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16.10.2014

13:29 Uhr

Griechenland

EZB erleichtert Banken Zugang zu frischem Geld

Die EZB kommt den griechischen Banken entgegen: Athen besorgt sich immer wieder frisches Geld am Kapitalmarkt, um Löcher im Haushalt zu stopfen. In Zukunft werden die Sicherheitsmaßnahmen für die Banken gelockert.

Griechische Banken werden von nun an leichter an frisches Geld kommen. dpa

Griechische Banken werden von nun an leichter an frisches Geld kommen.

AthenDie EZB erleichtert griechischen Banken nach Informationen aus griechischen Zentralbankkreisen den Zugang zu frischem Geld. Eine entsprechende Entscheidung sei am Vorabend nach Gesprächen zwischen der EZB, der Athener Regierung und dem Zentralbankchef Griechenlands gefallen, sagte ein Athener Notenbank-Vertreter am Donnerstag zu Reuters. Demnach will die EZB auf Sicherheiten, die griechische Institute bei ihr als Pfand für frisches Geld hinterlegen, einen geringeren Abschlag als bisher erheben. Damit könnten die Banken zusätzliche zwölf Milliarden Euro an Liquidität bei der EZB abschöpfen. „Das ist eine Stützungsmaßnahme, nachdem sich in den vergangenen beiden Tagen Druck aufgebaut hat“, sagte der Zentralbanker. Griechische Banken hatten jüngst herbe Kursverluste erlitten, als die Athener Aktienbörse binnen zwei Tagen um mehr elf Prozent eingebrochen war.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wollte sich nicht zu dem Reuters-Bericht äußern. Der griechische Notenbankchef Yannis Stournaras war am Mittwoch in Frankfurt zur turnusmäßigen EZB-Ratssitzung. Die griechischen Banken haben im September bei der EZB zwar etwas weniger frisches Geld abgerufen, hängen aber weiterhin am Tropf der Zentralbank. Die Renditen für zehnjährige griechische Staatsanleihen waren jüngst in die Höhe geschnellt. Investoren zweifeln zunehmend daran, dass Griechenland sich am Markt refinanzieren kann, wenn es vorzeitig auf den internationalen Rettungsschirm verzichtet.

Krisenländer im Check

Portugal

- LICHT: Das Land steckt in der tiefsten Rezession seit den 1970er-Jahren. Doch der Abwärtsstrudel verliert an Stärke: Die Arbeitslosenquote sank im Mai und im Juni, das Geschäftsklima hellte sich sieben Monate in Folge auf. Die gesamte Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal überraschend um 1,1 Prozent, es war das erste Plus seit rund zweieinhalb Jahren.

- SCHATTEN: Die jüngste Regierungskrise hat Investoren verunsichert und Zweifel geschürt, dass sich Portugal ab Mitte 2014 wieder vollständig über den Finanzmarkt finanzieren kann. Nur ein Rettungspaket über 78 Milliarden Euro bewahrte das Land vor der Staatspleite.

Zypern

- LICHT: Die Troika aus Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds hat dem Euro-Land jüngst Fortschritte bei der Sanierung seines Staatshaushalts bescheinigt. Die internationalen Geldgeber müssen Zypern mit insgesamt rund zehn Milliarden Euro vor der Staatspleite retten.

- SCHATTEN: Wegen des harten Sparkurses als Gegenleistung für das Rettungspaket steht Zypern konjunkturell noch ein tiefes Tal bevor. Die Arbeitslosenquote stieg zuletzt stetig auf gut 17 Prozent – dies ist hinter Griechenland, Spanien, und Portugal der höchste Wert in der EU. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaft um 1,4 Prozent. Für das Gesamtjahr 2013 sagt die EU-Kommission ein Minus von 8,7 Prozent voraus.

