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10.01.2015

10:36 Uhr

Griechenland in der Krise

Brüssel diskutiert offenbar Schuldenschnitt

Laut einem Medienbericht werden Stimmen in Brüssel laut, die einen Schuldenerlass für Griechenland befürworten. Schon 2012 erließen Gläubiger dem Land Verbindlichkeiten in Höhe von 107 Milliarden Euro.

Griechenland steckt in der Krise. Die Gesamtschuld des Landes liegt derzeit bei rund 320 Milliarden Euro. dpa

Griechenland steckt in der Krise. Die Gesamtschuld des Landes liegt derzeit bei rund 320 Milliarden Euro.

BrüsselIn Brüssel gibt es einem Medienbericht zufolge Unterstützung für einen Schuldenerlass für Griechenland. „Ein Schuldenschnitt in Griechenland ist unausweichlich, weil das Land sonst mit seiner Schuldenlast nicht fertig wird“, zitierte die „Welt“ (Samstagsausgabe) aus hohen EU-Kreisen, die mit den Beratungen über Griechenland vertraut seien.

Die Meinungen über den Zeitpunkt des Schuldenschnitts gingen allerdings auseinander.

Athen könne „in absehbarer Zeit wohl nicht an den Kapitalmarkt zurückkehren“, eine sogenannte vorsorgliche Kreditlinie in Höhe von zehn Milliarden Euro mache darum „keinen Sinn“, zitiert die Zeitung weiter aus nicht näher identifizierten „hohen informierten EU-Kreisen“.

Griechenland – Gefahrenherd für Europa?

Der ESM

Anders als zu Beginn der Krise, als Politiker auf hektischen Gipfeltreffen mit improvisierten Maßnahmen der Probleme Herr zu werden versuchten, verfügt die Eurozone heute über eine Institution, die speziell für die Rettung angeschlagener Mitglieder geschaffen wurde. Der Europäische Stabilitäts-Mechanismus (ESM) kann Staaten im Notfall mit bis zu 500 Milliarden Euro beispringen. Staaten können Hilfen auch beantragen, wenn Kapitallücken im Bankensystem klaffen.

Die Lage der anderen Krisenländer

Neben Griechenland mussten während der Eurozonen-Krise auch Portugal, Irland und Zypern unterstützt werden. Anders als damals gibt es heute aber keine auf der Hand liegenden Kandidaten mehr, auf die eine Krise überspringen könnte. Die Lage der Staatsfinanzen in Portugal und Irland hat sich deutlich verbessert, in Spanien wuchs die Wirtschaft zuletzt wieder kräftig. Nur bei den Schwergewichten Frankreich und Italien sind kaum Fortschritte beim Abbau des Haushaltsdefizits und den Strukturreformen zu verzeichnen.

Die EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Finanzmärkten klar gemacht, dass sie den Euro verteidigen will. Im Juli 2012 erklärte EZB-Präsident Mario Draghi, man werde „alles Erforderliche“ tun, um den Euro zu retten. Seitdem hat die EZB ihre Geldpolitik deutlich gelockert. Die Märkte erwarten, dass die EZB im ersten Quartal 2015 den breit angelegten Kauf von Staatsanleihen verkünden wird. Dank der Käufe dürften Euroländer ihre Haushalte zu besseren Konditionen finanzieren können. Das würde nicht nur Griechenland zugutekommen.

Das europäische Bankensystem

Beim Ausbruch der Eurozonen-Krise im Jahr 2010 fürchteten die Kapitalmärkte die Folgen einer griechischen Staatspleite für den europäischen Bankensektor. 2012 verzichteten private Gläubiger Griechenlands – darunter auch Banken – auf die Rückzahlung von 100 Milliarden Euro Schulden. Im Vergleich dazu sind Europas Banken heute nicht mehr so stark in Griechenland engagiert.

Denn die Kreditlinie würde sofort ausgeschöpft. In den Kreisen werde erwartet, dass das laufende Hilfsprogramm zunächst über Ende Februar 2015 hinaus verlängert werde, und dass sich dann wahrscheinlich ein drittes Hilfspaket anschließen werde. Der Finanzbedarf Athens liege mittelfristig bei rund 20 Milliarden Euro.

Von einigen in Brüssel werde ein Schuldenschnitt schon in diesem Jahr als notwendig erachtet, andere seien der Auffassung, dieser komme „erst in ein paar Jahren“, wenn keine Gefahr mehr bestehe, dass andere Krisenländer ebenfalls auf einen Schuldenerlass spekulieren, zitierte die Zeitung weiter. Als Größenordnung für den Schuldenschnitt wurde demnach „ein Drittel bis die Hälfte der Staatsschulden“ genannt.

Die Gesamtschuld Griechenlands liegt derzeit bei rund 320 Milliarden Euro. Davon befinden sich 260 Milliarden Euro, also 80 Prozent, in der Hand öffentlicher Gläubiger.

Griechenland ist schon 2012 ein Schuldenschnitt gewährt worden: Dabei erließen Banken und andere private Gläubiger Verbindlichkeiten in Höhe von 107 Milliarden Euro.

Von

afp

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