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06.04.2014

12:14 Uhr

Griechenland

ESM-Chef warnt Athen vor zu hohen Kapitalmarktkosten

Griechenland will zurück an den Finanzmarkt. Dass das Land die Märkte testen wolle, sei natürlich, sagt ESM-Chef Klaus Regling. Doch er warnt Griechenland davor, den Investoren zu hohe Rendite zu zahlen.

Griechenland sollte den Investoren keine zu hohe Rendite zahlen, um seine Schuldenlast nicht weiter zu erhöhen, sagt ESM-Chef Klaus Regling. dpa

Griechenland sollte den Investoren keine zu hohe Rendite zahlen, um seine Schuldenlast nicht weiter zu erhöhen, sagt ESM-Chef Klaus Regling.

AthenDer Chef des Euro-Rettungsfonds ESM hat Griechenland davor gewarnt, bei einer Rückkehr an den Finanzmarkt zuviel für frisches Kapital zu zahlen. Das hoch verschuldete Land musste als erstes unter den Rettungsschirm der Euro-Länder schlüpfen und entging nur so einem Staatsbankrott. ESM-Chef Klaus Regling sagte der Wochenzeitung „To Vima“, es sei natürlich, dass Griechenland nunmehr die Märkte testen wolle. Es sollte den Investoren aber keine zu hohe Rendite zahlen, um seine Schuldenlast nicht weiter zu erhöhen. Die griechische Regierung müsse sich überlegen, welchen Preis sie bereit sei zu zahlen, sagte Regling dem Blatt.

Die Rendite für zehnjährige griechische Anleihen sind seit zwei Jahren zwar deutlich gefallen, liegen aber noch immer bei etwa sechs Prozent. Griechische Schulden seien nach wie vor teuer, sagte Regling. Jede neue Anleihe mit derartig hohen Renditen erhöhe die Schuldenlast des Landes deutlich.

Analysten schätzen die Kapitalmarktkosten für Griechenland für einen Zeitraum von fünf Jahren auf 3,25 bis 6,5 Prozent. Nach Informationen aus Bankenkreisen plant die Regierung in Athen, fünfjährige Anleihen im Volumen von rund zwei Milliarden Euro am Markt unterzubringen.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Nach Einschätzung Reglings könnten Anleger durch den Reformprozess in Griechenland durchaus ermutigt sein. Die Umstrukturierungen im Land hätten dazu geführt, dass die Fähigkeit zur Bedienung der Schulden in den nächsten zehn Jahren gesichert sei.

Die Staatsverschuldung Griechenlands liegt derzeit bei 320 Milliarden Euro oder 175 Prozent der Wirtschaftsleistung. Rund 80 Prozent dieser Schulden liegen bei der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und schlagen mit sehr niedrigen Zinsen zu Buche. 40 Prozent der griechischen Schulden wurden vom ESM aufgefangen. Sie haben eine Laufzeit von 25 Jahren und sind zehn Jahre tilgungsfrei.

Am Dienstag hatten die Finanzminister der Euro-Zone den Weg für die Auszahlung von weiteren insgesamt 8,3 Milliarden Euro für Griechenland freigemacht. Die Hilfsprogramme der internationalen Geldgeber, die mit strikten Reformen verbunden sind, laufen noch bis Ende des Jahres. Sollte es dem Land bis dahin nicht gelingen, wieder Zugang zum Kapitalmarkt zu erhalten, bekämen die Spekulationen über ein drittes Hilfspaket neue Nahrung. Ein neuerliches Paket will die Regierung in Athen aber vermeiden, um sich nicht weitere Sparmaßnahmen aufbürden zu müssen. Die internationalen Geldgeber bewahrten Griechenland mit insgesamt 240 Milliarden Euro vor dem Finanzkollaps.

Von

rtr

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