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21.02.2012

13:55 Uhr

Griechenland

Euro-Retter verschleppen den Konkurs

VonGeorg Watzlawek

Eine Viertelbillion Euro legen die Euro-Zone und Griechenlands private Gläubiger auf den Tisch, um Athens Zahlungsfähigkeit ein weiteres Mal zu sichern. Aber damit retten sie nicht Griechenland, sondern sich selbst.

Demonstranten vor dem Parlament in Athen: Das Sparprogramm trifft auf heftigen Widerstand. dapd

Demonstranten vor dem Parlament in Athen: Das Sparprogramm trifft auf heftigen Widerstand.

Dreizehn Stunden rangen die Finanzminister, um Athens Schulden zu drücken. Am Morgen stand eine Quote von 120,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes auf dem Papier, exakt vorausberechnet für das Jahr 2020. Eine Zahl, deren Präzision zeigt, in welcher Scheinwelt die Politiker der Euro-Zone agieren: Das Rettungspaket rettet Griechenland nicht. Das war auch nicht das Ziel. Gerettet werden soll die Gemeinschaftswährung - und dafür muss Griechenlands Mitgliedschaft in der Euro-Zone noch eine Weile am Leben gehalten werden. Konkursverschleppung nennt man das: Jeder weiß, dass Athen überschuldet ist. Aber den Insolvenzantrag unterschreibt niemand.

Erneut fließen 130 Milliarden Euro in die griechische Staatskasse, die privaten Gläubiger sollen zudem auf mehr als 100 Milliarden Euro an Forderungen verzichten. Und dennoch geht die optimistische Rechnung der Retter wohl nicht auf. Griechenland werde massiv entschuldet, urteilt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, „aber unsere Berechnungen zeigen, dass Griechenland selbst die deutlich gesenkten Schulden ohne die Umsetzung tiefgreifender Reformen langfristig kaum tragen kann.“ Von Sommer an steige die Wahrscheinlichkeit, „dass eine frustrierte Staatengemeinschaft Griechenland den Geldhahn zudreht“.

Die wahren Verluste: Was der Schuldenschnitt die Gläubiger kostet

Die wahren Verluste

Was der Schuldenschnitt die Gläubiger kostet

Banken und Fonds müssen dem „freiwilligen“ Schuldenschnitt für Griechenland zustimmen. Eine Wahl bleibt ihnen nicht. Dafür wird ein neues Gesetz sorgen. Die Verluste liegen weit höher, als es zunächst den Anschein hat.

Auch die Experten vermeiden Schuldzuweisungen an die Adresse der europäischen Finanzminister. Die Aufgabe, Bürokratie und Wirtschaft des Landes auf den Kopf zu stellen, massiv zu privatisieren, zu sparen und gleichzeitig für kräftiges Wachstum zu sorgen, wird allein den Griechen zugewiesen. Tatsächlich hat die Regierung von Lucas Papademos zugestimmt – aber es ist eher ein Diktat der Euro-Partner, die ihm Wachstumsraten und gleichzeitig einen satten Primärüberschuss des Staatshaushalts ins Lastenheft schrieben. Wer die geforderten Maßnahmen tatsächlich umsetzen soll, wurde ausgeklammert. Schon im April sollen Neuwahlen stattfinden, die die Regierung in ihrer derzeitigen Form nicht überleben kann.

Das neue Rettungspaket für Griechenland

Zweites Rettungspaket zugesagt

Schon im vergangenen Juli hatten die Europartner Griechenland ein zweites Rettungspaket zugesagt. Nach vier weiteren EU-Gipfeln und einem letzten, 13-stündigen Verhandlungsmarathon der Finanzminister bis zum Dienstagmorgen stehen die Einzelheiten fest.

Ausstehende Kredite verringert

Die Privatgläubiger erlassen Griechenland 53,5 Prozent der ausstehenden Kredite. Wenn sich ausreichend Banken beteiligen, sinkt die Schuldenlast um 107 Milliarden Euro.

Tausch in Anleihen

Der Rest der Privatschulden wird in neue Anleihen mit Laufzeiten von elf bis 30 Jahren umgetauscht. Dafür erhalten die Banken geringe Zinsen von zwei bis 4,3 Prozent. Insgesamt spart Athen dadurch in den kommenden acht Jahren 150 Milliarden Euro ein.

