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25.02.2015

12:32 Uhr

Griechenland-Berater Pigasse

Der Star-Banker an Athens Seite

Hartnäckig, eloquent, links wie Griechenlands Premier Alexis Tsipras – und Top-Banker: Der Franzose Matthieu Pigasse berät Athen im Schuldenstreit. Damit macht sich der Frankreich-Chef der Lazard-Bank nicht nur Freunde.

Der Chef der französischen Lazard-Bank Matthieu Pigasse berät die griechische Regierung – und nicht nur die. Reuters

Matthieu Pigasse in Paris

Der Chef der französischen Lazard-Bank Matthieu Pigasse berät die griechische Regierung – und nicht nur die.

ParisMit Matthieu Pigasse hat die griechische Regierung einen ebenso schillernden wie engagierten Fürsprecher auf ihrer Seite. „Ein kleines bisschen Zeit“ brauche Athen für Reformen, „Luft“ zum Atmen, mahnte der französische Geschäftsbanker kürzlich; für einen kräftigen Schuldenschnitt warb er schon vor Wochen.

So viel Unterstützung kommt nicht von ungefähr: Der 46-Jährige und seine französisch-amerikanische Traditionsbank Lazard beraten die neue linksgeführte Regierung in Athen im Schuldenstreit mit der EU. Doch Pigasse ist auch überzeugter Linker – und nicht nur deswegen eine außergewöhnliche Figur in der internationalen Bankenwelt.

„Es gibt einen politischen Willen der griechischen Regierung, die Reformen umzusetzen, die Entschlossenheit ist sehr groß“, sagte Pigasse am Wochenende im Sender Europe 1. „Um diese Reformen umsetzen zu können, muss man ihr aber ein kleines bisschen Zeit lassen, den Schraubstock der Sparpolitik lockern, ihr die nötige Luft lassen.“

Die nächsten Stationen im griechischen Schuldendrama

27. Februar

Genau drei Jahre, nachdem der Bundestag dafür gestimmt hatte, ein zweites Hilfsprogramm für Griechenland aufzulegen, haben die Abgeordneten dieses um vier Monate verlängert. Damit soll Athen mehr Zeit bekommen, die Auflagen umzusetzen, damit noch nicht ausgezahltes Geld aus den Hilfstöpfen fließen kann. Das geschieht aber nicht sofort.

28. Februar

Um Mitternacht wäre das geltende Hilfsprogramm ausgelaufen.

Ende April

Bis dahin sollen Athen und die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die bislang nur grob vereinbarten Reformvorhaben weiter ausarbeiten und mit konkreten Zahlen unterlegen. Sind alle einverstanden, kann Geld ausgezahlt werden. Dafür ist auch die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestags nötig.

Wie viele Euro Griechenland noch zustehen, ist nicht ganz klar. Da ist zum einen die noch ausstehende Tranche aus dem Hilfsprogramm von 1,8 Milliarden Euro. Außerdem liegen rund 1,9 Milliarden Euro aus Gewinnen der EZB mit griechischen Staatsanleihen bereit. Einschließlich weiterer Mittel des IWF hofft Athen auf eine Summe von 7,2 Milliarden Euro.

30. Juni

An diesem Tag läuft das nun verlängerte zweite Hilfsprogramm aus. Viele Fachleute und Finanzpolitiker gehen davon aus, dass anschließend ein drittes Hilfspaket für Griechenland nötig sein wird. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat dies nie ausgeschlossen. Ob und in welcher Höhe ein solches Programm kommt, dürfte für neue harte Debatten sorgen.

20. Juli

Griechenland muss Schulden in Höhe von 3,5 Milliarden Euro an die EZB zurückzahlen. Analysten zufolge dürfte Athen bis zu diesem Termin finanziell über die Runden kommen. Danach wäre das Land aber vermutlich auf weitere Hilfe angewiesen, um den Staatsbankrott zu verhindern.

20. August

Weitere 3,2 Milliarden Euro an die EZB werden fällig.

Dass der eloquente Pigasse so hartnäckig – und medienwirksam – für die griechische Sache wirbt, nervt inzwischen auch die sozialistische Regierung in Paris. Im Streit um einen möglichen Schuldenschnitt für Griechenland ließ sich Finanzminister Michel Sapin jüngst zu einem Seitenhieb gegen den Geschäftsbanker hinreißen: „Ich bin auch dazu da, die griechische Regierung zu beraten, aber wenn ich berate, dann ist das kostenlos."

Pigasse reagierte kühl: „Ich lasse mich nicht auf solche Polemiken ein, die ich lächerlich finde.“ Dabei steht Pigasse den Sozialisten nahe. Den Erfolg der linken Syriza in Griechenland nannte er, eine Wahl „der Würde und des Stolzes“.

Bevor er Geschäftsbanker wurde, machte der Absolvent der Elite-Kaderschmiede ENA im französischen Wirtschafts- und Finanzministerium Karriere, arbeitete dort unter anderem für die Sozialisten Dominique Strauss-Kahn, den über Sexaffären gestürzten Hoffnungsträger des linken Lagers, sowie für Laurent Fabius, den heutigen französischen Außenminister.

2002 ging Pigasse zur einflussreichen Beraterbank Lazard, die im Jahr 1876 von den lothringischen Brüdern Lazard in den USA gegründet wurde und mit Hauptbüros in Paris, New York und London hat. Die Bank hat sich einen Namen für Beratungen zu Experten für Schuldenschnitten und Fusionen gemacht.

Pigasse wurde Frankreich-Chef und Vize-Präsident in Europa. Sein Wort hat Gewicht bei Politikern wie Unternehmenschefs, und das nicht nur in Frankreich: Er beriet Boliviens sozialistischen Staatschef Evo Morales bei der Privatisierung von Erdgasanlagen und Argentinien bei einer Neuverhandlung der Schuldenlast. Auch Staaten wie die Elfenbeinküste, Gabon, Äthiopien und den Irak berät er.

Pigasse gilt als Arbeitstier und tippt – ganz Multiktasker – während Interviews auf seinen zahlreichen Smartphones herum. Minister – nein, das werde er „niemals, sagte er jüngst dem französischen Sender BFM Business.

Kommentare (1)

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25.02.2015, 15:25 Uhr

Das ist das französische Politik-Banken-Unternehmens-Netzwerk, sie kennen sich alle von der ENA. Die deutschen Politiker begreifen schlicht und einfach nicht, wie dieses Netzwerk nicht nur in Frankreich selbst alles und jeden steuert, sondern in ganz Südeuropa. Die alte Weise in der EU gilt nach wie vor bzw. stärker denn je: FRANCE plays, GERMANY pays!

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