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25.10.2013

07:02 Uhr

Griechenland

Im Visier der Steuerfahnder

VonGerd Höhler

Zahlten alle Griechen ehrlich Steuern, hätte das Land kein Finanzproblem. Auf zehn Euro gezahlte Steuern kommen acht bis neun hinterzogene. Steuerfahnder legen sich ins Zeug.

Restaurant, Firmen, Villen: Von den Steuerfahndern kann sich derzeit kein Grieche in Sicherheit wiegen. Getty Images

Restaurant, Firmen, Villen: Von den Steuerfahndern kann sich derzeit kein Grieche in Sicherheit wiegen.

AthenDen griechischen Steuerfahndern sind einige dicke Fische ins Netz gegangen. In zwei Fällen gibt es pikante politische Verbindungen, nach Linksaußen und zur extremen Rechten. Ein Schönheitschirurg, der Einnahmen von 2,3 Millionen Euro vor dem Finanzamt versteckte, zwei Rechtsanwälte, die Honorare von je rund einer Million nicht deklarierten und ein bekannter Popstar, der dem Fiskus Einnahmen von 2,8 Millionen Euro verschwieg – das sind nur die spektakulärsten Fälle, die griechische Finanz-Fahnder in den vergangenen Wochen aufdeckten.

Die grassierende Steuerhinterziehung ist eine der Hauptursachen für die chronische Schuldenkrise des Landes. Fachleute rechnen vor: Wenn alle Griechen ehrlich ihre Steuern zahlen würden, hätte das Land überhaupt kein Finanzproblem.

Finanzminister Giannis Stournaras setzt auf drakonische Strafen. 600 Menschen seien in seiner Amtszeit bereits ins Gefängnis gewandert, weil sie Steuerschulden nicht bezahlt haben, sagte Stournaras kürzlich dem Handelsblatt. „Das ist nicht sehr schön, aber wir mussten es machen“, so der Minister.

Krisenländer im Check

Portugal

- LICHT: Das Land steckt in der tiefsten Rezession seit den 1970er-Jahren. Doch der Abwärtsstrudel verliert an Stärke: Die Arbeitslosenquote sank im Mai und im Juni, das Geschäftsklima hellte sich sieben Monate in Folge auf. Die gesamte Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal überraschend um 1,1 Prozent, es war das erste Plus seit rund zweieinhalb Jahren.

- SCHATTEN: Die jüngste Regierungskrise hat Investoren verunsichert und Zweifel geschürt, dass sich Portugal ab Mitte 2014 wieder vollständig über den Finanzmarkt finanzieren kann. Nur ein Rettungspaket über 78 Milliarden Euro bewahrte das Land vor der Staatspleite.

Zypern

- LICHT: Die Troika aus Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds hat dem Euro-Land jüngst Fortschritte bei der Sanierung seines Staatshaushalts bescheinigt. Die internationalen Geldgeber müssen Zypern mit insgesamt rund zehn Milliarden Euro vor der Staatspleite retten.

- SCHATTEN: Wegen des harten Sparkurses als Gegenleistung für das Rettungspaket steht Zypern konjunkturell noch ein tiefes Tal bevor. Die Arbeitslosenquote stieg zuletzt stetig auf gut 17 Prozent – dies ist hinter Griechenland, Spanien, und Portugal der höchste Wert in der EU. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaft um 1,4 Prozent. Für das Gesamtjahr 2013 sagt die EU-Kommission ein Minus von 8,7 Prozent voraus.

Irland

- LICHT: Die Immobilienkrise, die das Land in den Abgrund getrieben hat, nähert sich ihrem Ende. Die Hauspreise stiegen im Juni erstmals seit Ausbruch der Misere wieder, und zwar um durchschnittlich 1,2 Prozent zum Vorjahresmonat. Sie waren seit 2008 um rund 50 Prozent eingebrochen. Dadurch erlitten die Banken des Landes milliardenschwere Verluste. Sie mussten mit Steuergeldern gerettet werden, was wiederum den Staat an den Rand der Pleite trieb. Da die Regierung zahlreiche Reformen umgesetzt hat, hob die Rating-Agentur S&P ihren Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Landes von „stabil“ auf „positiv“ an.