Irland

- LICHT: Die Immobilienkrise, die das Land in den Abgrund getrieben hat, nähert sich ihrem Ende. Die Hauspreise stiegen im Juni erstmals seit Ausbruch der Misere wieder, und zwar um durchschnittlich 1,2 Prozent zum Vorjahresmonat. Sie waren seit 2008 um rund 50 Prozent eingebrochen. Dadurch erlitten die Banken des Landes milliardenschwere Verluste. Sie mussten mit Steuergeldern gerettet werden, was wiederum den Staat an den Rand der Pleite trieb. Da die Regierung zahlreiche Reformen umgesetzt hat, hob die Rating-Agentur S&P ihren Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Landes von „stabil“ auf „positiv“ an.

- SCHATTEN: Die Konjunktur läuft schlechter als erwartet, die Wirtschaft schrumpfte zuletzt drei Quartale in Folge. Die Notenbank senkte deshalb ihre Wachstumsprognose für 2013 von 1,2 auf 0,7 Prozent. Damit wird es auch schwerer, das Defizit wie geplant auf 7,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu drücken.


Frankreich

- LICHT: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone galt zuletzt als Sorgenkind. Nun verließ das Land aber die Rezession – und das mit deutlich mehr Schwung als erwartet. Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent und damit mehr als doppelt so schnell wie erwartet.

- SCHATTEN: Die Lage bleibt fragil. Die Regierung in Paris hatte zuletzt nicht mehr ausgeschlossen, dass das Bruttoinlandsprodukt 2013 leicht schrumpft. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Zudem hat die Regierung Mühe, den Haushalt in den Griff zu bekommen. Präsident François Hollande, dessen Popularität auf Tiefstwerte gerutscht ist, räumte kürzlich ein, Frankreich könnte sein Defizitziel von 3,7 Prozent der Wirtschaftskraft 2013 verfehlen. Der Internationale Währungsfonds legte Frankreich bereits nahe, aus Rücksicht auf die Konjunktur die Haushaltskonsolidierung abzubremsen.


Italien

- LICHT: Auch Italien hat ein Ende der Rezession vor Augen. Von April bis Juni schrumpfte die Wirtschaft zwar das achte Quartal in Folge, mit 0,2 Prozent aber nur halb so stark wie befürchtet. Zuletzt mehrten sich die Hinweise darauf, dass Italien der Dauer-Rezession in den Sommermonaten entkommen kann: Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe wuchs im Juni mit 0,3 Prozent den zweiten Monat in Folge, der Einkaufsmanager-Index für die Industrie stieg im Juli auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren, der Einzelhandelsumsatz legte nach 14-monatiger Pause zuletzt wieder zu. Und auch die Kauflaune der Verbraucher besserte sich.

- SCHATTEN: Die schwache Konjunktur gefährdet die Sanierung des Haushalts. Im Juli lag das Defizit bei fast neun Milliarden Euro. Italien ist damit weit davon entfernt, die Neuverschuldung unter die EU-Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftskraft zu drücken. Gefährdet wird die Erholung auch von politischer Instabilität. Die Koalition von Silvio Berlusconis Partei Volk der Freiheit und der linken Demokratischen Partei hing zuletzt am seidenen Faden. Mit Warnungen vor einem Bürgerkrieg und Rücktrittsforderungen von Ministern und Abgeordneten machte das rechte Lager gegen die Verurteilung Berlusconis Front, der vom Obersten Gerichtshof zu vier Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verdonnert worden war.

Spanien

- LICHT: Das Land nähert sich dem Ende der Dauer-Rezession. Im zweiten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt mit 0,1 Prozent nur noch minimal. Für die zweite Jahreshälfte wird wieder ein leichtes Wachstum erwartet. Die Zahl der Arbeitslosen fiel im Juli den fünften Monat in Folge – um knapp 65.000 auf 4,7 Millionen. Hauptgrund dafür ist der Aufwind der Tourismusindustrie, die in der Ferienzeit viele zusätzliche Mitarbeiter benötigt. Die Branche macht etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Auch einige Banken lassen die Krise nach der geplatzten Immobilienblase allmählich hinter sich. Branchenprimus Santander steigerte seinen Überschuss im ersten Halbjahr um 29 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro.