Schuldenumtausch wird versüßt

Die internationalen Geldgeber „versüßen“ den Banken den Schuldenumtausch, indem sie die neuen Anleihen mit 30 Milliarden Euro absichern.

Neue Notkredite gewährt

Athen erhält neue Notkredite von 100 Milliarden Euro. Ob der Internationalen Währungsfonds (IWF) davon - wie bei den Programmen für Portugal und Irland - jeweils ein Drittel übernimmt, ist noch nicht klar. IWF-Chefin Lagarde will den Beitrag auch davon abhängig machen, ob die Eurozone ihren dauerhaften Rettungsfonds aufstockt.

Gewinne gehen zurück

Die nationalen Notenbanken geben die Gewinne aus ihren Griechenland-Krediten an Athen zurück. Das soll die Schuldenlast Athens um 1,8 Prozentpunkte senken.

Zinsen werden gesenkt

Die Zinsen für die bereits gewährten Notkredite werden auf 1,5 Prozentpunkte oberhalb des Euribor gesenkt.

Schuldenlast wird kleiner

Der Schuldenerlass und die neuen Finanzspritzen sollen es Athen ermöglichen, seine Gesamtverschuldung bis 2020 von mehr als 160 auf 120,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu senken.

Sperrkonto für die Tilgung

Ein Teil der neuen Kredite fließen auf ein Sperrkonto, damit Athen seine anfallenden Schulden künftig auch zurückzahlen kann. Der Schuldendienst hat Vorrang vor anderen Staatsausgaben. Auf dem Konto muss ausreichend Geld für die Schuldentilgung der folgenden drei Monate liegen.

Kontrolle durch Experten

Die Umsetzung des Spar- und Reformauflagen wird von Experten der EU-Kommission permanent in Athen überwacht. Deutschland ist bereit, dazu Fachpersonal zu entsenden.

Das eigentliche Ziel der Euro-Gruppe ist es, Europa gegen den griechischen Virus zu immunisieren. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise arbeiten Europas Banken und Versicherungen mit Hochdruck daran, ihre Verbindungen zu Griechenland zu kappen – und inzwischen sind sie damit ein gutes Stück vorangekommen. Der staatliche Rettungsschirm EFSF steht, der dauerhafte Rettungsmechanismus ESM kommt im Sommer und auch die großen Wackelkandidaten Italien und Spanien haben Vorkehrungen getroffen. Nur Portugal muss immer noch damit rechnen, von Griechenland mitgerissen zu werden, doch das ist für die Eurostrategen verkraftbar.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

21.02.2012, 14:27 Uhr

Das weiß ja mittlerweile fast jeder. Warum tut keiner was? Wenn ich höre, Schäuble könne das Rettungspaket verantworten, kommt mir die Galle hoch. Er verantwortet gar nichts! Was versteht man unter politischer Verantwortung? Rücktritt in eine gesicherte Pension! Wenn ich Milliarden als Kredit aufnehmen könnte durch abnicken, dann würde ich das auch tun...eine solche verantwortungslosigkeit dem deutschen Bürger und dem EU-Bürger ist nicht auszuhalten. Es brodelt, wann kocht es über...wer weiß!

Account gelöscht!

21.02.2012, 14:34 Uhr

Wer Details lesen will:

http://www.zerohedge.com/news/presenting-full-greek-sustainability-analysis-take-it-away-german-media

Oder hier

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/02/38593/

audit

21.02.2012, 14:44 Uhr

Nur ein Depp erkennt nicht, dass die Umwelt nur sein Spiegelbild ist:

1. Verändere dich selbst

„Du musst die Veränderung sein die du in der Welt sehen willst.“

“Als Menschen liegt unsere Größe nicht in dem wie wir die Welt erneuern können, das ist ein Mythos des Atomzeitalters, sondern in dem wir uns selber erneuern.“

10. Wachse und entwickle dich weiter

„Kontinuierliche Entwicklung ist das Gesetz des Lebens und Menschen die immer versuchen ihre Glaubenssätze zu erhalten um dadurch konstant zu wirken manövrieren sich in eine falsche Position.“

(Mohandas Karamchand Gandhi)

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