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29.11.2012

02:14 Uhr

Griechenland-Hilfe

Notenbanken geben weniger - Staaten müssen einspringen

Zur Rettung Griechenlands haben die europäischen Notenbanken versprochen, ihre Anleihenerlöse an Athen abzugeben. Doch nun wollen sie dabei zunächst Kosten verrechnen. Die Differenz bliebe auch an Deutschland hängen.

Die Notenbanken sollen Gewinne aus griechischen Anleihen an Athen abgeben. dpa

Die Notenbanken sollen Gewinne aus griechischen Anleihen an Athen abgeben.

BerlinDie europäischen Notenbanken werden einem Pressebericht zufolge weniger zu den Hilfen für Griechenland beitragen als bisher bekannt. Zwar bleibe es dabei, dass die Banken ihre Erlöse aus dem Erwerb griechischer Staatsanleihen an Athen abtreten, doch würden ihre Einnahmen in Höhe von etwa zehn Milliarden Euro zuvor mit einer Reihe von Kosten verrechnet, berichtete die "Süddeutsche Zeitung".

Dadurch dürfte der Gewinn am Ende um ein bis zwei Milliarden Euro niedriger ausfallen. Allein auf den Haushalt von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kommen damit Mehrbelastungen von bis zu 500 Millionen Euro zu, schrieb die "SZ".

So könnte Griechenland geholfen werden

Anleihenrückkauf

Ein 40 Milliarden Euro umfassendes Programm zum Rückkauf griechischer Staatsanleihen wird seit 2011 diskutiert. Dabei könnte Athen Geld des Euro-Rettungsschirms nutzen, damit es seine Anleihen zum Marktpreis von privaten Gläubigern zurückkauft, um somit die Schuldenlast zu verringern. Denn die Kurse für griechische Staatsanleihen liegen weit unter ihrem Nennwert. Derzeit sind die Anleihen nur rund ein Drittel ihres Ausgabepreises wert.

Zinssenkungen

Die Geberländer könnten die Zinsen auf ihre bilateralen Kredite von etwa 53 Milliarden Euro reduzieren, was zu jährlichen Erleichterungen von 500 Millionen Euro für Athen führen könnte. Deutschland hat bisher kräftig an den Krediten verdient und kann sich besonders günstig Geld leihen. Unter anderem Italien und Spanien würde dies viel kosten, da sie sich zu höheren Zinsen Geld leihen müssen.

Mehr Zeit für Schuldenabbau

Auch eine Streckung der Zahlungsziele ist im Gespräch. Die Laufzeit für Hilfskredite könnte also verlängert werden.

EZB-Hilfe

Die Notenbank hat Staatsanleihen Athens zu sehr niedrigen Kursen erworben. Einen Teil ihrer Gewinne könnten die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Notenbanken Athen überlassen.

Schuldenschnitt

Noch nicht auf der Vorschlagliste, aber stets in der Diskussion: Ein zweiter Schuldenschnitt nach dem ersten vom Frühjahr, in dem private Gläubiger wie Banken auf 100 Milliarden Euro verzichteten, wird diskutiert und vor allem vom Internationalen Währungsfonds (IWF) favorisiert. Auch wegen des Widerstands Deutschlands wird dieser Schritt erst einmal aufgeschoben. Rund zwei Drittel der griechischen Schulden von etwa 340 Milliarden Euro liegen bei öffentlichen Geldgebern. Erstmals würde Steuerzahlergeld verloren sein. Es müssten sich auch Euro-Krisenländer beteiligen, die selbst wackeln.

Die Notenbanken der Euro-Zone hatten seit dem Frühjahr 2010 griechische Anleihen im Nominalwert von geschätzt 50 Milliarden Euro aufgekauft, dafür wegen des vorangegangenen Kursverfalls aber deutlich weniger bezahlt. Sobald die Titel fällig werden, ergibt sich somit ein Erlös. Um an der Krise nicht noch zu verdienen, hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am Montag zugestimmt, die Gewinne an Griechenland abzutreten.

