, in Spanien wuchs die Wirtschaft zuletzt wieder kräftig. Nur bei den Schwergewichten Frankreich und Italien sind kaum Fortschritte beim Abbau des Haushaltsdefizits und den Strukturreformen zu verzeichnen.

Die EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Finanzmärkten klar gemacht, dass sie den Euro verteidigen will. Im Juli 2012 erklärte EZB-Präsident Mario Draghi, man werde „alles Erforderliche“ tun, um den Euro zu retten. Seitdem hat die EZB ihre Geldpolitik deutlich gelockert. Die Märkte erwarten, dass die EZB im ersten Quartal 2015 den breit angelegten Kauf von Staatsanleihen verkünden wird. Dank der Käufe dürften Euroländer ihre Haushalte zu besseren Konditionen finanzieren können. Das würde nicht nur Griechenland zugutekommen.

Das europäische Bankensystem

Beim Ausbruch der Eurozonen-Krise im Jahr 2010 fürchteten die Kapitalmärkte die Folgen einer griechischen Staatspleite für den europäischen Bankensektor. 2012 verzichteten private Gläubiger Griechenlands – darunter auch Banken – auf die Rückzahlung von 100 Milliarden Euro Schulden. Im Vergleich dazu sind Europas Banken heute nicht mehr so stark in Griechenland engagiert.

Hardouvelis warnte, wer immer nach den Wahlen neuer Regierungschef werde, werde mit erheblichen Beschränkungen konfrontiert sein und müsse sofort handeln. Unter anderem läuft das 240 Milliarden Euro schwere Rettungsprogramm von EU und Internationalem Währungsfonds für Griechenland nur noch bis Februar. Die neue Regierung, egal ob unter dem jetzigen Regierungschef Samaras oder unter Tsipras, dürfte eine Verlängerung beantragen. In Brüssel wird bereits darüber diskutiert. Hardouvelis sagte, er würde es begrüßen, wenn die Gläubigertroika aus EU, EZB und Internationaler Währungsfonds eine Verlängerung gewähren würden.

Das vollständige Interview mit Gikas Hardouvelis finden Sie hier zum Download.

Kommentare (9)

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Herr Ragin Allraun

22.01.2015, 09:47 Uhr

Die EZB macht Euro-Zone ohne Mitwirkung der Parlamente zu Schulden-Union.

Es ist unfassbar und das größte Verbrechen des neuen Jahrtausends unter dem Beifall und der Tolerierung der Bundesregierung.

Herr Ciller Gurcae

22.01.2015, 10:21 Uhr

Gikas Hardouvelis?

Wer griechische Anleihen kauft, gehört entweder in die Irrenanstalt.
Oder man will uns nach Kräften Schaden zufügen, ein feindlicher Akt also. Dann gehört denen das Handwerk gelegt.

Herr Peter Noack

22.01.2015, 10:41 Uhr

Was meint Herr Hardouvelis?
Kauft die EZB jetzt die verbürgten Anleihen von sich selbst? Wer hält die 240 Milliarden, die bis Ende Februar laufen? Erwarten die Griechen also doch direkte Staatsfinanzierung durch die EZB? Die Reformen in Griechenland konzentrieren sich also ausschließlich darauf, die 240 Mrd. Euro an die EZB abzutreten und in gleicher Höhe neues Geld auch von der EZB zu erhalten, oder? Sonst scheint man nicht, viel zu sehen, oder?

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