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10.08.2015

13:43 Uhr

Griechenland

Deutschland ist der große Krisen-Gewinner

Fehlen Deutschland Milliarden in der Steuerkasse, wenn Griechenland seine Schulden nicht tilgt? Nein, sagt eine Studie. Im Gegenteil: Denn die Krise entlaste den Bundeshaushalt enorm. Der Steuerzahler profitiert.

Auf dem Syntagma-Platz: Die deutschen Steuerzahler sind Gewinner der Schuldenkrise. dpa

Fahnen vor dem Parlament in Athen

Auf dem Syntagma-Platz: Die deutschen Steuerzahler sind Gewinner der Schuldenkrise.

HalleDie deutschen Steuerzahler sind einer neuen Studie zufolge selbst bei einem kompletten Ausfall der griechischen Schulden Gewinner der Schuldenkrise. Von 2010 bis heute habe der deutsche Fiskus wegen der durch die Krise gesunkenen Zinslasten mehr als 100 Milliarden Euro gespart, heißt es in der am Montag veröffentlichten Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle.

Dies seien mehr als die rund 90 Milliarden Euro, die Griechenland Deutschland direkt und indirekt zum Beispiel über den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) schulde. „Diese Einsparungen übertreffen die Kosten der Krise - selbst dann, wenn Griechenland seine Schulden komplett nicht bedienen würde“, heißt es in einer Mitteilung des Leibniz-Instituts. „Deutschland hat also in jedem Fall von der Griechenlandkrise profitiert.“

Die Erklärung der Forscher: Mit der Krise hätten Anleger aus aller Welt besonders sichere Anlagen gesucht. Dabei standen die deutschen Staatsschulden ganz vorne auf der Liste der sicheren Häfen. Außerdem pumpte die Europäische Zentralbank (EZB) Milliarden in den Markt. Die hohe Nachfrage drückte dann die Rendite der Anleihen. Die Folge: Deutschland konnte auslaufende Staatsanleihen mit Anleihen ersetzen, für die viel niedrigere Zinsen als üblich fällig werden.

Die griechischen Privatisierungspläne

Bahnen

Allen voran stehen die griechischen Eisenbahnen (TRAINOSE) zur Privatisierung an. Die Bahngewerkschaft hat einen harten Kampf gegen diesen Verkauf angekündigt. Bereits am Montag legten die Eisenbahner für mehrere Stunden die Arbeit nieder, obwohl es noch keinen konkreten Vorschlag für den Verkauf der TRAINOSE gibt.

Energie

Als „Alptraum“ für jede griechische Regierung gilt der geplante Verkauf von Teilen der Elektrizitätsgesellschaft (DEI) und ihres Stromnetzes. Die Gewerkschaften sind dort so stark, dass sie im Land mit umfangreichen und langen Streiks das Licht ausgehen lassen könnten. Die Zukunft des Gasnetzes DESFA ist noch unklar.

Flughäfen

Etliche Privatisierungen hängen noch in der Schwebe. Darunter ist der Verkauf des alten, seit 2002 geschlossenen Flughafens von Athen, Hellenikon, sowie die Verpachtung von 13 Regionalflughäfen. Der deutsche Flughafenbetreiber Fraport hatte im November 2014 zusammen mit einem griechischen Partner die Betreiberkonzessionen für die Regional-Airports erhalten – darunter die Flughäfen in Thessaloniki sowie auf den Inseln Kreta, Korfu und Rhodos. Der endgültige Vertrag sollte ursprünglich im Laufe dieses Jahres unterzeichnet werden. Jetzt wird der Fall wieder geprüft.

Häfen

Gelungen ist bislang die Verpachtung eines Teils des Hafens von Piräus an den chinesischen Transportriesen COSCO. Geplant ist nun die Verpachtung weiterer Teile des Hafens von Piräus und des wichtigen Hafens von Thessaloniki sowie einer Raffinerie.

Glücksspiel

Das griechische Glücksspielunternehmen OPAP ist bereits privatisiert worden.