Allerdings hatten die Notenbanken parallel zu den Anleihekäufen an anderer Stelle Liquidität aus den Finanzmärkten abgesaugt, um eine Inflation zu verhindern. Dazu musste sie den Geschäftsbanken Zinsen bieten, die sonst nicht angefallen wären. Diese Zinskosten wollen sie nun mit ihren Anleihegewinnen verrechnen.

Dem "SZ"-Bericht zufolge schütten sie erst danach die Erlöse an ihre jeweiligen Regierungen aus, die das Geld wiederum nach Athen weiterreichen. Da die Euro-Finanzminister Griechenland aber die vollen zehn Milliarden Euro versprochen haben, müssen sie die Differenz aus ihren eigenen nationalen Haushalten begleichen. Schäuble etwa hat 2,7 Milliarden Euro über mehrere Jahre zugesagt, wird von der Bundesbank aber womöglich nur etwa 2,2 Milliarden erhalten.

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Von

afp

Kommentare (37)

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leser

29.11.2012, 04:35 Uhr

...immer wieder "lustig" sowas lesen müssen zu dürfen, vor allen Dingen dann, wenn man sich vor Augen führen darf, wieviele Menschenleben das kosten wird.
Auf Blut der Mensch gebaut.
Auf sehr viel Blut,
Und es sind immer viel "Wichtigere" die darüber entscheiden, wessen Blut gerade von wem vergossen zu werden hat.
Hat sich je etwas geändert?
Nein.
Wird sich etwas ändern?
Nein.
Und das macht viele Menschen so träge.
Man mag davon halten was man will: solange die Menschen damit einverstanden sind behandelt zu werden wie die Schweine, werden sie wie die Schweine behandelt.
Gut?
Nein!

Funin

29.11.2012, 05:24 Uhr

Wer führt tatsächlich die große Regie in diesem Euro(pa)-Drama?

Da gibts doch nur 2 Möglichkeiten, oder vielleicht sogar beides zusammen:

- Besessene Visionäre oder Karrieristen die die Kontrolle über ihr Projekt verloren haben aber deren Ego es niemals zulassen wird dies zuzugeben und die glauben im kommenden Chaos ungeschoren davonzukommen

- Verbrecher bzw. Betrüger die ihren eigenen Vorteil oder den Vorteil ihrer Gemeinschaft skrupellos erzwingen wollen, ohne jede Rücksicht auf andere

Hatten wir, abstrakt gesehen, ein ähnliches Szenario in Europa nicht vor 75 Jahren schon einmal?

Auch damals waren die Mit-Entscheider danach natürlich völlig unschuldig und haben nur Befehle ausgeführt, so wie heute die Parlamentarier die Befehle ihrer Fraktions-Chefs willig ausführen, und die meisten Medien nur das mitteilen was politisch und geschäftlich opportun ist.

Und der deutsche Bürger der das alles noch ausbaden muß? Schweigt so wie damals, sieht "Wetten dass ...?" und vertraut in der Mehrheit einfach blind seinen Anführern. Anführern denen aufgrund der Fakten jedes Vertrauen längst hätte entzogen werden müssen.

kranich24

29.11.2012, 05:36 Uhr

Weder "Besessene" noch "Verbrecher" - alles kleinbürgerliche Schuldküche. Wie etwa in Argentinien die amerikanischen Hedgefonds führt hier Goldman-Sachs aber auch Rothschild, Warburg & Co ala Napoleon 1812 den Kontinent in den Untergang. Wir sind noch immer im Sog der Chicago-Group 1930: "baut eine Konsumgesellschaft auf, damit die Millionen kleiner Leute abgelenkt sind. Zwei Drittel der Menschheit ausrotten/aushungern, der Rest - WIR - leben gut!"
Dass etwa Apple hinzu kommt und die Massen mit iPhone (idiotenphone) super minutiös fesselt und abgelenkt vom politischen Großwettergeschehen, konnte niemand ahnen. Der niedrige Zins führt zu Konsum und damit Gleichgültigkeit gegenüber dem Geschehehen im Hintergrund: abgelenkt.

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