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03.06.2011

10:10 Uhr

Griechenland in der Schuldenkrise

Europas vergiftete Hilfe

VonFlorian Kolf

Griechenland lebt am Tropf der EU-Partner und des IWF. Heute muss der griechische Ministerpräsident erneut Sparpläne vorlegen, um weitere Gelder zu bekommen. Doch die gut gemeinte Unterstützung hat fatale Nebenwirkungen.

Demonstranten vor dem Parlament in Athen haben Ministerpräsidenten Papandreou als Clown geschminkt. Quelle: dapd

Demonstranten vor dem Parlament in Athen haben Ministerpräsidenten Papandreou als Clown geschminkt.

Es ist eine erniedrigende Prozedur. Erneut muss Griechenlands Premierminister Georgios Papandreou heute zum Rapport beim Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker antreten. Muss seine neuesten Sparvorschläge vorstellen und weiß doch: Er hat keine Chance.

Keine Chance, ein Sanierungsprogramm vorzulegen, das die europäischen Partner restlos überzeugt, dass ihre Hilfsgelder gut angelegt sind. Und zugleich keine Chance, seine Mitbürger in Griechenland davon zu überzeugen, dass es zu harten und schmerzhaften Einschnitten keine Alternative gibt.

Griechenland ist wie ein Süchtiger im Methadon-Programm. Seine Droge sind die Staatsschulden. Die Kredite der europäischen Partner und des IWF sind die legale Ersatzdroge, die den Übergang zum echten Entzug erleichtern soll. Es ist alles gut gemeint. Doch die Hilfen zögern die Genesung mittlerweile immer mehr hinaus. Und die Nebenwirkungen sind so stark, dass sie das gesamte Programm in Frage stellen.

Papandreou ist in einem fast unlösbaren Dilemma. Die Sparvorschriften der Partner sind hart und gehen für das Land über die Schmerzgrenze hinaus. Aus Sicht der EU-Länder verständlich: Sie möchten ihr Geld nicht in ein Fass ohne Boden schütten. Schließlich müssen sie sich auch gegenüber ihren eigenen Bürgern rechtfertigen. Deswegen mischen sich jedoch unter sinnvolle ökonomische Forderungen mehr und mehr populistische Wünsche.

Kommentare (30)

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Steuerzahler

03.06.2011, 10:32 Uhr

oh, nach einem Jahr hat jetzt auch das HB verstanden, daß GR pleite ist. Toll, das ging schnell. Wer nicht vom Euro-und Europwahn benebelt war, konnte das bereits schon vor einem Jahr erkennen. Aber als Teil des staatlichen Alternativlos-Verkündugsparates dauert alles etwas länger und kostet viele Milliarden für den deutschen Steuerzahler mehr. Wie wäres mit einem freiwilligen GR-Soli für alle die, die die GR-Hilfen immer alternativlos befürwortet haben?

Pancho_Helleno

03.06.2011, 10:35 Uhr

Bisher, der meist zutreffendste Bericht den ich in den Medien zu Gesicht bekommen habe. Glückwunsch an den Autor Florian Kolf. Er scheint ein Griechenlandkenner zu sein.

Ondoron

03.06.2011, 10:38 Uhr

Ich versteh nicht so recht, was das HB will. GR ist das Exemplar eines bankrotten Staates - nicht insolvent, sondern völlig bankrott. Dem Staat könnte man nur Geld schenken - alles andere hilft nicht.
Im übrigen ist es eine Blaupause dafür, was mit einem bankrotten Staat passiert; für Deutschland jedenfalls sehe ich ähnliche Entwicklungen in überschaubarer Zeit, und zwar deshalb, weil die deutschen Staatsfinanzen alles andere als gesund sind und durch die Euroretterei völlig zerrüttet werden. Das ist der Preis eines geradezu ergomanen und größenwahnsinnigen "politischen Projekts", vor dem viele Fachleute frühzeitig gewarnt haben und deren Stimmen immer noch arrogant von den EUliten ignoriert werden.
Man sollte GR seinem Schicksal überlassen; wenn die Griechen meinen, andere Europäer sollen dort die Wahlgeschenke dieses bankrotten Staates bezahlen, dann wird das - ohne Abstimmung im Parlament selbstverständlich; so weit sind wir ja schon in Deutschland(!) - vielleicht eine Weile gut gehen. Aber die Politiker irren, wenn sie meinen, sie kämen damit durch. Die sich anbahnende politische und ökonomische Katastrophe Europas können nur Blinde und dumme Gutmenschen ignorieren. Die Politiker sind wirklich so dumm und meinen, es sei jetzt ein bisschen Sturm da, den es abzuwettern gelte - so, wie es von einer politischen Persönlichkeit - denn die wollen ja alle ins Geschichtsbuch - verlangt werden kann. Sie begreifen nicht, dass der Euro ein politisches Projekt sozialistischer Prägung ist, das nicht funktionieren kann ohne eine EUSSR. Die allerdings will niemand! Da werden die europäischen Völker rebellieren und alles kurz- und kleinschlagen. Richtig so! Die Griechen werden damit beginnen. Die Deutschen sind von politischen Projekten immer noch verführbar, vor allem, wenn sie grün angehaucht sind!

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