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07.08.2015

19:33 Uhr

Griechenland

„Die Steuerhinterziehung blüht leider weiter“

Athen und die internationalen Geldgeber ringen um die Rettung des hoch verschuldeten Euro-Staats Griechenland. Es gibt viele Forderungen und hehre Versprechen. Die Steuermoral lässt allerdings noch zu wünschen übrig.

Ein Arbeitsloser konnte den Behörden laut Bericht nicht erklären, wie er im vergangenen Jahr 937 Millionen Euro auf seinem Konto einzahlen konnte. ap

Steuerhinterziehung blüht

Ein Arbeitsloser konnte den Behörden laut Bericht nicht erklären, wie er im vergangenen Jahr 937 Millionen Euro auf seinem Konto einzahlen konnte.

AthenIm Euro-Krisenstaat Griechenland ist Steuerhinterziehung offensichtlich noch immer weit verbreitet. Bei Kontrollen von 5264 Unternehmen und Freiberuflern wurden binnen einer Woche 1089 Steuersünder entdeckt. Das geht aus dem am Freitag veröffentlichten Bericht der griechischen Steuerfahndung hervor. „Die Steuerhinterziehung blüht leider weiter“, sagte ein hoher Beamter des Finanzministeriums der Deutschen Presse-Agentur.

Bei den Kontrollen seien zwischen dem 27. Juli und dem 2. August mehrere aufsehenerregende Fälle aufgedeckt worden. Ein Rentner habe etwa den Verkauf von Ländereien verheimlicht und 1,8 Millionen Euro „versteckt“, hieß es im Bericht der Steuerfahndung. Ein Arbeitsloser habe nicht erklären können, wie er im vergangenen Jahr 937.000 Euro auf seinem Konto einzahlen konnte. Ein Fußballmanager soll 7,7 Millionen Euro nicht registriert haben, der Inhaber eines Taxiunternehmens 5,7 Millionen Euro Einkommen durch den Verkauf von Taxis nicht angemeldet haben, berichtete auch Focus Online.

Einen krassen Fall habe es jüngst auf der Insel Rhodos gegeben: Einwohner der Ortschaft Maritsá hätten drei Steuerfahnder mit Drohungen verjagt, als diese während einer Dorffeier mehrere Verkäufer kontrollieren wollten. Sie konnten nur mit Hilfe der Polizei fliehen, sagte der Beamte.

Die griechischen Privatisierungspläne

Bahnen

Allen voran stehen die griechischen Eisenbahnen (TRAINOSE) zur Privatisierung an. Die Bahngewerkschaft hat einen harten Kampf gegen diesen Verkauf angekündigt. Bereits am Montag legten die Eisenbahner für mehrere Stunden die Arbeit nieder, obwohl es noch keinen konkreten Vorschlag für den Verkauf der TRAINOSE gibt.

Energie

Als „Alptraum“ für jede griechische Regierung gilt der geplante Verkauf von Teilen der Elektrizitätsgesellschaft (DEI) und ihres Stromnetzes. Die Gewerkschaften sind dort so stark, dass sie im Land mit umfangreichen und langen Streiks das Licht ausgehen lassen könnten. Die Zukunft des Gasnetzes DESFA ist noch unklar.

Flughäfen

Etliche Privatisierungen hängen noch in der Schwebe. Darunter ist der Verkauf des alten, seit 2002 geschlossenen Flughafens von Athen, Hellenikon, sowie die Verpachtung von 13 Regionalflughäfen. Der deutsche Flughafenbetreiber Fraport hatte im November 2014 zusammen mit einem griechischen Partner die Betreiberkonzessionen für die Regional-Airports erhalten – darunter die Flughäfen in Thessaloniki sowie auf den Inseln Kreta, Korfu und Rhodos. Der endgültige Vertrag sollte ursprünglich im Laufe dieses Jahres unterzeichnet werden. Jetzt wird der Fall wieder geprüft.

Häfen

Gelungen ist bislang die Verpachtung eines Teils des Hafens von Piräus an den chinesischen Transportriesen COSCO. Geplant ist nun die Verpachtung weiterer Teile des Hafens von Piräus und des wichtigen Hafens von Thessaloniki sowie einer Raffinerie.

Glücksspiel

Das griechische Glücksspielunternehmen OPAP ist bereits privatisiert worden.

Immobilien

Rund 1000 Gebäude sollen verkauft oder vermietet werden. Dazu gehören auch neoklassizistische Gebäude aus den 1930er Jahren, die jedoch total verfallen sind.

Inseln

Auch einige kleine unbewohnte Inseln im Staatsbesitz sollen als Feriendomizile verkauft werden.

Viele Inhaber von Geschäften benutzten zudem „Schein- Registrierkassen“, die in Griechenland unter dem Namen „Affen-Registrierkassen“ bei Steuerfahndern bekannt sind. Sie geben zwar Quittungen aus, diese werden aber nicht registriert, wie der Beamte des Finanzministeriums sagte. Von Zeit zu Zeit werde während des Tages die echte Registrierkasse angeschlossen und es würden minimale Verkäufe angemeldet.

Einen solchen Fall gab es nach übereinstimmenden Medienberichten auch in der berühmten archäologischen Stätte von Knossos auf Kreta. Die Angestellten dort hätten Andenken und Duplikate an die Touristen verkauft und dabei eine „Schein-Registrierkasse“ installiert. Steuerfahnder gehen davon aus, dass die Angestellten Andenken verkauften, die sie selbst woanders erworben hätten, und das Geld in die eigene Tasche steckten. Offiziell gemeldet wurden demnach wohl nur ganz wenige echte Verkäufe, wie mehrere griechische Nachrichtenportale am Freitag berichteten.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

07.08.2015, 19:55 Uhr

Die Deutschen und andere wären genau o steuerunwillig, wenn man sie denn ließe - und die Kontrollen sowie den Mißbrauch der Arbeitgeber unterließe.

Keine Lohnsteuer, keine Umsatzsteuer, kaum Gewerbe- oder sonstige Tatü-Steuer würde bezahlt, gäbe es nicht diesen fast schon faschistischen Apparat für Verfolgung, Diebstahl und Knüppelei.

Da haben die Griechen - wie auch viele andere in und außerhalb des Euro - es viel besser und menschenwürdiger. Schließlich vermochten sie auf diese Weise große Vermögen anzuhäufen, von denen kein Staatsmensch etwas weiß. Und das soll so bleiben.

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