Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2012

16:58 Uhr

Griechenland

Der Schritt zum Schnitt

Wird es ein „historischer Deal“ oder doch ein Reinfall? Die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt ziehen sich in die Länge. Unklar ist vor allem, ob die Gläubiger mitmachen.

Akropolis untereuropäischer Flagge: Bleibt Griechenland in der EU? dapd

Akropolis untereuropäischer Flagge: Bleibt Griechenland in der EU?

Athen, Berlin, FrankfurtDie Verhandlungen über einen griechischen Schuldenschnitt bleiben trotz des enormen Zeitdrucks eine Hängepartie. Nach erneuten Gesprächen
zwischen Regierung und internationalem Bankenverband IIF wächst in Athen zwar der Optimismus. „Elemente eines noch nie dagewesenen freiwilligen Schuldenschnitts werden in die Tat umgesetzt“, erklärte ein Sprecher des Internationalen Bankverbandes IIF am frühen Samstagmorgen in Athen. Es müsse jetzt entschlossen gehandelt werden um diesen „historischen Deal“ zu einem Ende zu bringen und Griechenland, den Euroraum und die Weltwirtschaft zu stabilisieren.

Allerdings wurden die Gespräche am Samstag in Athen vorerst beendet. Der Chef des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, reiste zu Konsultationen mit Bankenvertretern nach Paris ab, wie ein Sprecher des Finanzministeriums der Nachrichtenagantur dpa sagte. „Heute wird es keine weiteren Verhandlungen (mit Dallara) geben.“ Die Gespräche könnten aber telefonisch fortgesetzt werden, hieß es. Griechische Medien gingen am Samstag davon aus, dass die angestrebte Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) spätestens am Montag fertig sein könnte. Verhandlungspartner Dallaras waren in Athen Ministerpräsident Lucas Papademos und der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos.

Über den genauen Stand und verbleibende Streitpunkte gab es keine offiziellen Informationen. Dem Vernehmen nach hatte die griechische Seite am Freitag eine
Vereinbarung mit dem Bankenverband erreicht. Offen ist jedoch weiter, ob große Gläubiger - vor allem die Hedge-Fonds - bei dem geplanten Schuldenerlass für Athen so mitziehen wie erhofft. Strittig seien noch die Zinsen der neuen Staatsanleihen, die die alten ersetzen sollen.

Der Finanzminister plant nach eigenen Angaben, das Memorandum mit dem IIF seinen Kollegen der Eurogruppe am Montag zu präsentieren. Den teilweisen Schuldenerlass für Athen sollen die privaten Gläubiger freiwillig schultern. Ihr Engagement ist ein entscheidender Baustein für das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland.

Die Gläubiger Griechenlands (Stand: Januar 2012)

Kredite

Das Volumen der Kredite beläuft sich insgesamt auf 92 Milliarden und teilt sich folgendermaßen auf:

IWF: 20 Milliarden

Euro-Länder: 53 Milliarden

Sonstige: 19 Milliarden

Staatsanleihen

Gesamt: 260 Milliarden Euro, davon 55 Milliarden Euro bei der EZB

Bei griechischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei anderen europäischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei griechischen Sozialversicherungsfonds

30 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei europäischen Versicherungen

15 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei Fonds

Bei Investment-, Staats-, Pensions- und Hedgefonds sind es 70 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Die privaten Gläubiger, darunter Banken und Hedge-Fonds, sollen bestehende Anleihen in neue tauschen, dabei auf Teile ihrer Forderungen verzichten und auch niedrigere Zinsen in Kauf nehmen. Am Samstagmorgen deuteten Informationen aus Bankkreisen darauf hin, dass die Geldgeber aus Europa (Euroland) noch niedrigere Zinsen von den Banken fordern. Die Rede war unter drei Prozent. Anderenfalls könnte Griechenland nie auf eigenen Beinen stehen können. Die Banken wollten dies nicht akzeptieren. Solche Zinsen würden keinen locken, beim Schuldenschnitt mitzumachen, hieß es aus Bankkreisen.

Kommentare (77)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

eurodebakel

21.01.2012, 07:41 Uhr

Wenn ich das richtig verstehe bekommen die Griechen 100 Milliarden erlassen und kurze Zeit später wieder einen Kredit über 130 Milliarden. Da muss ich auch mal mit meiner Bank sprechen.

Account gelöscht!

21.01.2012, 09:03 Uhr

Hat sich eigentlich schon jemand erkundigt, ob Charles Dallara - der Chefverhandler seitens des IIF - ein Mandat aller betroffenen privaten Gläubiger hat, um die Verhandlungen in ihrem Namen zu führen? Vorstände der Deutsche Bank hatten beispielsweise vor einiger Zeit betont, dass ihr Vorstandssprecher - Josef Ackermann - kein Mandat hätte, seitens IIF für die Banken zu verhandeln. Charles Dallara scheint ein netter Herr diplomatischen Zuschnitts zu sein, ob der jedoch den Haifischen der Finanzwelt gewachsen ist, wird sich am Ende zeigen.

http://klauskastner.blogspot.com/2011/11/is-iif-steering-committee.html

Account gelöscht!

21.01.2012, 09:45 Uhr

Keinen Cent kriegen die von mir. Eher lass ich meine Forderung titulieren, und pfände zur Not alles was nicht Niet- und Nagelfest ist, denen unter den Ärschen weg !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×