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24.01.2012

15:52 Uhr

Griechenland

Banken warnen vor Zwangs-Umschuldung

Der Verhandlungsführer der Banken warnt davor, Athens private Gläubiger zum Schuldenschnitt zu zwingen. Das Poker um den Zinssatz für eine freiwillige Beteiligung der Banken, Hedgefonds und Versicherungen wird härter.

Der Internationale Bankenverband IIF hat vor einer erzwungenen Umschuldung der Verbindlichkeiten Griechenlands gewarnt. dpa

Der Internationale Bankenverband IIF hat vor einer erzwungenen Umschuldung der Verbindlichkeiten Griechenlands gewarnt.

ZürichZur Rettung Griechenlands hat die Eurogruppe die Regierung in Athen und die privaten Gläubiger gemeinsam in den Schraubstock gesteckt: Das Reformprogramm der Hellenen sei „entgleist“ und müsse „erheblich“ nachgebessert werden, bevor neue öffentliche Hilfe überhaupt denkbar sei, machte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker klar. Und um die Schuldentragfähigkeit Athens zu sichern, sollen Banken und Fonds für neue Staatsanleihen Discoutzinsen von „klar unter vier Prozent“ akzeptieren - also weiter unter deren bisheriger Schmerzgrenze.

Der harte Kurs der Eurogruppe erschwert die Verhandlungen Athens mit den Banken erheblich. Schon mehrfach standen sie vor dem Scheitern - was einen Bankrott Athens mit unabsehbaren Folgen für die Eurozone bedeuten könnte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich gelassen. „Wir führen die Verhandlungen so fröhlich und wenig erpressbar wie möglich“, sagte er. Drohungen mit vermeintlich letzten Angeboten „haben sie in jedem Basar, da muss man sich nicht so beeindrucken lassen“. Verhandlungsführer Charles Dallara vom Internationalen Bankenverband (IIF) warnte postwendend, die Stabilität der Eurozone stehe auf dem Spiel. Eine hohe Beteiligung der Banken werde es nur geben, wenn der Schuldenschnitt „freiwillig“ bleibe. Auf Einzelheiten - darunter die Höhe des Zinssatzes, der im Falle eines Schuldenschnitts danach von Griechenland für neue Anleihen verlangt wird - ging Dallara nicht ein.

Die Gläubiger Griechenlands (Stand: Januar 2012)

Kredite

Das Volumen der Kredite beläuft sich insgesamt auf 92 Milliarden und teilt sich folgendermaßen auf:

IWF: 20 Milliarden

Euro-Länder: 53 Milliarden

Sonstige: 19 Milliarden

Staatsanleihen

Gesamt: 260 Milliarden Euro, davon 55 Milliarden Euro bei der EZB

Bei griechischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei anderen europäischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei griechischen Sozialversicherungsfonds

30 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei europäischen Versicherungen

15 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei Fonds

Bei Investment-, Staats-, Pensions- und Hedgefonds sind es 70 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) und wichtige EU-Staaten wollen den Zinssatz Berichten zufolge auf maximal 3,5 Prozent drücken. Nach Angaben eines Mitarbeiters des griechischen Finanzministeriums verlangt der IIF aber vier Prozent. Für Mittwoch wurde eine detaillierte Stellungnahme des IIF zu den Zinsforderungen der Euro-Länder erwartet.

Hinter dem Geschacher steht das Ziel, die griechische Schuldenlast von derzeit 170 Prozent bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent zu drücken. Nur wenn das gelingt, gilt Athen als stabil. Doch davon sei man beim jetzigen Verhandlungsstand „noch ein Stück weit entfernt“, räumte Schäuble ein. Denn hohe Zinskosten würden den Schuldenabbau bremsen. Gelingen kann die Rettung nur, wenn Banken und Fonds für ihre 30-jährigen neuen Papiere Zinsen von unter vier Prozent akzeptieren, und bis zum Jahr 2020 sogar „klar weniger als 3,5 Prozent“, wie Juncker klarstellte. Das würde einen Abschlag des Privatsektors von mehr als 70 Prozent des Gegenwartswertes bedeuten.

Wer hat welche Interessen im Fall Griechenland?

Bis wann müssen die Gespräche abgeschlossen sein?

Eigentlich sollten die Gespräche über die Gläubigerbeteiligung schon im vergangenen Jahr abgeschlossen sein. Mittlerweile gilt Mitte Februar als möglicher Termin. Erst wenn die Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission weiß, ob der Privatsektor Griechenlands Schulden wirklich um 100 Milliarden Euro reduziert, kann und will sie ihr Urteil fällen, ob das Land weitere Hilfskredite bekommen soll. Die Zeit drängt: Mitte März muss der Euro-Staat Anleihen im Wert von rund 15 Milliarden Euro zurückzahlen.

Welche Hürden sind noch zu überwinden?

Ziel ist es, die Verschuldung Griechenlands bis 2020 auf 120 Prozent von derzeit 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken. Das mit insgesamt 350 Milliarden Euro verschuldete Land und der Internationale Bankenverband sollen bis Anfang kommender Woche ein Rahmenabkommen über den Tausch von Anleihen aushandeln, das allen privaten Haltern griechischer Staatsanleihen vorgelegt wird. Diese entscheiden dann, ob sie sich freiwillig beteiligen. Entscheidend für das Ausmaß der Entschuldung wird für Griechenland die Höhe der Beteiligung sein - und für die privaten Investoren die Bedingungen eines Anleihentausches.

