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30.09.2011

17:49 Uhr

Griechenland-Folgen

Ackermann warnt vor Italien-Pleite

VonHolger Alich

Vielen Politikern dürften die jüngsten Drohungen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bitter aufstoßen. Ein Hilfestopp für Griechenland würde harte Folgen nach sich ziehen – für andere Krisenländer, warnte er.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank AG, Josef Ackermann. dapd

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank AG, Josef Ackermann.

ZürichDie Aufstockung des Euro-Rettungsfonds EFSF hat grünes Licht vom deutschen Parlament. Die Debatte, ob es Sinn macht, das hochverschuldete Griechenland zu retten, geht weiter. Bei einem Vortrag in Zürich vertrat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann eine Meinung, die vielen deutschen Politikern und Ökonomen nicht gefallen dürfte.

Denn Ackermann plädierte dafür, Griechenland noch lange Jahre finanziellen Beistand zu leisten. "Wir haben nur eine Wahl", sagte Ackermann vor der Schweizerischen-Amerikanischen Handelskammer in Zürich, "wir müssen Griechenland bei der Deckung seiner finanziellen Bedürfnisse helfen." Die Schulden müssten "Schritt für Schritt" abgebaut werden. Ackermann warnte davor, mit einem brutalen Schuldenschnitt die schnelle Lösung herbei führen zu wollen, wie es zahlreiche Ökonomen in Deutschland predigen.

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Denn dann sei es nötig, ein Übergreifen der Krise auf andere Eurostaaten wie Italien oder Spanien zu vermeiden. "Und das wird sehr, sehr schwer und viel teurer werden", so der Deutsche Bank Chef. Um den Eurorettungsfonds EFSF auf solch einen Fall vorzubereiten, müsste die Finanzkraft des Fonds "dramatisch erhöht werden", sagte er.

Die Sorge vor einer Pleite Griechenlands treibt die Finanzszene weiter um. Das Problem ist dabei nicht Griechenland selbst, sondern die Eindämmung der Folgen auf andere Euro-Mitglieder. So dürften Großinvestoren in den USA und Asien sich fragen: Wenn die Eurozone Griechenland fallen lässt, wer wird der nächste sein? Dann dürften hoch verschuldete Staaten wie Italien große Probleme haben, für neue Staatsanleihen noch Käufer zu finden oder Italien müsste so hohe Zinsen zahlen, dass das Land in die Zahlungsunfähigkeit getrieben wird. Angesichts eines Schuldenberges von 1900 Milliarden Euro wäre eine Pleite Italiens eine Katastrophe, die die Welt in eine tiefe Rezession zu reißen droht.

Das sind Italiens größte Probleme

Der Schuldenberg

Italien schiebt nach Griechenland den größten Schuldenberg aller Euro-Länder vor sich her: Er ist rund 1,9 Billionen Euro groß, was 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Die EU-Verträge erlauben nur eine Obergrenze von 60 Prozent. Der Berg wird noch weiter wachsen, weil die Regierung erst ab 2013 ohne neue Schulden auskommen will.

In diesem Jahr erwartet sie eine Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 2012 soll die Neuverschuldung auf 1,4 Prozent fallen.

Hohe Neuverschuldung

Auch bei der Neuverschuldung dürfte Italien in diesem und im kommenden Jahr die Defizitgrenze von drei Prozent reißen: Die EU-Kommission rechnet mit einem Minus von 4,0 und 3,2 Prozent. Erst 2014 will die Regierung ohne neue Schulden auskommen.

Schwaches Wachstum

Im Vergleich zu den anderen großen Euro-Ländern Deutschland und Frankreich kommt Italien nicht in Schwung. Die EU-Kommission senkte erst vor wenigen Tagen ihre Wachstumsprognose für 2011 von 1,0 auf 0,7 Prozent. Zum Vergleich: Die gesamte Währungsunion dürfte mit 1,6 Prozent mehr als doppelt so schnell wachsen. Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Italien macht zu schaffen, dass die Exporteure ihre Waren vorwiegend an andere Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Der private Konsum kommt wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nicht recht in Schwung. Er leidet zudem unter Steuererhöhungen der Regierung, die im Kampf gegen die hohen Schulden beispielsweise die Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent angehoben hat.

Export und Konsum

Demnach verlieren Italiens Exporteure Weltmarktanteile, weil sie ihre Produkte vorwiegend in die anderen Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Auch der private Konsum dürfte wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nur moderat zulegen.

Kommentare (83)

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nanoflo

30.09.2011, 17:54 Uhr

Ja am besten werden alle Vermögen ab ner Million enteignet und für die Rettung verwendet ;-)
Oder müssen sich die Leute gleich ne Knarre kaufen um auf die Spekulanten losgehen???
Das wird bald soweit sein wenn noch mehr Sozialer Unfriede gesät wird!!!
Aber dann ist es zumindest moralisch ok.
Irgendwann ist der Ofen aus.

castellnevez

30.09.2011, 17:56 Uhr

Erst das Haus in Brand setzen, dann die Feuerwehr rufen und anschließend noch im Nachbarhaus zündeln. Mir fehlen die Worte.

schnisppschnappschnudi

30.09.2011, 17:57 Uhr

Klar hätten es die Banken lieber, das Problem mit Staatsschulden zu bezahlen (die man dann durch Inflation vom Steuerzahler ohne dass er es merkt wieder eintreibt). Besser als -um Gottes willen- die eigenen gehebelten Schulden zu bezahlen. Bankaktien im Keller, da muss der liebe Ackermann ja was tun.... ;-)

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