- SCHATTEN: Die Konjunktur läuft schlechter als erwartet, die Wirtschaft schrumpfte zuletzt drei Quartale in Folge. Die Notenbank senkte deshalb ihre Wachstumsprognose für 2013 von 1,2 auf 0,7 Prozent. Damit wird es auch schwerer, das Defizit wie geplant auf 7,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu drücken.


Frankreich

- LICHT: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone galt zuletzt als Sorgenkind. Nun verließ das Land aber die Rezession – und das mit deutlich mehr Schwung als erwartet. Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent und damit mehr als doppelt so schnell wie erwartet.

- SCHATTEN: Die Lage bleibt fragil. Die Regierung in Paris hatte zuletzt nicht mehr ausgeschlossen, dass das Bruttoinlandsprodukt 2013 leicht schrumpft. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Zudem hat die Regierung Mühe, den Haushalt in den Griff zu bekommen. Präsident François Hollande, dessen Popularität auf Tiefstwerte gerutscht ist, räumte kürzlich ein, Frankreich könnte sein Defizitziel von 3,7 Prozent der Wirtschaftskraft 2013 verfehlen. Der Internationale Währungsfonds legte Frankreich bereits nahe, aus Rücksicht auf die Konjunktur die Haushaltskonsolidierung abzubremsen.


Italien

- LICHT: Auch Italien hat ein Ende der Rezession vor Augen. Von April bis Juni schrumpfte die Wirtschaft zwar das achte Quartal in Folge, mit 0,2 Prozent aber nur halb so stark wie befürchtet. Zuletzt mehrten sich die Hinweise darauf, dass Italien der Dauer-Rezession in den Sommermonaten entkommen kann: Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe wuchs im Juni mit 0,3 Prozent den zweiten Monat in Folge, der Einkaufsmanager-Index für die Industrie stieg im Juli auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren, der Einzelhandelsumsatz legte nach 14-monatiger Pause zuletzt wieder zu. Und auch die Kauflaune der Verbraucher besserte sich.

- SCHATTEN: Die schwache Konjunktur gefährdet die Sanierung des Haushalts. Im Juli lag das Defizit bei fast neun Milliarden Euro. Italien ist damit weit davon entfernt, die Neuverschuldung unter die EU-Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftskraft zu drücken. Gefährdet wird die Erholung auch von politischer Instabilität. Die Koalition von Silvio Berlusconis Partei Volk der Freiheit und der linken Demokratischen Partei hing zuletzt am seidenen Faden. Mit Warnungen vor einem Bürgerkrieg und Rücktrittsforderungen von Ministern und Abgeordneten machte das rechte Lager gegen die Verurteilung Berlusconis Front, der vom Obersten Gerichtshof zu vier Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verdonnert worden war.

Spanien

- LICHT: Das Land nähert sich dem Ende der Dauer-Rezession. Im zweiten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt mit 0,1 Prozent nur noch minimal. Für die zweite Jahreshälfte wird wieder ein leichtes Wachstum erwartet. Die Zahl der Arbeitslosen fiel im Juli den fünften Monat in Folge – um knapp 65.000 auf 4,7 Millionen. Hauptgrund dafür ist der Aufwind der Tourismusindustrie, die in der Ferienzeit viele zusätzliche Mitarbeiter benötigt. Die Branche macht etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Auch einige Banken lassen die Krise nach der geplatzten Immobilienblase allmählich hinter sich. Branchenprimus Santander steigerte seinen Überschuss im ersten Halbjahr um 29 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro.

- SCHATTEN: Die Industrie kommt nicht auf die Beine. Die Unternehmen drosselten ihre Produktion im Juni bereits den 22. Monat in Folge. Der Rückgang zum Vorjahresmonat fiel mit 1,9 Prozent sogar deutlicher aus als erwartet. Sorgen bereitet zudem das hohe Defizit. Der Staat musste bereits mehrfach den Reservefonds der Sozialversicherung anzapfen, um Pensionszahlungen leisten zu können. Spanien leidet immer noch unter den Folgen des 2008 geplatzten Immobilienbooms. Offiziellen Angaben zufolge sind die Grundstückpreise seit ihrem Höhepunkt 2007 um 43 Prozent eingebrochen. Immobilienexperten gehen sogar von einem Minus von mindestens 70 Prozent aus. Banken mussten deshalb milliardenschwere Abschreibungen vornehmen. Das Geld fehlt nun, um es in Form von Krediten an Unternehmen zu vergeben.