Sind Euro-Partner bereit, mehr Geld auf den Tisch zu legen?

Bankenvertreter und der griechische Finanzstaatsekretär warnen bereits, dass die privaten Investoren nicht die erhofften 100 Milliarden Euro zur Schuldenreduzierung zusammen bekommen. Weil Griechenland dann und wegen der noch schlechteren Wirtschaftsentwicklung mehr als die bisher anvisierten 130 Milliarden Euro bis Ende 2014 für die eigene Finanzierung bräuchte, müssten die Euro-Partner nachlegen. Dies stößt aber gerade in den nördlichen Euro-Staaten auf Ablehnung. In Deutschland haben die FDP und etwa der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Michael Fuchs Vorbehalte. Dennoch könnte die Summe der Hilfskredite am Ende etwas über den 130 Milliarden Euro liegen, heißt es in EU-Kreisen.

Sind Investoren bereit, mehr Geld auf den Tisch zu legen?

Die Verhandlungen sind ein Pokerspiel. Während Banken auf die Politik verweisen, gibt es umgekehrt die Forderung, auf die Investoren eine größere Last abzuwälzen. Dazu gibt es drei Wege: So könnten private Investoren nicht mehr auf 50, sondern auf 75 oder mehr Prozent ihrer Forderungen verzichten müssen - da die Regelung freiwillig sein soll, ist eine Zustimmung der Investoren hierfür aber illusorisch. Um die Schuldenlast zu minimieren, könnten auch öffentliche Investoren auf einen Teil ihrer Forderung aus griechischen Anleihen verzichten. Drittens könnte die „Freiwilligkeit“ der Vereinbarung aufgehoben werden. Angedacht ist als Variante etwa eine rückwirkende Aufnahme von Umschuldungsklauseln für die alten griechischen Staatsanleihen. Die Folgen sind aber schlecht absehbar, weil dann Kreditversicherungen fällig werden könnten, wenn diese Regelung als „default“, also Insolvenz eingestuft wird.

Welche Akteure haben ein Interess am Scheitern?

Es gibt Akteure, die an einer Rettung Griechenlands aus finanziellen Gründen kein Interesse haben. Analysten schätzen, dass mittlerweile rund die Hälfte der Hellas-Anleihen in Händen privater Gläubiger liegt, die sich bereits einer früheren Umschuldungs-Vereinbarung des Weltbankenverbands IIF mit Griechenland nicht angeschlossen haben. Etwa Hedgefonds dürften Kreditversicherungen (CDS) auf die Anleihen gekauft haben, die bei einem Bankrott fällig würden. Bestimmte Investoren könnten deshalb bei einer Staatspleite wesentlich besser dastehen als bei einer freiwilligen Zustimmung für einen Forderungsverzicht gegenüber Griechenland.

Warum scheut man eine Staatspleite?

Der dritte Weg neben einer größeren Last für die Staaten oder die Investoren wäre tatsächlich, Griechenland für nicht mehr zahlungsfähig zu erklären und eine ungeordnete Insolvenz auszulösen. Sowohl Griechenland als auch die Euro-Partner scheuen diesen Schritt aber, weil er wohl das Ausscheiden des Landes aus der Euro-Zone und ein massives Misstrauen auch gegen andere Euro-Staaten auslösen könnte.

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

24.01.2012, 16:14 Uhr

Es werden all jene bestraft, welche absolut nichts dafuer koennen. Die fur dieses Chaos verantwortlichen Politiker finden dies grossartig und werden nie belangt. Was soll man da noch sagen.

Thomas-Melber-Stuttgart

24.01.2012, 16:21 Uhr

Den Banken geht doch die Düse weil sie Angst um die Werthaltigkeit der CDS bzw. selbst welche ausgegeben haben - es ist wie im Märchen "Des Kaisers neue Kleider".

Delinix1

24.01.2012, 16:36 Uhr

@alle. Heute Morgen entnahm ich dem griech. TV, dass „glücklicherweise die Aufhebung eines wichtigen Bestandteils unseres Rentensystems wieder rückgängig gemacht werden konnte“. Gemeint waren die Reisen, die griech. Rentner in regelmäßigen Abständen machen dürfen – umsonst oder für einen lächerlichen Betrag. In jedem Frühjahr und vor allem im Herbst sind massenhaft Reisebusse unterwegs, um die Rentner überallhin zu karren - in Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. Soweit zu den angeblichen Einsparungen.
Gespart wurde schon. Aber nur bei den ganz, ganz Kleinen, die sich noch nie wehren konnten. Die stehen inzwischen an den Suppenküchen Schlange. Und alle staatlichen Preise (nahezu ALLES ist hier staatlich) sind gestiegen. Aber für ein besseres Investitionsklima hat man gar nichts getan, die Berufe sind noch immer geschlossen. Man kann nach wie vor nicht seinem in Frankreich, Deutschland oder anderswo erlernten Beruf nachgehen. Und weil niemand einschätzen kann, wie es weiter geht, halten alle ihr Geld zusammen und die Firmen und Geschäfte gehen reihenweise pleite.
Wenn aber nur die bequemere Hälfte der Troika-Forderungen umgesetzt wird, muss man sich über die Misserfolge nicht wundern. Gedacht war ja ein Gesamtpaket aus Einsparungen UND höheren Steuereinnahmen UND Investitionsanstößen. NUR mit Einsparungen macht man natürlich die Wirtschaft kaputt. Jetzt gibt man der Troika die Schuld. Ende Teil 1.

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