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19.05.2011

14:15 Uhr

Griechenland

EZB verschärft Warnung vor Umschuldung

Die Warnungen der Europäischen Zentralbank vor einer Umschuldung Griechenlands werden vehementer. Wohl auch deshalb, weil die EZB bei dieser Maßnahme eventuell selbst beträchtliche Verluste verkraften müsste.

Jürgen Stark: Der EZB-Chefvolkswirt ist gegen eine Umschuldung. Quelle: Reuters

Jürgen Stark: Der EZB-Chefvolkswirt ist gegen eine Umschuldung.

Frankfurt/AthenDie Europäische Zentralbank hat ihre Warnungen vor einer Umschuldung Griechenlands verschärft. In einem solchen Fall könnte die EZB als Stütze der finanziellen Absicherung griechischer Banken ausfallen, mahnte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark. Damit sei das Überleben der dortigen Institute gefährdet. Viele griechische Banken sind derzeit wegen der Vertrauenskrise an den Kapitalmärkten auf die Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) bei ihrer Refinanzierung angewiesen - gegen Sicherheit in Form von Wertpapieren.  

„Eine Umschuldung der Staatsschuld würde die Notenbankfähigkeit der Staatsanleihen Griechenlands unterminieren“, sagte Stark nach Auskunft der EZB-Pressestelle vom Donnerstag auf einer Konferenz in Athen, die bereits am Mittwoch stattfand. „Die Fortsetzung der Versorgung mit Liquidität wäre dann unmöglich.“ Damit sei letztlich Gefahr im Verzug für die Refinanzierung der griechischen Institute.   

Genau hier liegt der Haken für die Banken: Die EZB akzeptiert Sicherheiten nur zum aktuellen Marktwert abzüglich eines von ihr selbst definierten Abschlags, weil Griechenlands Bonität bereits unter das von der EZB akzeptierte Niveau herabgestuft worden ist. Käme nun aber durch eine Umschuldung ein weiterer Abschlag hinzu, wären griechische Anleihen de facto kaum mehr etwas wert und entsprechend unbrauchbar für Refi-Geschäfte mit der Notenbank.   

Dies träfe die griechischen Institute ins Mark: Um an frisches Geld der EZB zu kommen, müssen die Geschäftsbanken bei dieser Wertpapiere als Sicherheit einreichen. Wegen ihrer normalerweise hohen Ausfallsicherheit und Liquidität an den Märkten gehören Anleihen von Staaten zu den beliebtesten Sicherheiten. Zudem machen sie meist einen erheblichen Teil der Wertpapierbestände der Banken aus.  

Dies trifft auch für die EZB selbst zu. Durch das vor einem Jahr gegen heftige interne und externe Widerstände begonnene Kaufprogramm für Staatsanleihen von Euro-Ländern hat die Zentralbank mittlerweile viele Hellas-Bonds in ihrer Bilanz. Obwohl die EZB selbst keine genauen Zahlen nennt, schätzen viele Fachleute deren Wert in der Bilanz auf inzwischen bis zu 50 Milliarden Euro. Bei einer Umschuldung Griechenlands wäre also auch die EZB selbst stark betroffen und würde wohl Verluste in beträchtlicher Höhe hinnehmen müssen.  

Die Notenbanker wehren sich aus diesen Gründen seit Wochen heftig gegen eine Umschuldung der Griechen. Sie fürchten zudem nach den Worten des niederländischen Zentralbankchefs Nout Wellink im Falle einer Umschuldung eine Kettenreaktion, bei der weitere Euro-Länder in den Abgrund gerissen werden könnten.

EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi hatte am Mittwoch sogar vor einer so genannten „weichen Restrukturierung“ gewarnt und das von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker ins Gespräch gebrachte Konzept als „leere Phrase“ kritisiert. Laut „Financial Times Deutschland“ soll auch Bini Smaghi bereits vor den Folgen einer Umschuldung für das griechische Bankensystem gewarnt haben, ebenso angeblich auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

Von

rtr

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

19.05.2011, 15:52 Uhr

Den Jungs flattern langsam die Hosen, verständlich.

Noch vor ein paar Wochen konnte man lesen, dass die Staatsanleihen der Portugiesen und Spanier weg gehen wie warme Semmel. Dass die EZB fast alle aufkaufte, konnte man erst ein paar Tage später lesen. Interessant zu wissen, für wie dämlich man den Pöbel hält.

Auch hier wurden die Maastricht Verträge außer Kraft gesetzt. Ein Betrug reiht sich an den anderen und jedes mal immer größer.

Ein EU-Abgeordneter meinte noch vor ein paar Monaten, dass man erst einen Schritt machen wird, um zu sehen, wie das (deutsche) Volk darauf reagiert. Dann den nächsten und immer so weiter (bis wir alle enteignet sind).

Eigentlich unverständlich, dass unsere gewählten deutschen Politiker zum Schutz des deutschen Volkes nichts unternehmen, um Schaden vom ihm zu wenden.

Seehofer hat mal in einer Fernsehsendung die Zusammenhänge erklärt: „Die, die gewählt wurden haben nichts zu entscheiden und die, die entscheiden wurden nicht gewählt“.

Ein Forist hat in der Süddeutschen die Lösung dieser und vieler anderer Probleme kommentiert: „Es ist wieder an der Zeit, dass die Bürger die Guillotine flott machen“. Er hat verstanden.

Prenden

19.05.2011, 15:57 Uhr

Vielleicht sollte auch mal geklärt werden was die EZB darf und was die EZB einfach macht? Das wird nicht gerade offensiv kommuniziert und ist wohl auch gar nicht erwünscht. Also erstmal sollte jeder Teilnehmer (Schuldner, Gläubiger, Staat, EZB etc.) transparenter werden und sich zeigen. Viele glauben auch das die EZB eine ähnliche Rolle wie die FED spielt, Schrott zu Geld machen, bzw. das Spiel zu verlängern. Würde die EZB dem komplett widersprechen? Ich glaube nicht und die "Staatschefs" erzählen viel unkonkretes Nichts.

franke

19.05.2011, 16:01 Uhr

griechenland ist doch schon seit april 2010 faktisch pleite.alle rettungspakete sind doch nur maßnahmen zur insolvenzverschleppung. jeder unternehmer würde für solch ein vorgehen vor den richter kommen. auch das eurosystem beteiligt sich dran, in dem es u.a. griechische staatsanleihen gegen ausreichung von zentralbankgeld ankauft. also letztlich indirekte oder monetäre staatsfinanzierung. nun muss man ja nicht um die ecke denken können um zu begreifen, dass herr stark keine umschuldung möchte. aus den angekauften anleihen müssten dann buchverluste in kauf genommen werden, die in nicht unerheblichen maße anfallen würden. es darf angenommen werden, dass bei 30% forderungsverzicht und ein gegenwert von ca. 40 mrd.eur angekaufter staatsanleihen ca. 12 mrd. eur notenbankverlust für das eurosystem bedeuten. vorerst.
aber es war ja vorher schon bekannt...und wurde aus politischen gründen igoriert...axel weber hat leider vergeblich gewarnt....jetzt ist viel geld in den ofen gesteckt worden & es hat sich nichts gebessert....naja

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