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05.05.2012

08:36 Uhr

Griechenland

Firmen stellen sich auf Rückkehr der Drachme ein

VonThomas Bauer, Michael Maisch, Christoph Schlautmann

Griechenlands Verschuldung steigt und steigt. Inzwischen stimmen sich immer mehr Unternehmen und Banken auf den Euro-Austritt des Landes ein. Die Vorbereitungen darauf werden diskret getroffen.

eine Münze von 20 Drachmen und eine griechische Euromünze (r). dpa

eine Münze von 20 Drachmen und eine griechische Euromünze (r).

Frankfurt, London, DüsseldorfImmer mehr Unternehmen, Banken und Privatleute, die langlaufende Geschäfts- und Zahlungsbeziehungen mit Griechenland haben, bereiten sich auf den Euro-Austritt des Landes vor. Bei Sven Zeller, Jurist und Partner bei Clifford Chance in Frankfurt, häufen sich die Anfragen von Fonds-Managern, Bankern und in Griechenland investierten Immobilien-Unternehmen. "Alle wollen wissen, wie sie vermeiden können, dass ihre Forderungen von Euro auf eine Weichwährung umgestellt werden - egal ob Neu-Drachme oder Süd-Euro."

Die Sorge ist nachvollziehbar: Bevor Griechenland dem Euro beitrat, verlor die Drachme zwischen 1982 bis 1996 jährlich rund zehn bis zwölf Prozent an Wert gegenüber der D-Mark. Dies ging so weiter, bis die EU-Kommission im Mai 2000 den Euro-Beitritt empfahl. Danach sanken die Zinsen in Griechenland, und die Verschuldung stieg.

Die Vorbereitungen auf einen Euro-Austritt werden diskret getroffen. Nur wenige äußern sich so offen wie der Reisekonzern Tui. Dessen Deutschland-Chef Volker Böttcher sagte im November, dass man die Euro-Vorauszahlungen für Hotelreservierungen für den Fall einer Drachme-Einführung absichere. Auch Rewe Touristik beobachtet die Entwicklung genau, bestätigt Unternehmenssprecher Sören Hartmann.

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Die Banken dagegen, ob Deutsche oder Commerzbank, wollen ihre Strategie lieber nicht erläutern. Der Euro-Austritt Griechenlands sei doch ausgeschlossen, heißt es dort. Ganz anders der Bundesverband der Immobilien-Investment-Sachverständigen (BIIS): Vor drei Wochen tagte die Branche in Frankfurt zum Thema: "Euro-Breakup - Chancen und Risiken für Immobilienverwalter". Sven Zeller: "Bei Miet-, Kredit- und sonstigen Immobilienverträgen werden nun Fragen nach Gerichtsstand, deutschem, britischem oder griechischem Recht oder der Vertragswährung plötzlich sehr wichtig. "

Kommentare (31)

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Zahlmeister

05.05.2012, 10:52 Uhr

Griechenland wird seine Schulden nie zurückzahlen können, ob mit Euro oder Drachme.
Der Euroaustritt Griechenlands ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Alle Politiker, die uns das eingebrockt haben, müssen zur Verantwortung gezogen werden, beginnen sollten wir mit Schröder, Eichel, Schäuble und Merkel !

Domenq

05.05.2012, 10:59 Uhr

Und jetzt wo die Banken einen guten Teil ihrer Risiken auf die Steuerzahler abwälzen konnten, ist es ja auch egal...

KHD

05.05.2012, 11:15 Uhr

Faktisch ist Griechenland bereits heute innerhalb der EURO Union währungstechnisch isoliert und von Kapitalströmen weitestgehend abgeschottet. Der Kapitalbedarf zur Finanzierung der negatien Kapitalsalden (Importüberschuss/Kapitalflucht) des Landes läuft ausschliesslich über Notenbankgeld und wird spätestens dann versiegen, wenn Banken keine werthaltigen, von der eigenen Notenbank akzeptierten Sicherheiten mehr stellen können. Damit ist das Land praktisch aus der Währungsunion ausgetreten, auch wenn intern noch EUROs als Geldmittel gelten.

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