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31.05.2011

12:13 Uhr

Griechenland in der Krise

Ökonom Hüther fordert größeren Sparwillen

Der Euro-Schuldenstaat Griechenland braucht dringend neue Milliarden, um den Bankrott abzuwenden. Nach Ansicht von Top-Ökonom Hüther sind dafür aber neue Strukturen nötig - und noch größerer Sparwille der Griechen.

Proteste in Athen: Große Teile der Bevölkerung demonstrieren gegen den Sparkurs der Regierung. Quelle: dpa

Proteste in Athen: Große Teile der Bevölkerung demonstrieren gegen den Sparkurs der Regierung.

BerlinDer Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, hat sich dagegen ausgesprochen, Griechenland ohne weitere Sparanstrengungen zu helfen. „Es nützt auch nichts, ohne Auflagen einfach mehr Geld zu überweisen. Das würde ja dann auf Strukturen treffen, die es nicht effektiv umsetzen“, sagte er in einem Interview der Nachrichtenagentur dapd. Die „mühsame Anpassungszeit“ für das Land „kann fünf Jahre dauern“, fügte er hinzu.

Hüther sprach sich für den Verkauf von Staatsbeteiligungen aus. „Privatisierungen bringen einerseits Geld für die Staatskasse, also für die Schuldentilgung. Aber das bereinigt auch Ineffizienzen bei den bisherigen Staatsunternehmen. Der griechische Staatsapparat insgesamt ist ja nicht effizient“, sagte er. Griechenland müsse auch bei der Lohnpolitik Abstriche machen, fügte Hüther hinzu. „Sie können auf Dauer nicht die Löhne ohne Rücksicht auf die Produktivität anheben.“ Die Lohnstückkosten in Griechenland seien seit Anfang des Jahrzehnts um 40 Prozent gestiegen, in Deutschland um 7 Prozent.

Michael Hüther, Leiter des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Quelle: dapd

Michael Hüther, Leiter des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

Er glaube nicht, dass Griechenland aus dem Euro austreten wolle, sagte Hüther. „Die wollen das Geld, aber die Anstrengungen der Anpassungen umgehen. Das aber wird so oder so nicht gelingen, sie müssen liefern.“

Nach einem Zeitungsbericht sind die Chancen auf ein neues Rettungspaket für Griechenland gestiegen - weil Deutschland Hilfe leistet. Wie das „Wall Street Journal“ am Dienstag früh in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Kreise berichtete, erwägt die Bundesregierung ein Entgegenkommen in einem zentralen Punkt. Demnach würde Deutschland sich bereiterklären, dem akut von der Staatspleite bedrohten Griechenland mehr Geld zu leihen, auch ohne kurzfristig private Gläubiger an den Lasten zu beteiligen.

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