- SCHATTEN: Die Industrie kommt nicht auf die Beine. Die Unternehmen drosselten ihre Produktion im Juni bereits den 22. Monat in Folge. Der Rückgang zum Vorjahresmonat fiel mit 1,9 Prozent sogar deutlicher aus als erwartet. Sorgen bereitet zudem das hohe Defizit. Der Staat musste bereits mehrfach den Reservefonds der Sozialversicherung anzapfen, um Pensionszahlungen leisten zu können. Spanien leidet immer noch unter den Folgen des 2008 geplatzten Immobilienbooms. Offiziellen Angaben zufolge sind die Grundstückpreise seit ihrem Höhepunkt 2007 um 43 Prozent eingebrochen. Immobilienexperten gehen sogar von einem Minus von mindestens 70 Prozent aus. Banken mussten deshalb milliardenschwere Abschreibungen vornehmen. Das Geld fehlt nun, um es in Form von Krediten an Unternehmen zu vergeben.

Griechenland

- LICHT: Der Tourismus brummt wieder. In diesem Jahr werden 17 Millionen Urlauber erwartet und damit so viele wie noch nie. Die Branche rechnet mit einem Umsatzplus von zehn Prozent auf elf Milliarden Euro. Der Tourismus macht etwa 17 Prozent der Wirtschaftsleistung aus; jeder fünfte Grieche arbeitet in dieser Branche. Auch bei der Sanierung der Staatsfinanzen kommt das Land langsam voran. Der Primärhaushalt – bei dem die Zinskosten nicht berücksichtigt werden – wies in den ersten sieben Monaten völlig unerwartet einen Überschuss von 2,6 Milliarden Euro aus.

- SCHATTEN: Die Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal mit 4,6 Prozent so langsam wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Doch das reicht längst nicht aus, um neue Jobs zu schaffen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit mit 27,4 Prozent sehr hoch. Die Zentralbank geht davon aus, dass sie noch bis auf 28 Prozent steigen wird. Erst 2015 soll sie zurückgehen.

Der einstige Pleitekandidat will sich im kommenden Jahr mehrfach an den Finanzmarkt wagen, um so aus dem seit 2010 laufenden Rettungsprogramm von Internationalem Währungsfonds und Europäischer Union aussteigen zu können. Bei den Anlegern herrscht zudem Unsicherheit vor, wie es politisch weitergehen wird. Falls es im nächsten Jahr Neuwahlen geben sollte, könnten mit der Syriza-Partei Gegner der internationalen Rettungsaktion an die Macht kommen, fürchten viele Investoren.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr Manfred Zimmer

16.10.2014, 16:54 Uhr

Spätestens jetzt muss jeder deutsche Politiker mit Blick auf seine Überwachungspflichten "den Stecker ziehen".

Deutschland ist mit ca. 28 % an der EZB beteiligt. Den deutschen Politikern kommen damit erhebliche Überwachungsaufgaben zu. Sie haben nicht nur das Recht der Überwachung sondern auch die Verpflichtung.

Wer dieser Verpflichtung nicht nachkommt, muss den Hut nehmen!

Herr Dr. Hans Hausberger

16.10.2014, 17:33 Uhr

Findet dieser Irrsinn, der nicht nur uns, sondern vor allem den Griechen selbst so eklatant schadet, denn niemals ein Ende? Will das EURO-Kartell die Katastrophe wirklich um jeden Preis auf die Spitze treiben?

Griechenland müßte dringendst -besser gestern als heute- seine Währung um mindestens 30% abwerten, kann es aber wegen der Wechselkursfessel der Währungsunion nicht.

Man muß sich das mal vor Augen halten: Eine um 30% überbewertete Währung wirkt für ein Land wie eine 30%ige Subvention auf alle Importe und gleichzeitig eine 30%ige Strafsteuer auf alle Exporte.

Wie soll denn ein solches Land, und wie sollen denn die Unternehmen in diesem Land, bei gleichzeitig völlig zusammengebrochener Binnenkonjunktur jemals wieder auf die Beine kommen?

Das geradezu fanatische Festhalten am Euro legt den Verdacht nahe, daß in Berlin und Athen -hier wie dort- absolute ökonomische Analphabeten regieren.

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