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14.07.2015

07:15 Uhr

Griechenland in der Krise

Briten wollen nicht für Hilfspaket zahlen

Die Vorstellung, britische Steuergelder für die Vereinbarung mit Griechenland zu verwenden, sei „ein Rohrkrepierer“, heißt es vom Finanzministerium in London. Die Regierung will eine Beteiligung am Hilfspaket abwenden.

Großbritanniens Premier David Cameron hat 2010 die Zusage erhalten, dass der damalige Europäische Stabilitätsmechanismus (EFSM) aller EU-Staaten keine Hilfsprogramme für Euro-Länder mehr gewährt. ap

David Cameron

Großbritanniens Premier David Cameron hat 2010 die Zusage erhalten, dass der damalige Europäische Stabilitätsmechanismus (EFSM) aller EU-Staaten keine Hilfsprogramme für Euro-Länder mehr gewährt.

LondonDie britische Regierung will Medienberichten zufolge jedwede finanzielle Beteiligung am neuen Hilfsprogramm für Griechenland abwenden. Vor dem Treffen der EU-Finanzminister am Dienstag in Brüssel habe der britische Ressortchef George Osborne darüber eine Reihe von Telefonaten mit seinen europäischen Kollegen geführt, berichteten am Dienstag die Zeitung „Financial Times“ und andere Medien.

„Unsere Kollegen von der Eurozone haben klar und deutlich die Botschaft erhalten, dass es nicht hinnehmbar wäre, in dieser Angelegenheit eine britische Unterstützung wiederaufzugreifen“, verlautete aus dem Finanzministerium in London. „Die Vorstellung, das Geld britischer Steuerzahler für die neuste Vereinbarung mit Griechenland zu verwenden, ist ein Rohrkrepierer“, hieß es weiter.

2010 hatte der britische Premierminister David Cameron die Zusage erhalten, dass der damalige Europäische Stabilitätsmechanismus (EFSM) aller EU-Staaten keine Hilfsprogramme für Euro-Länder mehr gewährt. Vielmehr sollen nur die 19 Euro-Länder für solche Hilfsprogramm gerade stehen. Britischen Medien zufolge hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker allerdings vorgeschlagen, den EFSM als zusätzliche Sicherheit für kurzfristige Kredite für Griechenland wiederzubeleben.

Das verlieren die Euro-Länder, wenn Griechenland pleitegeht

Deutschland

88,7 Milliarden Euro

Frankreich

67,9 Milliarden Euro

Italien

59,2 Milliarden Euro

Spanien

40,5 Milliarden Euro

Niederlande

19,3 Milliarden Euro

Belgien

11,9 Milliarden Euro

Österreich

9,4 Milliarden Euro

Finnland

6 Milliarden Euro

Portugal

4,5 Milliarden Euro

Slowakei

2,9 Milliarden Euro

Irland

2,7 Milliarden Euro

Slowenien

1,6 Milliarden Euro

Quellen

IWF, EU-Kommission, EFSF, ESM, EZB, Bank of Greece, Berechnungen des ifo Instituts.

Ein britischer Regierungssprecher sagte dazu, Cameron gehe davon aus, dass die Zusage von 2010 weiter gelte und der EFSM nicht mehr genutzt werde.

Cameron sieht sich einer wachsenden EU-Skepsis der Briten gegenüber. Deshalb hatte er vor seiner Wiederwahl im Mai versprochen, bis spätestens Ende 2017 ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU abhalten zu lassen. Um sein Land in der EU zu halten, bemüht er sich derzeit, günstigere Bedingungen für Großbritannien auszuhandeln.

Die Euro-Länder hatten sich am Montagmorgen grundsätzlich bereit erklärt, das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland mit einem neuen Milliarden-Hilfsprogramm zu unterstützen. Sie knüpften dies aber an umfangreiche Bedingungen.

Von

afp

Kommentare (3)

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Herr walter danielis

14.07.2015, 08:21 Uhr

Kein Problem, das übernimmt Deutschland. Wo wir doch so hart verhandelt haben und alle Vorteile bei uns sind. Oder nicht?

Enrico Stiller

14.07.2015, 08:45 Uhr

Die meisten britischen Zeitungen und erst recht die Leserkommentare darin überschlagen sich in Mitleid mit den "armen Griechen" und in Empörung über die bösen Deutschen, die ihnen so wenige Milliarden zu so harten Bedingungen rüberschieben. Und die eigene Regierung in London steht bei der Athen-Hilfe abseits. Ich erwarte nicht, dass jetzt dagegen eine Protest-Welle durch den britischen Blätterwald läuft.

Hein Bloed

14.07.2015, 11:08 Uhr

Wie kommen die Briten dazu die Euro-Zone zu stützen? Das hat doch für die keinen
Sinn, das müssen die Retter schon selbst machen, ist zwar auch sinnlos aber
man ist halt Retter aus Leidenschaft.

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