Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.11.2011

09:53 Uhr

Griechenland

Der nächste Papa ante Portas

Der Finanzexperte Lucas Papademos soll Chef der griechischen Übergangsregierung werden. Als früherer EZB-Vizechef kann er sofort die Umsetzung der EU-Beschlüsse zur Rettung des Landes beginnen. Einfach wird das nicht.

Papademos folgt auf Papandreou

Video: Papademos folgt auf Papandreou

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

AthenDer frühere EZB-Vizepräsident Lucas Papademos ist Medienberichten zufolge Favorit für die Nachfolge des scheidenden griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou. Papademos werde schon am Dienstag das Amt übernehmen, berichtete die Tageszeitung „Ta Nea“. Auch der Tageszeitung „Ethnos“ zufolge deuten „alle Quellen“ auf Papademos hin.
Der Ökonom war von 1994 und 2002 Chef der griechischen Zentralbank. Während seiner Amtszeit gelang es, die vergleichsweise hohe Inflation in Griechenland in den Griff zu bekommen. Er wurde 2002 Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), aus dem er Ende 2010 turnusgemäß ausschied. Zuletzt zählte er jedoch auch zu den Berater von Papandreou.

Lucas Papademos: Wer ist der Hoffnungsträger Griechenlands?

Lucas Papademos

Wer ist der Hoffnungsträger Griechenlands?

Er hat sein Land schon mal in bessere Zeiten geführt. Jetzt gilt der frühere EZB-Vize als möglicher Chef einer Übergangsregierung – und als Retter für das am Abgrund stehende Athen.

Ministerpräsident Papandreou hatte am Sonntagabend angekündigt, Platz für eine Übergangsregierung zu machen, die eine Zahlungsunfähigkeit des hoch verschuldeten Euro-Lands abwenden soll. Das neue Kabinett soll spätestens am Montagabend stehen. Dann wird auch die abgehende Regierung des Sozialisten Papandreou zurücktreten.

Die neue Regierung wird das Land voraussichtlich bis Februar führen. Danach sollen Neuwahlen stattfinden. „Wahrscheinlichstes Datum ist der 19. Februar“, sagte Finanzminister Evangelos Venizelos am frühen Montagmorgen. Der noch amtierende Finanzminister wird Griechenland bei der (heutigen) Tagung der Eurogruppe in Brüssel vertreten.

Dramatisches Wochenende in Athen

Freitag, 17.00

Im griechischen Parlament beginnt die Debatte zur Vertrauensfrage, die der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou gestellt hat. Vor dem Parlament versammeln sich mehrere tausend Mitglieder der Kommunistischen Partei und fordern Neuwahlen.

Freitag, 22.00

Papandreou spricht in einer emotionalen Rede von „historischen Momenten“, die das Land erlebe. Seine Partei trage „das Kreuz des Leidens, obwohl wir nicht für die Probleme verantwortlich sind“. Der Regierungschef nennt die Beschlüsse des EU-Gipfels die „letzte Chance“ für die Entwicklung des Landes.

Samstag, 00.01

Die Mehrheit des Parlaments spricht Papandreou das Vertrauen aus. Von 298 anwesenden Abgeordneten stimmen 153 für den Sozialistenchef und damit sogar mehr, als seine Fraktion Mitglieder zählt

Samstag, 09.00

Die Lage in Griechenland bleibt verfahren. Zwar darf Papandreou weiterregieren. Aber mit seinem Vorhaben, eine neue Einheitsregierung zu bilden, um Anti-Krisenmaßnahmen zur Abwendung einer Staatspleite mit breiter Mehrheit durchzusetzen, beißt er bei den Konservativen auf Granit. Diese müssten dafür aber mit ins Boot. Oppositionsführer Antonis Samaras bleibt dabei: Papandreou muss abtreten und dann soll es Neuwahlen geben. Griechenland steht da, wo es am Tag zuvor stand: vor dem Abgrund, urteilt die griechische Presse übereinstimmend.

Samstag, 11.00

Papandreou spricht bei Staatspräsident Karolos Papoulias vor. Die Hoffnung: Vielleicht kann er Oppositionschef Samaras überzeugen. Neuwahlen sind aus Sicht Papandreous gefährlich, weil sie die nötigen Reformbeschlüsse verzögern könnten. Dadurch würden die dringend benötigten neuen Hilfsmilliarden nicht nach Athen überwiesen.

Samstag, 12.00

Der griechische Ministerpräsident will sofortige Gespräche mit allen Parteien des Landes aufnehmen, um eine Koalitionsregierung zu bilden. Das kündigt er nach dem Gespräch mit dem Staatspräsidenten an. Der Chef der Nea Dimokratia (ND), Samaras, winkt umgehend ab: „Herr Papandreou will keine Kooperation. Er soll zurücktreten. Er ist gefährlich für das Land.“

Samstag, 14.00

Führenden Vertretern von konservativen Schwesterparteien der ND in Europa platzt wegen des Verhaltens ihres Parteifreundes Samaras der Kragen. In der Zentrale der Nea Dimokratia klingeln die Telefone, heißt es in Kreisen der Konservativen. Auch aus Berlin kommt Kritik.

