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19.06.2014

15:34 Uhr

Griechenland

Chinas Tor nach Europa

VonGerd Höhler

Die Euro-Krise hat Griechenland schwer getroffen. Jetzt kommt Hilfe aus dem Fernen Osten: Die Chinesen wollen massiv an der Ägäis investieren. Im Fokus stehen Logistik und Verkehrsinfrastruktur.

Willkommene Gäste: China Premier Li Keqiang und seine Frau Cheng Hong bei der Ankunft in Athen. Reuters

Willkommene Gäste: China Premier Li Keqiang und seine Frau Cheng Hong bei der Ankunft in Athen.

AthenWichtige Staatsbesucher erwartet der griechische Premier Antonis Samaras nicht auf den Stufen der Villa Maximos, seines Amtssitzes in der Athener Herodes-Attikus-Straße. Für sie lässt er die Ehrenkompanie am Flughafen Eleftherios Venizelos antreten. Dort begrüßt Samaras den Besucher schon am Fuß der Gangway. Angela Merkel ist so ein wichtiger Gast, denn von der mächtigsten Frau Europas hängt viel ab für das krisengeplagte Griechenland. Aber am Donnerstagnachmittag empfing Samaras am Flughafen einen Besucher, der noch bedeutender sein könnte: den chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang. China will Milliarden in Griechenland investieren, vor allem in Logistik und Infrastruktur. Vielleicht betreiben die Chinesen auch bald den Athener Flughafen, auf dem der Regierungsjumbo aus Peking am Donnerstag landete.

Nicht nur die Griechen hegen große Hoffnungen. Auch der chinesische Premier nimmt seinen Besuch wichtig. In einem am Mittwoch veröffentlichten Gastbeitrag für die Athener Zeitung „Kathimerini“ beschwor Li Keqiang die „stolze Geschichte und glanzvolle Kultur unserer beiden alten Zivilisationen“ und den „bedeutenden Beitrag beider Länder zur Entwicklung der Menschheit“. Die Volkswirtschaften Chinas und Griechenlands ergänzten sich, es gebe „ein riesiges Potenzial der Zusammenarbeit“, so der Regierungschef.

Was das konkret bedeutet, kann man bereits in Piräus besichtigen, Griechenlands größtem Hafen bei Athen. Ein Wald von blauen und roten Containerkränen ragt hier in den Himmel. Der staatliche chinesische Logistikkonzern Cosco betreibt in Piräus eines der größten Containerterminals im Mittelmeer. 2008 sicherten sich die Chinesen eine 35-jährige Konzession zum Betrieb der Containerpiers II und III. Cosco will 3,5 Milliarden Euro in den Hafen investieren. Das Wachstum ist rasant: Seit 2012 hat sich der Containerumschlag in Piräus mehr als verdoppelt.

Eine Investition zieht die nächste nach sich: Der US-Computerkonzern Hewlett Packard machte Piräus zum Umschlagplatz für seine aus Asien angelieferten Komponenten. Sie werden von hier nach ganz Europa verteilt. Der chinesische Telekom-Hersteller ZTE zog inzwischen mit einem Logistikzentrum nach. Auch der Technologiekonzern Huawei will künftig den Warenverkehr aus China nach Europa über die Drehscheibe Piräus führen und dort gemeinsam mit griechischen Universitäten ein Forschungs- und Entwicklungszentrum aufbauen.

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