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28.06.2015

12:46 Uhr

Griechenland

Ein Krisengespräch jagt das nächste

VonJan Hildebrand

Politiker, Währungshüter und Bankenaufseher beraten in zahlreichen Krisengespräche die neue Lage rund um Griechenland. Mit dabei: G7, Bankenaufsicht SSM, EZB und Euro-Arbeitsgruppen.

Vertreter der G7, den sieben großen Industriestaaten, beraten an diesem Sonntag auch über die Auswirkungen der Griechenland-Krise. Zuletzt hatten sich die Regierungschefs der G7 in Deutschland getroffen. Reuters

G7-Treffen in Elmau

Vertreter der G7, den sieben großen Industriestaaten, beraten an diesem Sonntag auch über die Auswirkungen der Griechenland-Krise. Zuletzt hatten sich die Regierungschefs der G7 in Deutschland getroffen.

BerlinWegen der drohenden Pleite Griechenlands sind am Sonntag eine Reihe von Krisengesprächen geplant. Die wichtigsten Industriestaaten (G7) wollten im Laufe des Tages in einer Telefonkonferenz beraten, sagte ein Vertreter der Eurozone dem Handelsblatt (Montagausgabe).

Das Gespräch solle auf Deputy-Ebene, also zwischen den Staatssekretären, stattfinden. Es diene vor allem dazu, die nicht-europäischen Regierungen über die Entwicklungen in der Griechenland-Krise zu informieren. 

Das Dilemma Griechenlands in Zahlen und Fakten

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit liegt bei 25,5 Prozent. Bei den unter 25-jährigen Erwerbspersonen ist sogar fast jeder zweite ohne Job. Nach jüngsten Erhebungen liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 48,4 Prozent.

Staatsschulden

Griechenland hat insgesamt Schulden in Höhe von rund 320 Milliarden Euro (Stand September 2014). Das sind fast 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die EU und der Internationale Währungsfonds haben dem Land mit Darlehen in Höhe von rund 240 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen.

Einkommen

Nach übereinstimmenden Angaben von Regierung und Gewerkschaften mussten die Menschen in Griechenland seit 2009 im Durchschnitt Einkommenseinbußen von 30 Prozent hinnehmen. Im öffentlichen Dienst wurden Urlaubs- und Weihnachtsgeld gestrichen. Auch Renten wurden massiv gekürzt.

Öffentlicher Dienst

Nach jüngsten Zahlen arbeiten derzeit 675 000 Menschen im öffentlichen Dienst. Das sind rund 277 000 weniger als noch 2009. Allein im Jahr 2014 wurden 9500 Staatsbedienstete entlassen. Zudem wurden viele Stellen nach altersbedingtem Ausscheiden von Angestellten nicht nachbesetzt. Die Regierung Tsipras steuerte der Entwicklung jedoch gegen – und stellte per Gesetz rund 4000 zuvor entlassene Staatsdiener wieder ein.

Wirtschaftswachstum

Erstmals nach vielen Rezessionsjahren wuchs die Wirtschaft 2014 nach vorläufigen Zahlen um 0,7 Prozent. Für 2015 erwartet die EU-Kommission einen Zuwachs von nur 0,5 Prozent.

Zudem sei für Sonntag auch eine Telefonkonferenz der Europäischen Bankenaufsicht (SSM) geplant, erfuhr das Handelsblatt. Dort sitzen Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) und der nationalen Aufsichtsbehörden. In der Telefonschalte solle über die Lage der griechischen Banken und mögliche Auswirkungen auf das europäische Finanzsystem beraten werden, hieß es.

Auch der EZB-Rat wird sich im Laufe des Sonntags mit der Lage in Griechenland befassen. Am Abend sei zudem noch eine Telefonkonferenz der Euro-Arbeitsgruppe (Euro Working Group) geplant, erfuhr das Handelsblatt. Ihr gehören die Finanzstaatssekretäre der Euro-Staaten an.

Die griechische Presse von Freitag

Boulevardzeitung „Ethnos“

„Griechenland im Brüsseler Schraubstock“, titelt die Boulevardzeitung „Ethnos“. Am Vortag habe es in Brüssel „wilde Erpressungen und Ultimaten“ gegeben. Am Samstag gebe es nun die letzte Chance. Regierungschef Alexis Tsipras glaube noch an eine Lösung.

Das konservative Blatt „Kathimerini“

„Lösung oder endgültiger Bruch“, titelt das konservative Blatt „Kathimerini“. Die Stimmung in Brüssel sei zu Griechenland feindlich gewesen. Sollte am Samstag die Eurogruppe zu keinen Kompromiss kommen, wolle die Eurogruppe einen Plan B besprechen. Darin gehe es um die Folgen eines Zusammenbruchs Griechenlands und die danach nötigen Maßnahmen.

Die linke Zeitung „Efimerída ton Syntaktón“

Die linke Zeitung „Efimerída ton Syntaktón“ meint, die Gläubiger wollten Tsipras erledigen. Sie strebten den Zusammenbruch seiner Regierung an, indem er sich voll und ganz ihren Wünschen unterwerfen müsse. Tsipras habe dem EU-Präsidenten Donald Tusk gesagt: „Unterschätzen sie nicht, was ein Volk machen kann, wenn es sich erniedrigt fühlt.“

Die Zeitung der Regierungspartei „I Avgi“

Die Zeitung der in Athen regierenden Linkspartei, „I Avgi“, titelt: „Tsipras: Ich werde nicht den Tod Griechenlands unterzeichnen - Neue Eurogruppe in letzter Minute am Samstag“. Das Blatt kommt zum Schluss: (Bundesfinanzminister Wolfgang) „Schäuble und Co. erpressen Europa.“

 

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