Samstag, 16.30

Staatspräsident Papoulias bestellt Samaras für ein Gespräch am Sonntag zu sich.

Sonntag, 09.00

Die griechischen Zeitungen warnen: „Sie pokern auf der Titanic“, schreibt die Athener „Kathimerini“. „Zwischen Euro und Drachme“, titelt die Sonntagszeitung „To Vima“. Die Griechen haben Angst, den Euro zu verlieren: 67 Prozent sagen in einer Umfrage, dass das Leben mit der Drachme schlechter sein werde.

Sonntag, 11.00

Samaras trifft zum Gespräch bei Papoulias ein. Dort bleibt er bei seiner Forderung nach einem Rücktritt von Regierungschef Papandreou. Verspricht aber: „Wir müssen eine Nachricht der Stabilität und des Vertrauens ins Ausland und nach innen schicken.“ Ein Regierungssprecher macht derweil Hoffnung auf eine schnelle Beendigung der Krise und spricht von einer möglichen Lösung „noch heute“.

Sonntag, 13.00

Gerüchte über einen bevorstehenden Rücktritt Papandreous machen die Runde. Es soll eine grundsätzliche Einigung zwischen den zerstrittenen Sozialisten und den Konservativen geben. Sogar die Namen möglicher neuer Ministerpräsidenten machen die Runde. Am Nachmittag soll das griechische Kabinett zusammenkommen.

Sonntag, 14.00

Regierungssprecher Ilias Mosialos wird mit den Worten zitiert, es sei der Wunsch, „dass wir morgen einen neuen Ministerpräsidenten und eine Einigung für die Übergangsregierung haben“.

Sonntag, 15.00

Das griechische Fernsehen berichtet, es gehe nur noch um die Reihenfolge: Tritt Papandreou zuerst zurück und wird danach über eine gemeinsame Regierung verhandelt? Oder wird erst verhandelt und tritt er dann zurück? Regierungsvertreter sagen, eine Vereinbarung sei „fast unter Dach und Fach“.

Sonntag, 16.00

Das Kabinett trifft sich voraussichtlich zum letzten Mal unter Leitung von Ministerpräsident Papandreou. Der zeigt sich noch mal kämpferisch: Ich trete erst zurück, wenn die Konservativen einer gemeinsamen Regierung zustimmen.

Sonntag, 18.00

Warten auf ein Dreiertreffen zwischen Staatspräsident Papoulias, Papandreou und Samaras, das den Durchbruch bringen soll.

Die griechische Presse reagierte erleichtert: „Endlich! Der erste Schritt für die Rettung des Landes wurde gemacht“, lautete der Tenor in der Athener Zeitung „Ta Nea“. „Sie sitzen im gleichen Boot für noch härtere Maßnahmen“ prophezeite die linksliberale „Eleftherotypia“.

„Historisches Abkommen der nationalen Einheit“, titelte das Boulevardblatt „Ethnos“. Viele Kommentatoren hoffen, dass diese Regierung nicht auf die Wahlen im kommenden Februar schaut, sondern sich wirklich um die Probleme des Landes kümmert.

Die Übergangsregierung soll mit breiter Mehrheit im Parlament Anti-Krisenmaßnahmen zur Abwendung eines Staatsbankrotts durchsetzen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass das Land von den internationalen Geldgebern mit frischem Kapital versorgt wird. Sonst könnte Athen schon im Dezember die Zahlungsunfähigkeit drohen. 

Papandreou macht Platz

Video: Papandreou macht Platz

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

demokratiefreund

07.11.2011, 10:13 Uhr

Griechenland soll doch gar nicht gerettet werden. Griechenland ist nur Mittel zum Zweck um europa- und weltweit die Schuldenbremse, Lohnverzicht, Volksverdummung und Entdemokratisierung durchzusetzen. Frei nach dem Motto: Tut schön was wir sagen und spart schön, damit unsere Politikerpensionen weiter sicher sind, denn sonst gehts Euch wie den Griechen. Und die Amis haben am Beispiel Irak gezeigt, dass man ein Land, dwelches man in die Knie zwingen will, erst mal anhand vorhandener Schwächen (Saddam) durch gezielt gestreute Gerüchte diffamieren muss (Massenvernichtungswaffen), um ihm dann den Todesstoss zu versetzen. Die Griechen können machen was sie wollen, die kommen nach der Rufmordkampagne nur noch schwer auf die Beine, selbst wenn jetzt alles vorbildlich laufen würde.Ich habe Anhänger von Verschwörungstheorien lange für bekloppt gehalten, aber mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass Amis und Briten hier im Hintergrund die Fäden ziehen.

demokratiefreund

07.11.2011, 10:23 Uhr

Briten und Amis sind durch Sklaverei und Kolonien groß geworden, dh durch Ausbeutung anderer Völker. Nachdem die Sklaverei abgeschafft ist, dass Empire zusammengebrochen ist und die Macht Amerikas nach dem Kalten Krieg schwindet, muss man die Welt eben mittels der angelsächsischen Finanzmafia unterjochen.

Account gelöscht!

07.11.2011, 10:27 Uhr

Und was soll der politische Wechsel bringen? Das Land hat die gleichen Probleme wie vorher. Augenwischerei, sonst nichts!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×