Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.11.2016

13:57 Uhr

Griechenland

Hellas will Kapitalkontrollen weiter lockern

Griechenland hatte den Kapitalverkehr in der Vergangenheit stark eingeschränkt. Der Gouverneur der Bank von Griechenland möchte ihn noch weiter zurückschrauben. Vorher müsste er aber noch einige Diskussionen führen.

Der Gouverneur der griechischen Bank rechnet damit, dass die zweite Überprüfung des laufenden Hilfspakets schnell abgeschlossen ist. AP

Yannis Stournaras

Der Gouverneur der griechischen Bank rechnet damit, dass die zweite Überprüfung des laufenden Hilfspakets schnell abgeschlossen ist.

AthenGriechenland wird nach Angaben seines Notenbankchefs die Kapitalverkehrskontrollen im Land bald weiter zurückfahren. „Der nächste Schritt wird bald geschehen“, sagte der Gouverneur der Bank von Griechenland, Yannis Stournaras, der Nachrichtenagentur Reuters. Für eine volle Aufhebung der Kontrollen müsse aber erst die zweite Überprüfung des Hilfsprogramms abgeschlossen sein. Zudem müsse dafür auch über Schuldenerleichterungen gesprochen und griechische Anleihen in das billionenschwere EZB-Kaufprogramm aufgenommen werden.

Griechenland hatte im vergangenen Jahr den Kapitalverkehr massiv eingeschränkt, um die krisengeplagten Banken des Landes zu stabilisieren. Zuvor hatten Kunden aus Furcht vor einem Staatsbankrott und einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone Milliarden von ihren Konten geräumt. Die Geldhäuser drohten auszubluten.

Stournaras rechnet damit, dass seine Regierung schnell die zweite Überprüfung des laufenden Hilfspakets abschließt. Möglicherweise im Dezember könne dann das Schuldenthema besprochen werden. Das dritte laufende Rettungspaket hat insgesamt ein Volumen von bis zu 86 Milliarden Euro. Für die Hilfsgelder musste sich das Land zu einschneidenden Sozial-Reformen, Ausgabenkürzungen und Privatisierungen verpflichten.

Diese Banken erwarten den „Grexit”

Schreckgespenst „Grexit”

Bis zum 12. Juli hat Griechenland noch die Chance, sich vor der Pleite zu retten. So viel Zeit haben die Gläubiger der griechischen Regierung gegeben, um kompromisstaugliche Reformvorschläge vorzulegen. Für viele Analysten ist der Deal aber bereits gelaufen. Seit dem Referendum, bei dem mehr als 60 Prozent der Griechen mit einem „Nein” gegen die Sparauflagen der Gläubiger stimmte, rechnen viele Banken mit einem Euro-Austritt Griechenlands, einem „Grexit”. Und die Liste der Pessimisten wird immer länger.

Bank of America Merrill Lynch

„Wir glauben, dass im Moment alle nötigen Bedingungen für einen „Grexit” vorhanden sind. Offenbar sieht das die Mehrheit der anderen EU-Staaten ähnlich. Es gibt zwar eine kleine Chance, ihn abzuwenden. Aber dazu müsste Tsipras die Gläubiger schon positiv überraschen.”

Barclays

„Der Austritt Griechenlands ist für uns das wahrscheinlichste Szenario. Sich mit der griechischen Regierung auf einen Kompromiss zu verständigen, wird für die EU-Politiker wird extrem schwer sein. Sie hat bereits einen Deal abgelehnt und einen neuen Kompromiss wird sie der Bevölkerung zu Hause nur schwer verkaufen können.”

Citigroup

„Wir haben unsere Meinung geändert und glauben nun, dass ein „Grexit” das wahrscheinlichste Szenario darstellt. Entweder wird das kurzfristig innerhalb der nächsten Monate passieren oder aber in den nächsten ein bis drei Jahren. Die die zu unserer Meinungsänderung beigetragen haben, sind das Nein-Referendum am 5. Juli sowie die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen. Trotz des höheren Austrittsrisikos glauben wir dennoch, dass ein kurzfristiger Deal zustande kommen kann. Doch selbst ein solcher Kompromiss wird das mittelfristige Risiko für einen „Grexit” nicht vom Tisch räumen können. ” 

Deutsche Bank

„Dass ein Deal am Sonntag kurz nach Mitternacht zustande kommt, ist möglich. Aber es wird knapp.”

JP Morgan

„Ein „Grexit” erscheint uns derzeit wahrscheinlicher als kein „Grexit”.”

BMO Capital Markets

„Wir glauben, dass Griechenland mit einer 60-prozentigen Wahrscheinlichkeit in der nahen Zukunft den Euro verlässt.”

Industrial and Commercial Bank of China (ICBC)

„Ein Austritt Griechenlands könnte der Tropfen sein, der für die globalen Märkte für Aktien, Devisen und Anleihen das Fass zum Überlaufen bringt. Bereits jetzt drohen Risiken durch eine mögliche Änderung der US-Geldpolitik. Auch droht Ansteckungsgefahr für die Märkte anderer Industrienationen, auf welche diese nicht unbedingt schnell reagieren könnten.”

ING

„Ein Kompromiss ist zwar nach wie vor möglich. Doch die scharfen Worte der EU-Politiker in den vergangenen Woche in Richtung Griechenland legen nahe, dass nicht nur die Zeit für einen Deal knapp wird, sondern auch die Geduld der Gläubiger.”

Ohne eine ernsthafte Diskussion über die Tragfähigkeit seiner Schulden kann das Land Stournaras zufolge nicht in den Genuss des EZB-Kaufprogramms (QE) kommen. „QE hängt davon ab, dass die Schulden tragfähig sind“, sagte Stournaras. Eine Aufnahme ins EZB-Programm ist für den Notenbank-Chef aber von großer symbolischer Bedeutung. „Es ist ein Pass für uns, um wieder auf den Markt zu kommen.“ Das Land hat seit 2014 keinen Zugang zum Kapitalmarkt und könnte laut Stournaras nächstes Jahr eine Anleihe-Emission testen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×