Griechenland

- LICHT: Der Tourismus brummt wieder. In diesem Jahr werden 17 Millionen Urlauber erwartet und damit so viele wie noch nie. Die Branche rechnet mit einem Umsatzplus von zehn Prozent auf elf Milliarden Euro. Der Tourismus macht etwa 17 Prozent der Wirtschaftsleistung aus; jeder fünfte Grieche arbeitet in dieser Branche. Auch bei der Sanierung der Staatsfinanzen kommt das Land langsam voran. Der Primärhaushalt – bei dem die Zinskosten nicht berücksichtigt werden – wies in den ersten sieben Monaten völlig unerwartet einen Überschuss von 2,6 Milliarden Euro aus.

- SCHATTEN: Die Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal mit 4,6 Prozent so langsam wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Doch das reicht längst nicht aus, um neue Jobs zu schaffen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit mit 27,4 Prozent sehr hoch. Die Zentralbank geht davon aus, dass sie noch bis auf 28 Prozent steigen wird. Erst 2015 soll sie zurückgehen.

Galt Steuerhinterziehung früher auch vor Gericht oft als Kavaliersdelikt, zieht die Justiz jetzt andere Saiten auf: Vergangene Woche wurden erstmals in Griechenland drei Steuersünder zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten sich mit gefälschten Rechnungen Mehrwertsteuer-Erstattungen von 840.000 Euro erschlichen.

Doch bevor man die Steuersünder verurteilen kann, muss man sie erst einmal stellen. Daran haperte es bisher. Immerhin: Der Druck wächst. Eine Sommerpause gönnten sich die Steuerfahnder dieses Jahr nicht. Während der Ferienzeit mischten sich die als Touristen getarnten Finanzpolizisten unter die Urlauber, besuchten Tavernen, Bars und Andenkenläden. Wenn sie genug gesehen hatte, zückten sie ihre Dienstausweise.

Tausende Stichproben führten die Fahnder in den Feriengebieten durch, mit erschütternden Ergebnissen: Bei 1256 Kontrollen stellten die Beamten allein in der ersten Augusthälfte 5668 Steuerverstöße fest. Spitzenreiter bei der Steuerhinterziehung waren die Inseln Amorgos, Paxoi und Symi, auf denen es buchstäblich in allen überprüften Betrieben Beanstandungen gab.

Kommentare (32)

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Augias

25.10.2013, 07:57 Uhr

Es ist nicht zu fassen, dass wir den Griechen Garantien in obszöner Größenordnung geben müssen, obwohl sie selber nicht in der Lage sind, Steuern in ihrem Land zu erheben und einzutreiben! Mit welcher Berechtigung sollen wir in Zukunft den korrupten Griechen noch helfen, wie können wir das gegenüber unseren Kindern und Kindeskindern rechtfertigen, denen wir einen solchen Schuldenberg hinterlassen, ....... nur weil die Griechen ihre Steuern nicht erheben?!

Monetakakis

25.10.2013, 07:59 Uhr

Warum sollen die Griechen Steuern zahlen?
Es haftet doch der deutsche Steuerzahler!

Wimmerl

25.10.2013, 08:06 Uhr

Ja, die Griechen machen sich das alles sehr einfach, sie leben im Prinzip Brutto für Netto - d.h., dass sie immer 19% mehr in der Tasche haben, als wir. Obwohl wir noch bedenken müssen, dass dort Gehälter für unqualifizierte Tätigkeiten erzielt werden, wovon hier in Deutschland Facharbeiter nur träumen dürfen. Es ist in der Tat einfach nicht zu fassen, was dort abgeht. Und das alles auf unsere Kosten.

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