Immobilien

Rund 1000 Gebäude sollen verkauft oder vermietet werden. Dazu gehören auch neoklassizistische Gebäude aus den 1930er Jahren, die jedoch total verfallen sind.

Inseln

Auch einige kleine unbewohnte Inseln im Staatsbesitz sollen als Feriendomizile verkauft werden.

Wie hoch wären die Zinslasten gewesen, wenn es keine Krise gegeben hätte? Für den Vergleichsmaßstab wählten die Forscher zwei Methoden. Einmal legten sie einfach die vor der Krise üblichen Zinssätze für Deutschland zugrunde. Im zweiten Fall errechneten sie aufgrund der Wirtschaftsentwicklung Zinssätze, wie sie ohne Krise wahrscheinlich gewesen wären. Beide Rechenmethoden kamen aber zum ungefähr selben Ergebnis.

Die sogenannte Flucht von Anlegern bei Krisen in sichere Häfen ist ein an den Märkten oft beobachtetes Phänomen. Die Forscher aus Halle untersuchte im Fall Griechenland, wie sich positive und negative Nachrichten zur Verschuldung Griechenlands in den Renditen deutscher Anleihen niederschlugen. Dabei erkannten sie einen direkten Zusammenhang.

Experte zu Griechenland

„Es geht hier nicht nur um die 80 Milliarden Euro“

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„Schlechte Nachrichten in Griechenland waren gute Nachrichten in Deutschland und umgekehrt“, heißt es in der Studie. Voraussichtlich werde der Zinsvorteil Deutschlands auch in Zukunft noch anhalten. Nicht berücksichtigt wurden in der Studie allerdings Auswirkungen der Krise auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.

So kann zum Beispiel eine hohe globale Unsicherheit auf die Auslandsnachfrage drücken – gleichzeitig kann ein schwacher Euro aber auch die Exporte beflügeln. Auch Folgen wie krisenbedingt sinkende Investitionen, die Stärkung der Wirtschaft durch Zuwanderungen aus Südeuropa oder auch negative Zinseffekte für deutsche Sparer mit Tagesgeldkonten oder Rentenversicherungen wurden in der Studie nicht berechnet.

Von

dpa

Kommentare (55)

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Account gelöscht!

10.08.2015, 14:24 Uhr

Diese Studie ist schon so alt, solange das Thema GRE in den Medien geistert.

Fakt ist, wir Deutschen sind nicht nur der größte Profiteur und Nutznießer der Gemeinschaftswährung (Stichwort: die Handelsbilanzüberschüsse doppelt so viel wie zu DM-Zeiten), sondern auch noch der größte Gewinner der Euro-Schuldenkrise in den letzten Jahren (Stichwort: eigene Refinanzierungskostenersparnisse ca. 120 bis 150 Mrd. € seit Beginn der Euro-Schuldenkrise).

Ergo, unser gesamter auch zukünftiger Wohlstand in Deutschland basiert vor allem auf der Gemeinschaftswährung. Das weiß jeder ökonomisch versierte Deutsche.

Herr walter danielis

10.08.2015, 14:27 Uhr

Der Orient ganz nah. Tausend und eine Nacht.

Ich habe vor fünf Jahren mein Auto zu Schrott gefahren und ausgerechnet wieviel ich bis heute verdient habe. Benzin, Wartung, Steuern usw. ergibt 2000 p. a. x 5 = 10000 Euro.

Hoffentlich geht morgen wieder ein Euroland pleite und mein Auto zu Bruch.

Ich werde dann so reich, dass ich das Leibnitz Insitut kaufen kann.

Herr Rene Weiß

10.08.2015, 14:43 Uhr

Da wird meine Oma aber jetzt beruhigt schlafen können, obwohl sie 30% mehr für Lebensmittel ausgeben muss und 0% Zinsen auf ihre Ersparnisse bekommt. Zum Glück haben sie herausgefunden, dass meine Oma Profiteur der Krise ist, obwohl sie für die Verschuldungsorgie der letzten 3-4 Jahrzehnte des griechischen Staates nichts kann.

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